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Pro und Contra: Billigflüge – verlockend oder verwerflich?

Ist es sinnvoll, mal eben schnell mit dem Flugzeug übers verlängerte Wochenende nach Mallorca oder London zu reisen? Darüber scheiden sich die Geister.
Adrian Lemmenmeier, Martin Rechsteiner

Pro: Auch wer wenig Geld hat, soll reisen dürfen

Martin Rechsteiner, Redaktor.

Martin Rechsteiner, Redaktor.

Wer das billige Fliegen verteufelt, vergisst: Es gibt Menschen, die ein Bedürfnis dafür haben – es ist eine Sache der Fairness. Wer sich auf den Kampf gegen die günstige Fliegerei einschiesst, lässt ausser Acht, dass an ganz anderen Orten gleich viel, wenn nicht mehr, für die Umwelt getan werden könnte.

Die Vorteile des Flugzeugs gegenüber anderen Verkehrsmitteln muss man hier nicht erwähnen. Sie sind erheblich. Häufig ist es ja sogar so, dass eine Flugverbindung eine Reise überhaupt erst möglich macht. Gewisse Orte wären ansonsten nicht zu erreichen oder zumindest nicht innert nützlicher Frist.

Und genau diese Gelegenheit sollten auch weniger einkommensstarke Menschen und Familien haben. Auch für sie sollte es möglich sein, Freunde und Verwandte im Ausland zu besuchen. Das gelingt dank Billigflügen. Diese grundsätzlich zu verteufeln ist daher der falsche Ansatz.

Wer nun mit ökologischen Fakten argumentiert, muss konsequent sein. Aus dieser Sicht ist nämlich auch der Verzicht auf andere, vergleichbar grosse Klimakiller, wie etwa das Autofahren oder den Fleischkonsum, nötig. Denn auch diese Dinge tun wir aus Bequemlichkeit oder wir halten sie hoch, weil wir sie als unseren wohlverdienten Lebensstandard erachten – genau wie billige Flüge. Anstatt Verbote und Regeln gilt deshalb doch auch hier: Es braucht eine Sensibilisierung der Gesellschaft à la: Die Menge macht das Gift. Spass und Verzicht sollen sich die Waage halten. Fliege nicht immer, aber manchmal.

Denn so bleibt auch das wirtschaftliche Interesse daran bestehen, Flugzeuge sparsamer oder gar «grün» zu machen. Weil Kerosin ist teuer, die Anreize, stattdessen erneuerbare Energien zu nutzen, sind gross. Solche Ideen und Technologien können nur verfolgt und entwickelt werden, solange es eine finanzielle Motivation dafür gibt. Und die heisst Flugpassagiere.

Ganz nebenbei gibt es Transportmittel, die dem Flugzeug in Sachen Verschmutzung in nichts nachstehen. Zum Beispiel Kreuzfahrtschiffe, die tonnenweise umweltschädliches Bunkeröl verbrennen. Pro transportierte Person ist ihre Umweltbilanz mindestens so schlecht wie jene von Flugzeugen. Billigflug schlägt Luxuskreuzfahrt.

Contra: Der Billigflug nach Palma ist kein Menschenrecht

Adrian Lemmenmeier, Redaktor.

Adrian Lemmenmeier, Redaktor.

Fliegen ist schlecht fürs Klima, das weiss jedes Kind. Deshalb wäre es sinnvoll, man nähme am Wochenende nicht den Billigflug nach London, sondern das Velo an den See. Doch die Welt ist zu schön, um sie der Eigenverantwortung der Konsumenten zu überlassen. Deshalb muss der Staat das Fliegen verteuern.

Natürlich ist es praktisch: 100 Franken für ein Flugticket nach Paris, Palermo oder Palma. Für wenig Geld kann man fremde Städte erkunden oder vom Herbstnebel in den Süden fliehen. Wäre da nicht das Klima: Für rund 15 Prozent der in der Schweiz ausgestossenen Treibhausgase ist der Flugverkehr verantwortlich, Tendenz steigend. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass man die meisten Flug­reisen zum Spass macht.

Die Lösung des Problems scheint einfach: weniger fliegen. Wanderferien in Kandersteg sind besser für den Planeten als Strandferien auf Korfu. Müssen wir also alle unsere Gewohnheiten hinterfragen? Auf unser Gewissen hören, bevor wir für 39.90 Euro einen Flug buchen? Kurz: umweltbewusster konsumieren?

Vielleicht. Doch das reicht nicht. Ebenso wenig reicht es, dass Airlines beim Kauf eines Tickets eine freiwillige Klimaabgabe anbieten oder nebenbei noch Spenden für Unicef sammeln. Sie verkaufen neben dem Ticket noch ein bisschen Karma, ein bisschen Vergebung, ein bisschen Ruhe vor dem schlechten Gewissen. Das bringt nichts, sondern ist nur die lächelnde Maske vor der Fratze des unregulierten Kapitalismus. Grausig.

Fliegen muss teurer werden. Solange der Zug nach Berlin doppelt so viel kostet wie der Flug, gibt es keinen finanziellen Anreiz, auf die Bahn umzusteigen. Was tun? Den Anreiz erhöhen. Wie? Mit Steuern. Der Luftverkehr profitiert seit dem Abkommen von Chicago von 1944 weltweit von Steuerfreiheit. Das ist so überholt wie ein Tanzverbot an Ostern.

Forderungen nach einer Kerosinsteuer und einer Ticketabgabe, wie sie verschiedene Interessengruppen jüngst beim Bundesrat deponiert haben, gehen deshalb in die richtige Richtung: Man muss das Fliegen besteuern und mit den Einnahmen Fernzüge fördern. Dem Planeten zuliebe. Und der Beinfreiheit der Passagiere.

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