Pro & Kontra
Minigolf: Zeitloses Freizeitvergnügen für Gross und Klein oder nervenaufreibender Bünzlisport?

Minigolf löst Kindheitserinnerungen aus: Bei den einen dominiert die Freude am Präzisionssport, bei den anderen der Frust über die fehlende Feinmotorik.

Jolanda Riedener und Ruben Schönenberger
Jolanda Riedener und Ruben Schönenberger
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Pro: Immer wieder eine neue Chance

Ruben Schönenberger, Redaktor

Ruben Schönenberger, Redaktor.

Ruben Schönenberger, Redaktor.

Bild: Ralph Ribi

Die Sommerferien haben gerade begonnen, fünf unbeschwerte Wochen liegen vor mir: Wenn ich an Minigolf denke, habe ich sofort schöne Erinnerungen an die Kindheit im Kopf. Ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie ich an einem warmen Sommermorgen – in meinen Erinnerungen war das Wetter in den Sommerferien immer schön – durch die Sitzplatztüre nach draussen trete. Meine Mutter, passionierte Lehrerin, sitzt am Gartentisch und bereitet schon in der ersten Ferienwoche das neue Schuljahr vor. Mein Vater, erst später am Tag passionierter Lehrer, schläft noch. Meine Schwester sowieso.

Der Tag ist so früh am Morgen noch lang, doch ich habe meine Pläne schon geschmiedet: Ich will Minigolf spielen. Meine Mutter muss ich gar nicht erst fragen. Sie war für anderes zu haben, Badminton zum Beispiel, aber nicht für Minigolf. Ich verstand als Kind nicht, wie man das Spiel nicht lieben konnte. Eigentlich verstehe ich es heute noch nicht. Aber ich verstand, dass die Erfolgsaussichten auf eine Partie bei meinem Vater grösser sind. Oft sagte er tatsächlich Ja.

Von diesem Ja an war der Tag ein Abenteuer. Keines mit unerwarteten Wendungen zwar: Ich kannte die kurze Autofahrt zur Minigolf-Anlage, ich kannte die 18 Löcher und sinnierte doch jedes Mal von neuem, welche Taktik bei welcher Bahn wohl die beste ist. Und am Schluss gab's beim Kassenhäuschen, das auch als Kiosk fungierte, eine Cola und manchmal eine Glace. Aber es war ein Abenteuer, bei dem ich jedes Mal von neuem hoffen konnte, zu gewinnen, was ich selten tat. Oder zumindest ein Hole-in-one zu schlagen, was ähnlich selten der Fall war.

Es gibt in meiner Erinnerung nichts Negatives, das ich mit Minigolf in Verbindung bringe. Alle Assoziationen sind positiv. So sehr, dass ich heute noch kaum an einer Minigolf-Anlage vorbeigehen kann, ohne mir zu wünschen, eine Runde zu spielen. Das tue ich leider viel zu selten. Die Passion für den Präzisionssport – ja, Sport! – teilen nicht viele. Wenn es doch einmal dazu kommt, kenne ich die 18 Löcher noch immer. Minigolf ist eine Schweizer Erfindung und selbstverständlich normiert. Noch immer sinniere ich, welche Taktik bei welcher Bahn wohl die beste ist. Ein Hole-in-one schlage ich immer noch äusserst selten. Aber gewinnen, das klappt etwas öfter. Und am Schluss gibt's beim Kassenhäuschen etwas zu trinken. Vielleicht nicht mehr unbedingt eine Cola.

Kontra: Wer hat sich das ausgedacht?

Jolanda Riedener, Redaktorin

Jolanda Riedener, Redaktorin.

Jolanda Riedener, Redaktorin.

Bild: Benjamin Manser

Die Sonne brennt auf die 18 verschiedenen Beton- und Eternitbahnen. Auf meiner Stirn bilden sich Schweissperlen. Als Teenager war es eh schon doof, Zeit mit der Familie und den jüngeren Geschwistern zu verbringen. Noch schlechter war meine Laune nur, wenn es zur Minigolf-Anlage an den See ging. Feinmotorik und Geduld waren damals schon keine Stärken von mir.

Wobei, als Kind fand ich das Spiel noch lustig. Die Abneigung gegen diese Bünzli-Beschäftigung entwickelte sich erst mit den Jahren. Minigolf ist zwar nicht so elitär wie Golf. Es ist kleiner, einfacher und vor allem billiger. Das sei ja gerade das Schöne daran, sagen Minigolf-Enthusiasten. Egal ob alt oder jung, jede und jeder kann mitspielen. Dessen wird man sich vor Ort schmerzlich bewusst, wenn die kreischenden Zöglinge aus kinderreichen Familien samt Oma und Onkel auf den Platz treten. Man wartet ewig, bis sie endlich die nächste Bahn freigeben und ihre Punkte auf die Zettel gekritzelt haben. Dichtestress hoch zehn.

Manchmal lasse ich mich heute noch zu einer Runde Minigolf überreden, um den anderen eine Freude zu machen – ich will ja keine Spassbremse sein. Den klebrigen Schläger versuche ich locker in der Hand zu halten, achte auf meine Haltung und schubse den Ball über die wellige Bahn. Dabei versuche ich Loopings und Tunnels zu treffen. Ab und zu habe ich Glück.

Nach den ersten drei Bahnen nervt mich dieses Spiel aber schon derart, dass ich mich noch schlechter konzentrieren kann. Meistens überschreite ich die erlaubte Anzahl Schläge. Natürlich verliere ich jedes Mal. Auch gegen Kinder und Grossmütter. Egal, wichtiger als gewinnen ist, das Spiel schnell zu beenden. Der Höhepunkt aber kommt gegen Ende der Partie, wenn man den Golfball in ein Basketballnetz versenken muss. Wer hat sich das ausgedacht? Schon bevor ich zum Schlag aushole, weiss ich, das geht nach hinten los.

Alle Minigolf-Anlagen in der Übersicht: