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PROZESS: Den Nachbarn erschossen

Ein Mann wehrt sich vor dem Thurgauer Obergericht gegen die «kleine Verwahrung». Er ist wegen Mordes verurteilt.

Ein 63-jähriger Mann hat am Thurgauer Obergericht Beschwerde gegen eine «kleine Verwahrung» eingelegt. Die erste Instanz hatte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren wegen Mordes und einer stationären Massnahme verurteilt.

2013 hatte der Schweizer einen Nachbarn auf offener Strasse erschossen. Die Bluttat war der tödliche Abschluss eines Nachbarschaftsstreits. Die beiden Männer wohnten im gleichen Hochhaus, das Opfer direkt über dem Beschuldigten. Er fühlte sich vom Deutschen terrorisiert: Dieser mache dauernd Lärm. Allerdings war er der einzige, der je diesen Lärm wahrnahm. So erhielt der Beschuldigte denn auch nirgends die erhoffte Unterstützung. Im Gegenteil: Von der Schlichtungsstelle wurde er angewiesen, sich eine neue Wohnung zu suchen. Am Morgen des Zügeltags schritt er zur Tat.

Mehrmals auf Opfer geschossen

Gemäss Staatsanwältin steckte der Beschuldigte am 29. Oktober 2013 kurz vor 6 Uhr früh einen mit sechs Schuss geladenen Revolver ein, verliess das Haus, wartete, bis der Nachbar herauskam und folgte ihm zu dessen Auto. Er schoss ein erstes Mal, als der Mann einsteigen wollte. Als der Verletzte die Flucht ergriff, feuerte der Täter weitere Schüsse auf ihn ab. Schliesslich brach das Opfer zusammen. Am nächsten Tag starb der 53-Jährige im Spital. Der Schütze stellte sich wenig später selbst. Er sitzt seither in Haft.

Verteidigung fordert siebeneinhalb Jahre

Das Bezirksgericht Arbon verurteilte den Schweizer wegen Mordes. Nebst der erwähnten Freiheitsstrafe und der stationären Massnahme wurde er wegen Vergehen gegen das Waffengesetz mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken bestraft. Der Witwe des Opfers hat er eine Genugtuung von 100 000 Franken zu bezahlen. Das Gericht war den Anträgen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Der Beschuldigte zog das Urteil weiter ans Obergericht, wo gestern die Verhandlung stattfand. Der Beschuldigte sei nach schlafloser Nacht, alkoholisiert und voller Angst vor dem Umzug, ins Freie gegangen, um sich selbst das Leben zu nehmen, sagte der Verteidiger. Als er auf den Nachbarn getroffen sei, sei es zu einer Kurzschlusshandlung gekommen. Der Verteidiger forderte eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung mit einer maximalen Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren, die Busse sei bedingt auszusprechen. Auf eine stationäre Massnahme sei zu verzichten. Das Gutachten kritisierte der Verteidiger als fehlerhaft; er verlangte ein neues. Der Witwe sei eine Genugtuung von 30000 Franken zu gewähren.

«Erhebliche Rückfallgefahr»

Die Staatsanwältin fordert die Abweisung der Berufung. Der Beschuldigte habe die Tötung des Nachbarn geplant. «Er tötete aus Ekel und Hass. Er wollte Rache üben», sagte sie. Erst ein Jahr nach der Tat sei er mit der Version des Suizids gekommen. Dem Beschuldigten ist eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, paranoiden und schizoiden Zügen diagnostiziert worden. Zudem habe er ein Alkoholproblem. Die Rückfallgefahr sei erheblich, sagte die Staatsanwältin. Im Schlusswort sagte der Beschuldigte, die Sache sei «dumm gelaufen». Er sei jahrelang terrorisiert worden und müsse nun ins Gefängnis. Für die Hinterbliebenen tue es ihm leid.

Das Urteil des Obergerichts wird schriftlich eröffnet. (sda)

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