Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Professor Sester tritt zurück – das dürfte den Verantwortlichen der Universität mehr als gelegen kommen

Die Leitung der Universität St.Gallen gibt weitere Schritte in Sachen Spesenskandal bekannt. Ein Professor erhält einen schriftlichen Verweis. Rechtsprofessor Peter Sester, gegen den die Strafbehörden ermitteln, geht per Ende Januar 2020 freiwillig.
Regula Weik
Die HSG hat mit diversen Spesenskandalen zu kämpfen. (Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 3. Mai 2019))

Die HSG hat mit diversen Spesenskandalen zu kämpfen. (Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 3. Mai 2019))

«Der Universitätsrat hat Strafanzeige gegen Professor Peter Sester eingereicht. Peter Sester wird mit sofortiger Wirkung von sämtlichen Aufgaben entbunden.» Diese Aussagen von Stefan Kölliker, Präsident des Universitätsrats und St.Galler Bildungschef, sassen. Das war im Januar. Sester hatte bei den Spesen über die Stränge gehauen. Er hatte sich über einen Zeitraum von vier Jahren, 2014 bis 2018, grosszügig und unzulässig Spesengelder in sechsstelliger Höhe auszahlen lassen – mutmasslich 100000 bis 120000 Franken. Darunter fallen Übernachtungen in Luxushotels, Flugreisen in der Business- oder gar in der First-Class, Diners in Spitzenrestaurants.

Der Rechtsprofessor und Brasilienspezialist steht im Zentrum der vor einem Jahr aufgedeckten Spesenaffäre am Institut für Finanzwissenschaft, Finanzrecht und Law and Economics (IFF). Gestern nun wurde bekannt: Sester tritt auf Ende Januar 2020 zurück. Dies dürfte den Verantwortlichen der Universität mehr als gelegen kommen. Denn Sester, seit 2014 an der HSG tätig, ist als Professor für internationales Wirtschaftsrecht gewählt – und zwar bis 2022. Um einen gewählten Professor entlassen zu können, müssen schwerwiegende Gründe vorliegen. Sester hat mit seiner Kündigung diesem Dilemma der Univerantwortlichen selber ein Ende gesetzt. Er bezieht in den kommenden Monaten noch sein Professorengehalt – aufgrund seiner Kündigungsfrist von sechs Monaten jeweils auf Ende eines Semesters.

Das Strafverfahren gegen Sester ist noch hängig. Allfällige Rückzahlungsforderungen könnten im Rahmen dieses Verfahrens geltend gemacht werden, sagt Uniratspräsident Kölliker.

Visierungsvorschriften nur mangelhaft eingehalten

Derart locker und grosszügig mit Spesen umgegangen war am Institut für Finanzwissenschaft, Finanzrecht und Law and Economics nur Sester. Dennoch wurde gegen zwei weitere Professoren des Instituts ein Disziplinarverfahren eröffnet. Eines ist nun abgeschlossen: Ein Professor erhält einen schriftlichen Verweis. Der Universitätsrat wirft ihm Pflichtverletzungen vor. Er soll die Spesenabrechnungen von Sester visiert haben, ohne sie genügend zu überprüfen. Damit habe er die «Visierungsvorschriften nur mangelhaft eingehalten», heisst es in einem gestern öffentlich gemachten Kurzbericht zur Administrativuntersuchung. Der betroffene Professor bestreitet die Vorwürfe gegen ihn nicht und hat die Disziplinarmassnahme akzeptiert.

Politikerinnen und Politikern fordern seit Monaten Einblick in den Bericht der Administrativuntersuchung. Auf die Frage, weshalb nun nur eine Kurzfassung zugänglich wird, antwortet Kölliker, der vollständige Bericht könne wegen des laufenden Strafverfahrens nicht offengelegt werden.

«Ich sage dazu nichts, kein Wort»

Das Disziplinarverfahren gegen den zweiten Professor ist wegen hängiger Rechtsmittelverfahren noch offen. Auch ihm werden Pflichtverletzungen vorgeworfen. Bestreitet der betroffene Professor die Vorwürfe? Kölliker:

«Ich sage dazu nichts, kein Wort.»

Der Universitätsrat hat die Namen der beiden Professoren bis heute nicht öffentlich gemacht. Recherchen dieser Zeitung zeigten jedoch schon früh: Sesters Spesen wurden praktisch immer von seinem Institutskollegen Thomas Berndt visiert. Die zweite Disziplinaruntersuchung richtet sich gegen Robert Waldburger, Vorsitzender der Direktion des Instituts. Er hatte im Frühling 2018 die Spesenaffäre aufgrund eines Hinweises intern ins Rollen gebracht. Waldburger visierte ebenfalls Spesen von Sester.

Gemäss Recherchen dieser Zeitung segnete er aber von mehreren Hundert Belegen Sesters nur gerade deren drei ab. Waldburger liess schon früh durchblicken, dass er Mühe habe mit dem Vorgehen des Universitätsrats. Es ist daher naheliegend, dass er Rechtsmittel gegen die Beschlüsse des Universitätsrats ergriffen hat. Waldburger nimmt auf Anfrage keine Stellung.

Was bisher geschah

Juni 2018: Die Universität St. Gallen gibt den Fall eines massiven Falls von Spesenmissbrauch bekannt, ohne Angaben zu Instituten oder Personen zu machen. Der St.Galler Anwalt Walter Locher wird mit der Administrativuntersuchung betraut. Gleichzeitig werden Disziplinarverfahren gegen drei Personen eröffnet.
August 2018: Die «Ostschweiz am Sonntag» enthüllt, dass das Institut für Finanzwissenschaft, Finanzrecht und Law and Economics (IFF) und der gesponserte Lehrstuhl der Lemann-Stiftung von Professor Peter Sester vom Verfahren betroffen sind.
September 2018: Die Universität nimmt das Reglement für Nebentätigkeiten und das Spesenreglement unter die Lupe. Und sie verspricht mehr Transparenz bei den Sponsorengeldern.
November 2018: Die Administrativuntersuchung gegen das Institut, an dem es mutmasslich zu übermässigen Spesenbezügen gekommen ist, ist abgeschlossen. Was die Abklärungen ergeben haben, hält die Universität St.Gallen unter Verschluss. Nun kommt die Disziplinarkommission zum Zug.
Januar 2019: Die Leitung der Universität St. Gallen reagiert auf die überzogenen Bezüge ihres Rechtsprofessors Peter Sester, der zwischen 2014 und 2018 missbräuchliche Spesen in der Höhe von 100000 bis 120000 Franken bezogen haben soll: Sie streicht die Spesenpauschalen. Die HSG verschärft das Spesenreglement und den Visierungsprozess und reicht Strafanzeige gegen Sester ein, der per sofort freigestellt ist.
Februar/März 2019: Ein Bericht der kantonalen Finanzkontrolle, der unserer Zeitung vorliegt, zeigt: Viele Institute pflegen einen grosszügigen Umgang mit Spesen und Honoraren. Die Universität unterzieht deshalb alle Institute einer Sonderprüfung. Diese ist noch nicht abgeschlossen.
3. Mai 2019: Die Universität informiert über Konsequenzen aus der Spesenaffäre. Rechtsprofessor Peter Sester tritt per Ende Januar 2020 zurück. (cz)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.