Protest zahlt sich aus

ST.GALLEN. Vor kurzem wollte die Regierung die Schule für medizinische Praxisassistentinnen schliessen. Dank Protesten wurde das verhindert. Nun werden ab Sommer gar zwei Klassen geführt.

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Medizinische Praxisassistentin bei der Arbeit. (Bild: pd)

Medizinische Praxisassistentin bei der Arbeit. (Bild: pd)

Der Kampf insbesondere der Ärzteschaft im südlichen Kantonsteil um den Erhalt der kantonalen Berufsschule für medizinische Praxisassistentinnen in Altstätten hat sich gelohnt. Das kantonale Bildungsdepartement hat Ende vergangenen Jahres eingelenkt, und nun werden ab Sommer sogar zwei Klassen geführt, statt einer wie im Vorjahr.

Offensichtlich hat sich die Diskussion auf den Bekanntheitsgrad dieses Berufs und auf das Interesse der jungen Frauen ausgewirkt. Der Arzt Raphael Stolz ist in der Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen zuständig für die Ausbildung der medizinischen Praxisassistentinnen (MPA): «Der Einsatz für den Erhalt der Schule zahlt sich aus. Es ist höchst erfreulich, dass mehr junge Leute in einen interessanten Beruf in der Gesundheitsversorgung einsteigen, in der sich ein Mangel an Nachwuchs abzeichnet.»

Wichtige Anlaufstelle

Die medizinische Praxisassistentin ist die wichtigste Mitarbeiterin des Arztes in freier Praxis und gleichzeitig erste Ansprechperson für Patientinnen und Patienten. Für Stolz steht deshalb fest: «Wenn man die Hausarztmedizin stärken will, ist die MPA eine entscheidende Funktion.» Er verweist darauf, dass auch in der Politik eine Aufwertung des MPA-Berufs zur Diskussion steht. Der Aufgabenbereich von medizinischen Praxisassistentinnen soll aufgewertet und damit der Praxisarzt entlastet werden. Die MPA sollen unter anderem vermehrt in der Triage Aufgaben übernehmen.

Überbetriebliche Ausbildung

Die Ausbildung der MPA ist dreigeteilt: in die praktische Ausbildung in der Arztpraxis, in die schulische Ausbildung an der Berufsschule sowie in überbetrieblich geführte Kurse, wo die jungen Frauen unter der Verantwortung der Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen eine vertiefte Ausbildung erhalten. Beispielsweise im Umgang mit den Arbeiten im Praxislabor.

Medizinische Praxisassistentin ist ein klassischer Teilzeitberuf, sagt Raphael Stolz: «Viele jungen Frauen steigen nach ein paar Jahren aus oder reduzieren ihr berufliches Pensum, wenn sie eine Familie gründen. Während und nach der Familienphase arbeiten sie dann häufig Teilzeit.» Das komme auch vielen Praxisärztinnen und Praxisärzten entgegen, die gerne die verantwortungsvolle Aufgabe beim Zutritt in die Praxis auf zwei oder mehr Schultern verteilen.

Morgen abend können siebzig junge Frauen im Pfalzkeller in St.Gallen ihr MPA-Diplom entgegennehmen. (red.)