Prozess
«Berateraffäre» um Liechtensteiner Ex-Aussenministerin Aurelia Frick vertagt: Zwei Kronzeuginnen sind nicht vor Gericht erschienen

Hat die ehemalige Liechtensteiner Regierungsrätin Aurelia Frick ihre Amtsgewalt missbraucht? Diese Frage konnte am Kriminalgericht in Vaduz nicht geklärt werden: Trotz Vorladung sind die zwei wichtigsten Zeuginnen der Anklage nicht vor Gericht erschienen. Die «Berateraffäre» ist damit noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Sie ist um ein Kapitel reicher.

Patrik Schädler/Liechtensteiner Vaterland
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Die ehemalige Liechtensteiner Aussenministerin Aurelia Frick erscheint vor dem Kriminalgericht in Vaduz.

Die ehemalige Liechtensteiner Aussenministerin Aurelia Frick erscheint vor dem Kriminalgericht in Vaduz.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Nach knapp elf Stunden Verhandlung im Vaduzer Saal vertagte das Kriminalgericht unter dem Vorsitz von Anton Eberle am Mittwoch den Prozess auf unbestimmte Zeit. Der Grund: Die zwei wichtigsten Zeuginnen im Verfahren gegen Ex-Regierungsrätin Aurelia Frick und ihren Generalsekretär sind trotz Vorladung nicht vor Gericht erschienen. Die Vernehmung der beiden Beraterinnen Maria Pinardi und Claudia Predicatori soll nun per Rechtshilfegesuch an die Schweiz erfolgen. Aus diesem Grund dürfte es noch eine Weile dauern, bis die Frage geklärt ist, ob die ehemalige Aussenministerin und ihr Generalsekretär ihre Amtsgewalt missbraucht haben.

Doch mit den gestern bekannt gewordenen Umstände, hat die «Berateraffäre» um die ehemalige Aussenministerin ein neues Kapitel dazu bekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft Aurelia Frick und René Schierscher eine grosse Vertuschungsaktion vor. Nach der Kritik des Landtags an den überbordenen Reisespesen im Juni 2018, wird das Ministerium von der Finanzkontrolle im Oktober 2018 darauf hingewiesen, dass sich die Ausgaben der Medienberaterin Maria Pinardi auf 105'000 Franken belaufen. Damit hätte Aurelia Frick diese Ausgaben von der Regierung absegnen lassen müssen. Sie sagte vor Gericht:

«Wir wollten einfach einen weiteren politischen Sturm von aussen verhindern.»

Mit einer Scheinfirma die Kontrollinstanzen getäuscht

Um dies zu unterbinden hat Frick gemäss Anklage von der Beraterin Pinardi 15'000 Franken zurückgefordert. Als diese nicht zahlen wollte beziehungsweise nicht konnte, hat ihr Aurelia Frick das Geld privat vorgestreckt. Damit wurde die Zusammenarbeit mit Pinardi aber nicht beendet. Gemäss Anklage wurde die weitere Zusammenarbeit mit einer Scheinfirma fortgeführt. Maria Pinardi habe dafür ihre Schulfreundin Claudia Predicatori gewinnen können.

Ab September 2018 bis Juli 2019 wurden die Honorare von Maria Pinardi über die Firma von Predicatori Training & Communications abgerechnet. Das dies eine fingierte Firma war, hat Claudia Predicatori gemäss Polizeivernehmung bestätigt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass damit ein Regierungsbeschluss bewusst umgangen worden sei und sämtliche Kontrollinstanzen bewusst getäuscht worden seien. Die Scheinfirma habe zudem die zurückgezahlten 15'000 Franken im Februar 2019 wieder an das Ministerium verrechnet und anschliessend wieder auf das Privatkonto von Aurelia Frick überwiesen.

Mit einer Scheinfirma die Kontrollinstanzen getäuscht

Die Leistungen für die neue Firma hat aber weiterhin Maria Pinardi erbracht. Von den 80'000 Franken, welche die «Firma» Predicatori verrechnet hatte, sind 76'000 Franken an Maria Pinardi geflossen. Diese neue Rechnungskonstruktion sei gewählt worden, damit Aurelia Frick weiterhin uneingeschränkt mit Maria Pinardi zusammenarbeiten konnte, so die Staatsanwaltschaft. Aufgrund dieser Konstruktion sei auch gegenüber der Geschäftsprüfungskommission des Landtags mit unvollständigen bzw. geschwärzten Abrechnungen operiert worden.

Sowohl Aurelia Frick, wie auch René Schierscher beteuerten gestern, dass sie damit niemand täuschen wollten. Im Herbst 2018 habe Predicatori einfach die Aufträge von Maria Pinardi übernommen. «Für mich war dies wie ein Sub-Unternehmer», so Aurelia Frick. Und René Schierscher sagte aus, dass ihm das Innenverhältnis von Pinardi und Predicatori nicht bekannt gewesen sei. Sie sind beide der Überzeugung, dass somit die 100'000-Franken-Grenze für beide Unternehmen gelte. Zudem war ihre Verteidigungsstrategie darauf ausgelegt, dass es sich nicht um einen Auftrag gehandelt hat, sondern um viele Einzelprojekte und deshalb nicht addiert werden dürfe. Da es aber keinerlei schriftliche Vereinbarungen gibt, kann dies nicht nachvollzogen werden. Zudem kommt, dass es für die Rechnungen von Predicatori nicht einmal Details gibt.

Hinweis: Der Verhandlungstag zum Nachlesen: vaterland.li/441744