Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

PROZESS: Angestellter ignoriert Räuber

Ein 65-Jähriger hat vergebens versucht, eine Bank in Hauptwil zu überfallen. Das Bezirksgericht Weinfelden fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr.

Mit einer Bombenattrappe – gebastelt aus einem Schuhkarton, Spraydosen und einem WLAN-Router – hat ein Mann am 8. Januar 2014 die Raiffeisenbank in Hauptwil überfallen. Er betrat maskiert mit der Bombenattrappe in einer Tragtasche die Bank, in seiner Hand hielt er eine Garagen-Fernbedienung als vermeintlichen Bomben-Auslöser. Der Mann trat vor den Schalter, legte die At­trappe hin und sagte: «Geld her! Ich habe eine Bombe.»

Mit der Reaktion des Bank­angestellten hinter der Glas­scheibe hatte der Mann jedoch nicht gerechnet. Dieser er­widerte «Nei, es git nüt!» und drückte den Alarmknopf. Daraufhin ergriff der Räuber die Flucht, liess jedoch seine Bombenattrappe in der Bank zurück und fuhr mit dem vor der Filiale parkierten Mietauto davon. Erst viereinhalb ­Monate später konnte ihn die Polizei festnehmen. Die Bombenattrappe und Videoaufnahmen des Fahrzeugs hatten die Fahnder auf die Spur des Täters gebracht.

«Ich habe einen grossen Blödsinn gemacht»

Bei der Verhandlung vor dem ­Bezirksgericht Weinfelden am Dienstagnachmittag zeigt sich der heute 65-Jährige geständig. «Es ging mir damals nicht gut. Ich habe einen grossen Blödsinn gemacht, weil ich in Geldnot steckte und Schulden zurück­bezahlen musste. Der Überfall war eine spontane Entscheidung», sagt er zu den Richtern. «Dabei hätte ich einfach auf die Ge­meinde gehen und um Sozial­hilfe bitten sollen.» Zur Zeit des versuchten Raubes war der Mann seit gut einem Jahr im frühzeitigen Ruhestand. Er lebte damals laut eigenen Angaben von etwa 2100 Franken pro Monat. Die Staatsanwaltschaft Bischofszell forderte für den Mann wegen ­versuchten Raubs eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten bei zwei Jahren Probezeit sowie eine Busse von 2160 Franken. Das Gericht folgte den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Es hob die Busse auf, verlängerte auf der Gegenseite aber die Probezeit für die bedingte Freiheitsstrafe auf vier Jahre.

«Raub – auch ein versuchter – ist ein schweres Delikt, keine ­Bagatelle», machte der Gerichtspräsident bei der Urteilsverkündung dem Angeklagten klar. «Und so ganz spontan war Ihre Tat ja doch nicht. Sie haben sich darauf vorbereitet. Die Ausführung war dann aber doch sehr ­dilettantisch.» Das Gericht nehme es dem Angeklagten ab, dass er es nicht auf Hunderttausende von Franken abgesehen hatte, sondern auf ein paar Tausende zur Tilgung der dringlichsten Schulden. Zudem sei der Angeklagte in allen Befragungen geständig und kooperativ gewesen und habe keine Vorstrafen. Daher sei die Tatschwere im unteren ­Bereich anzusiedeln und die bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten gerechtfertigt, wenn auch sehr mild. Die gesamten Verfahrenskosten von gut 8000 Franken muss der Angeklagte berappen, dazu kommen die Genugtuung und der Schadenersatz.

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.