Provokativer Bischofssprecher

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Ganz so berühmt (und berüchtigt) wie sein Chef ist er noch nicht, doch mitunter ebenso häufig in den Medien: Giuseppe Gracia, Sprachrohr des Churer Bischofs Vitus Huonder. Als versierter Kommunikationsprofi versteht sich Gracia in Szene zu setzen, auch wenn es einmal nicht um den Bischof und dessen ultrakonservativen Begriff der katholischen Kirche geht. Unlängst gab er den Whistleblower zur Aufklärung eines Missbrauchsskandals bei den Kapuzinern, wor­­auf er seinerseits beschuldigt wurde, den obersten Pater angeschwärzt zu haben. Gracia wies die Vorwürfe als «Ablenkungsmanöver» zurück und blieb standhaft: Die ganze Wahrheit müsse ans Licht, schliesslich gehe es um jahrzehntelangen Kindsmissbrauch. Zudem warf der verheiratete Vater zweier Kinder dem Medienportal kath.ch vor, zur Vertuschung des Skandals beizutragen. Dort führt er selber einen Blog – Konflikten geht er bei Gott nicht aus dem Weg, Feigheit ist ihm ein Greuel.

Die Publizität kann dem 49-jährigen St. Galler mit italienisch-spanischen Wurzeln nur recht sein: Gracia ist auch Schriftsteller (und Horrorfilmfan), bald erscheint sein neuer Roman «Der Abschied», die ungeschminkte Erzählung eines Terroranschlags. Zur Buchvorstellung diskutiert er am 1. Juni in Zürich mit CVP-Präsident Gerhard Pfister und der fortschrittlichen Muslima Saida Keller-Messahli. Bereits am 23. März kann man den beherzten Provokateur in seiner Heimatstadt erleben – als Gast in der Diskussionsrunde «Brennpunkt Religion». Wenn da wider Erwarten Langeweile aufkommt, gibt Gracia sicher Zündstoff. Wie sagte er in unserer Zeitung: «Je klarer man kommuniziert, desto grösser wird der Gegendruck.» (mel)