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PROZESS: Chinese bestreitet Geiselnahme

Ein Chinese hat vor dem St. Galler Kantonsgericht versucht, seine Unschuld zu beweisen. Ihm wird vorgeworfen, eine Familie als Geisel genommen zu haben. Der Entscheid des Gerichts steht noch aus.
Claudia Schmid

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch

Für einen 33-jährigen chinesischen Staatsangehörigen geht es vor Kantonsgericht in St. Gallen um viel: Die Vorinstanz hatte ihn der mehrfachen Geiselnahme und des Raubes schuldig erklärt. Sie verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Der Mann hatte stets seine Unschuld beteuert und verlangte nun im Berufungsverfahren erneut einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft beantragte hingegen die Erhöhung der Strafe auf elf Jahre.

Die Täter gingen brutal vor

Die Geiselnahme geschah im November 2005: Laut Anklageschrift waren die Opfer ein der Täterschaft als chinesische Geschäftsleute bekanntes Ehepaar und seine zwei minderjährigen Töchter. Drei mit schwarzen Wollmützen vermummte Männer drangen in die Wohnung der Familie ein, fesselten und knebelten sie. Die Angreifer forderten laut Staatsanwaltschaft die Herausgabe von Geld und Angaben über PIN-Codes. Da sie mit den erhaltenen Informationen nicht zufrieden gewesen seien, hätten die Täter mit dem Erstickungstod einer der Töchter gedroht. Sie hätten ihr einen Plastiksack über den Kopf gestülpt.

Die Frau soll den Männern daraufhin einen falschen PIN-Code angegeben haben. Der eine Täter blieb zur Bewachung der gefesselten Geiseln zurück, während die anderen beiden zum nahe gelegenen Chinarestaurant des Ehepaares fuhren, um die Geschäftstresore auszuräumen. In dieser Zeit konnte der Mann sich und seine Familie befreien und die Polizei alarmieren. Die Täter konnten fliehen. Von zweien fanden die Untersuchungsbehörden DNA-Spuren; unter anderem auf einer Wollmütze diejenigen des Beschuldigten.

Der Beschuldigte wurde neun Jahre nach der Tat im Jahre 2014 in Bordeaux verhaftet und Ende 2015 in die Schweiz ausgeliefert. 2006 wurde er in Frankreich wegen eines Überfalls mit einem Messer, bei dem eines der Opfer Stichverletzungen am Hals erlitt, zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Sowohl in der Erstverhandlung am Kreisgericht St. Gallen als auch in der Berufungsverhandlung vom Freitag beteuerte der Mann, er sei eng mit der Opferfamilie befreundet gewesen. Er habe für sie gearbeitet und sei oft bei ihr zum Essen gewesen, was auch die DNA-Spuren in der Wohnung erkläre. Die beiden Töchter, die vom Kantonsgericht im Vorfeld der Verhandlung befragt wurden, verneinten allerdings eine enge Beziehung zwischen der Familie und dem Beschuldigten. Die Töchter seien von ihren Eltern zum Lügen aufgefordert worden, weil sie in unlautere Geschäftsmachenschaften verwickelt seien, erklärte der Beschuldigte. Die Frau habe jemandem 110000 US-Dollar geschuldet. Falls die Familie überhaupt überfallen worden sei, müsse wohl diese Person einer der Täter sein.

Vollumfänglicher Freispruch verlangt

Die Verteidigerin verlangte einen vollumfänglichen Freispruch und für den vorzeitigen Strafvollzug eine Entschädigung von 85000 Franken. Sie stellte mehrere Beweisanträge wie zum Beispiel die Befragung des Ehepaares. Frühere Aussagen der Eheleute enthielten «in erschreckender Weise» Unwahrheiten. Hingegen entspreche es der Wahrheit, dass ihr Mandant bei der Familie gearbeitet, zeitweise gewohnt und ein enges Verhältnis zu ihr gehabt habe. Es bestehe die Möglichkeit, dass die DNA-Spuren bewusst gelegt worden seien. Im weiteren machte die Verteidigerin Verfahrensmängel bei der erstinstanzlichen Gerichtsverhandlung geltend, die eine Verurteilung unmöglich mache. Der Staatsanwalt verlangte mit Anschlussberufung eine Erhöhung der Strafe auf elf Jahre. Die Tatbeteiligung des Beschuldigten sei von der Vorinstanz sorgfältig geprüft und als erwiesen erkannt worden. Die Täter seien brutal und skrupellos vorgegangen, weshalb eine deutlich höhere Sanktion angemessen sei. Das Kantonsgericht St. Gallen wird das Urteil zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich eröffnen.

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