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Prozess gegen 44-Jährigen im Toggenburg: «Die Ehefrau wie eine Sklavin gehalten»

Er soll seine Frau vergewaltigt und genötigt haben. Am Donnerstag stand ein 44-Jähriger vor dem Kreisgericht Toggenburg.
Janina Gehrig

Was an jenem Freitag geschah, habe sich in ihr eingebrannt wie auf einer CD, die man nicht mehr löschen könne. An diesem Morgen stand sie in der Küche. «Er hat zu mir gesagt, ich müsse meine Pflicht als Ehefrau erfüllen.» Auf ihr «Nein» habe er sie gepackt. Sie habe versucht, sich am Türrahmen festzuhalten.

«Es war wie ein Kampf. Körper an Körper. Ich bin im Stehen über den Plattenboden geschliffen, bis zum Gästezimmer.»

Dort habe er sie aufs Bett geworfen, ihre Hände über dem Kopf fixiert und sie vergewaltigt. «Ich hatte brutale Schmerzen. Ich habe die ganze Zeit geweint. Ich wollte keinen Sex haben.»

Auch am Donnerstag weinte die 43-Jährige, als sie vor dem Kreisgericht Toggenburg schildern musste, was ihr Noch-Ehemann ihr im Herbst 2015 mutmasslich angetan hatte. Der Beschuldigte, der sich die Vorwürfe in einem Nebenzimmer des Gerichts anhörte, musste sich nebst der Vergewaltigung auch wegen mehrfacher Nötigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verantworten.

Drogen konsumiert und Partys gefeiert

Vorangegangen war eine Ehe, die vom Vater des Beschuldigten über einen Chat eingefädelt und nach kurzer Zeit 2004 geschlossen worden war. «Ein Weg voller Enttäuschung, Ernüchterung und Erniedrigung», wie es der Staatsanwalt später in seinem Plädoyer zusammenfasste. Nach der Geburt des Sohnes 2005 habe der Mann angefangen, ein Doppelleben zu führen, gab die Frau bei der Befragung an. Er sei nächtelang nicht mehr aufgetaucht, habe Drogen konsumiert, Partys gefeiert. Häufig habe er komatös im Bett gelegen, während sie mit ihrem Lohn als Pflegefachfrau versucht habe, die Familie zu ernähren.

Richtig schlimm geworden sei es, als der gelernte Automechaniker 2013 seine Stelle verlor. Auf die Frage des Richters, warum sie trotzdem bei ihm geblieben sei, sagte sie:

«Ich hatte immer die Hoffnung, dass es besser wird. Ich habe mir gewünscht, dass unser Kind eine Familie hat.»

Weggelaufen ist die Klägerin schliesslich im Herbst 2017, direkt ins Frauenhaus. Zuvor habe sie ihm mehrmals gesagt, dass sie sich scheiden lassen wolle. Ihr Mann habe darauf gesagt, dass nur der Tod sie trennen werde. Zudem drohte er, das Haus ihrer Schwester und das ihrer Eltern in Brand zu setzen und Suizid zu begehen.

«Sie war beim Sex oft wie eine Puppe»

Von den Vorwürfen wollte der Beschuldigte am Donnerstag nichts wissen. Er schüttelte den Kopf, lachte ungläubig vor sich hin, zuckte mit den Schultern oder rollte mit den Augen. Gewalt sei nicht «seins», sagte der Mann, der als 16-Jähriger aus Serbien in die Schweiz gekommen war. Er sei ein offener, fröhlicher Mensch und keineswegs aufbrausend. «Ich weiss heute noch nicht, warum sie gegangen ist. Ich hab sie immer noch gern.» Sie sei beim Sex zwar oft «wie eine Puppe» gewesen, aber dazu gezwungen habe er sie nicht.

Sein Anwalt plädierte «in dubio pro reo» und zog die Aussagen der Frau in Zweifel. Sie habe sich nicht mehr an den genauen Zeitpunkt der mutmasslichen Vergewaltigung erinnern können. Diese könne so nicht stattgefunden haben. «Wegen des Gummizugs der Trainerhose, die sich in ihrer Kniekehle befand, ist Sex in der Missionarsstellung gar nicht möglich», sagte er. Zudem verneinte er, dass sein Mandant der Frau das Handy aus der Hand schlug, als er ihr im Januar 2018 trotz Kontaktverbot nachstellte.

Staatsanwalt fordert teilbedingte Freiheitsstrafe

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon zwölf Monate zu vollziehen seien. «Wer jemanden zu Unrecht eines schweren Verbrechens beschuldigen will, nimmt nicht den Weg über das Frauenhaus», sagte er. Der Beschuldigte habe seine Frau wie eine Sklavin gehalten, mit Gewalt ihren Widerstand gebrochen. Er sei weder einsichtig noch reuig. Die Aussagen der Frau aber seien präzise und konstant. Das Urteil steht noch aus.

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