Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

PROZESS: Gericht bestraft Senior für seinen dilettantischen Raubversuch mit einer Bombenattrappe

Das Bezirksgericht Weinfelden verurteilt einen 65-jährigen Mann wegen des versuchten Raubs auf die Raiffeisenbank in Hauptwil im Januar 2014 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr.
Mario Testa
Kurz nach dem versuchten Banküberfall in Hauptwil riegelte die Polizei das Gelände ab. (Bild: Georg Stelzner)

Kurz nach dem versuchten Banküberfall in Hauptwil riegelte die Polizei das Gelände ab. (Bild: Georg Stelzner)

Mit einer Bombenattrappe – gebastelt aus einem Schuhkarton, Spraydosen und einem WLAN-Router – hat ein Mann am 8. Januar 2014 die Raiffeisenbank in Hauptwil überfallen. Er betrat maskiert mit der Bombenattrappe in einer Tragtasche die Bank, in seiner Hand hielt er einen Garagen-Fernbedienung als vermeintlichen Bombenauslöser. Er trat vor den Schalter, legte die Attrappe hin und sagte: «Geld her! Ich habe eine Bombe.»

Mit der Reaktion des Bankangestellten hinter der dicken Glasscheibe hatte der Mann jedoch nicht gerechnet. Dieser erwiderte «Nei, es git nüt!» und drückte den Alarmknopf. Daraufhin ergriff der Räuber die Flucht, liess jedoch seine Bombenattrappe in der Bank zurück und fuhr mit dem vor der Filiale parkierten Mietauto davon.

«Ich habe einen grossen Blödsinn gemacht»

Erst viereinhalb Monate später konnte ihn die Polizei festnehmen. Die Bombenattrappe und Videoaufnahmen des Fahrzeugs hatten die Fahnder auf die Spur des Täters gebracht. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Weinfelden am Dienstagnachmittag zeigt sich der heute 65-Jährige geständig. «Es ging mir damals nicht gut. Ich habe einen grossen Blödsinn gemacht, weil ich in Geldnot steckte und Schulden zurückbezahlen musste. Der Überfall war eine spontane Entscheidung», sagt er zu den Richtern. «Dabei hätte ich einfach auf die Gemeinde gehen und um Sozialhilfe bitten sollen.» Zur Zeit des versuchten Raubes war der Mann seit gut einem Jahr im frühzeitigen Ruhestand. Zuvor arbeitete er als Busfahrer. Er lebte damals laut eigenen Angaben von etwa 2100 Franken pro Monat, da er seit seiner Scheidung nur noch die Hälfte seiner Rente zur AHV dazubekam.

Die Staatsanwaltschaft Bischofszell forderte für den Mann wegen versuchten Raubs eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, bei zwei Jahren Probezeit, sowie eine Busse von 2160 Franken. Anwesend waren an der Verhandlung ausser dem Angeklagten weder ein Verteidiger noch die Staatsanwaltschaft. Da der Angeklagte die Genugtuung und den Schadenersatzforderungen der Privatkläger schon im Vorfeld akzeptierte, waren auch der Bankangestellte sowie Vertreter der Raiffeisenbank Hauptwil-Gottshaus, die als Privatkläger auftraten, nicht zugegen. Das Gericht in Dreierbesetzung unter Vorsitz von Pascal Schmid folgte den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Es hob die Busse auf, verlängerte auf der Gegenseite aber die Probezeit für die bedingte Freiheitsstrafe auf vier Jahre.

«Ein gerissener Bankräuber sieht definitiv anders aus»

«Raub – auch ein versuchter – ist ein schweres Delikt, keine Bagatelle», machte der Gerichtspräsident bei der Urteilsverkündung dem Angeklagten klar. «Und so ganz spontan war Ihre Tat ja doch nicht. Sie haben sich darauf vorbereitet. Die Ausführung war dann aber doch sehr dilettantisch.» Das Gericht nehme es dem Angeklagten ab, dass er es nicht auf Hunderttausende von Franken abgesehen hatte, sondern auf ein paar Tausende zur Tilgung der dringlichsten Schulden. «Ein gerissener Bankräuber sieht definitiv anders aus», formuliert es der vorsitzende Richter. Zudem sei der Angeklagte in allen Befragungen geständig und kooperativ gewesen und habe keine Vorstrafen, daher sei die Tatschwere im unteren Bereich anzusiedeln und die bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten gerechtfertigt, wenn auch sehr mild. «Wäre es eine längere Freiheitsstrafe, müsste die Hauptverhandlung im Beisein von Staatsanwaltschaft und Pflichtverteidiger wiederholt werden. Das würde die Kosten weiter nach oben treiben», erklärt Schmid. Die gesamten Verfahrenskosten von gut 8000 Franken muss der Angeklagte berappen, dazu kommen die Genugtuung und der Schadenersatz.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.