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PROPAGANDA: Streit um türkisches Schultheater im Thurgau

Schweizerisch-türkische Primarschüler aus dem Kanton St. Gallen haben im Thurgau mit Spielzeugwaffen blutige Schlachten nachgespielt. Politiker kritisieren die lasche Aufsicht der St.Galler Behörden. Aus dem Thurgau kommen Dementis.
Andri Rostetter, Markus Schoch, Jürg Ackermann
Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Stein des Anstosses ist eine Darbietung in der Unterrichtsreihe «Heimatliche Sprache und Kultur» einer sogenannten HSK-Klasse. Am 25. März gingen in der Mehrzweckhalle Uttwil sechsjährige Buben mit Spielzeuggewehren aufeinander los und posierten als Leichen – zugedeckt mit türkischen Fahnen, wie der «SonntagsBlick» berichtete. Dabei wurde die Schlacht von Gallipoli dargestellt, ein Gefecht während des Ersten Weltkriegs, in dem die Soldaten des Osmanischen Reiches britische, australische und französische Einheiten zurückschlugen. Ein Türkei-Experte erklärte, bei dem Anlass würden Kinder gezielt für nationalistische Kriegspropaganda von Staatspräsident Erdogan instrumentalisiert. Treibende Kraft hinter der Darbietung soll die türkische Botschaft in Bern gewesen sein, im Publikum seien Ehrengäste aus Ankara gesessen. Am Theater sollen hauptsächlich Schüler einer HSK-Klasse aus Flawil beteiligt gewesen sein.

Bildungspolitikerinnen reagieren irritiert

Bei nationalen Bildungspolitikern lösen die Kriegsspiele im türkischen Unterricht ungute Gefühle aus. «Mich verwundert es sehr, dass die Kontrolle und die Aufsicht der kantonalen Behörden hier nicht besser funktioniert haben», sagt die Thurgauer CVP-Ständerätin Brigitte Häberli auf Anfrage. «Ich bin für Toleranz. Aber sie hört auf, wenn solches Gedankengut im Unterricht transportiert wird.»

Eine schärfere Aufsicht ist auch für Verena Herzog ein «Gebot der Stunde»: «Noch besser aber würde diese Unterrichtszeit für die Verbesserung der Deutschkenntnisse dieser Kinder anstatt für Heimatunterricht eingesetzt», sagt die Thurgauer SVP-Nationalrätin. Der Vorfall zeige auch, was passieren könne, wenn eine «Multikulti-Gesellschaft» aus dem Ruder laufe. «Es geht hier weniger um Bildungspolitik als vielmehr um die Frage, wen wir ins Land lassen.»

Der Kanton St. Gallen ist in den Fall involviert, weil er den Unterricht für die in Uttwil vertretenen Klassen mitorganisierte. Der St. Galler Bildungschef Stefan Kölliker war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Im Kanton St. Gallen werden Kurse für «Heimatliche Sprache und Kultur» in 17 Sprachen angeboten - von Italienisch, über tamilisch und türkisch. Die Idee dahinter: Schüler mit Migrationshintergrund lernen besser Deutsch, wenn sie auch in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Zudem sollen sie ihre Kenntnisse über ihre Heimat erweitern.

Theaterstück mit humanitärer Botschaft

«Die türkische Schule hat alle Bedingungen erfüllt, die wir an einen Mieter stellen», sagt der Uttwiler Gemeindepräsident Stephan Good. «Wir sahen keinen Grund, eine Bewilligung zu verweigern. Zumal es sich um einen bekannten Verein in der Region handelt.» Auch der Organisator des kritisierten Kindertheaters, Ahmet Tak, wehrte sich gegen Vorwurf, mit der Theateraufführung Propaganda für Erdogan zu betreiben. In einem Interview mit «20 Minuten» sagte Tak, diese Szenen würden schon seit vielen Jahren von türkischen Kindern gespielt. Sie hätten auch eine humanitäre Botschaft. «Sie zeigen auch, wie sich türkische Soldaten um verwundete Feinde kümmern.» Einer der Kursorganisatoren räumte jedoch inzwischen ein, beim militärischen Schauspiel wohl etwas zu weit gegangen zu sein. Es sei aber «nur» ein historisches Ereignis nachgespielt worden.

Auch Aliye Gül, Gemeindeschreiberin von Uttwil und ehemalige Thurgauer SP-Kantonsrätin, gibt sich empört über die Vorwürfe: «Erdogan war kein Thema an diesem Anlass. Er war auch nicht im Bild präsent. Es waren keine Vertreter des türkischen Staates anwesend. Am Anfang wurde die türkische und die Schweizer Hymne gespielt. Es hing eine türkische und eine Schweizer Fahne und dazwischen ein Porträt von Staatsgründer Atatürk, dessen Name Erdogan lange nicht in den Mund nahm.»

Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

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