Presseschau
«Immer die gleichen Mängel», «fehlende Effizienz», «ausgeprägte Selbstkritik»: So berichten andere Schweizer Medien über den FC St.Gallen im Cupfinal

Am Pfingstmontag setzt sich der FC Luzern gegen den FC St.Gallen durch und gewinnt mit 3:1 den Cupfinal. In Schweizer Medien ist über den FCSG zu lesen, sie hätten den Sieg zu wenig gewollt und zu brav gespielt.

Sabrina Manser
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Der FC Luzern holt sich im Cupfinal den Sieg – Kwadwo Duah läuft nach dem Spiel an jubelnden Luzernern vorbei.

Der FC Luzern holt sich im Cupfinal den Sieg – Kwadwo Duah läuft nach dem Spiel an jubelnden Luzernern vorbei.

Bild: Claudio De Capitani/ freshfocus

Der FC St.Gallen verliert am Pfingstmontag den Cupfinal gegen FC Luzern mit 3:1. Nach 23 Jahren stand der FCSG wieder einmal im Endspiel. In der gesamten Vereinsgeschichte hat der FCSG erst ein Mal den Schweizer Cup gewonnen. Für ein zweites Mal hat es nicht gereicht.

Über die Niederlage des FCSG berichteten auch andere Schweizer Medien. Die Newsplattform «FM1Today» schreibt: «St.Galler im Cupfinal zu brav.» Weiter ist zu lesen: «Insbesondere in den Zweikämpfen, sonst die Kerndisziplin des St.Galler Spiels, hatten die Espen über neunzig Minuten viel zu oft das Nachsehen.» Der Einsatz des FCSG wäre von einem normalen Meisterschaftsspiel kaum zu unterscheiden gewesen.

«So konnte man sich des Gefühls kaum erwehren, dass die Luzerner diesen Sieg einfach eine Spur mehr wollten.»

Der FC Luzern habe den Cupsieg schlichtweg mehr verdient.

«Die ungekrönten Aufmüpfigen» titelt etwa die NZZ. Das lange Warten auf einen Titel würde weiter gehen. «Die Ära mit dem Präsidenten Matthias Hüppi und dem Sportchef Alain Sutter habe St.Gallen einen Aufschwung gebracht; nun, nach dreieinhalb Jahren, sollte dieser in einem Titel dokumentiert werden.» Doch der FCSG bleibe bei einer bescheidenen Trophäensammlung, schreibt die NZZ weiter.

«Der überwiegende Teil der Historie besteht aus Enttäuschungen, die Fans flüchteten sich auch schon in Selbstmitleid und kultivierten das Leiden.»

In der Saison 2019/20 hätten Desperados, Titellose und Unterschätzte die Super League aufgemischt. «Ihre jugendliche Dynamik stand für eine kleine Revolution.» Das Ziel von Hüppi und Sutter sei es gewesen, aufmüpfig zu sein, Grosse zu ärgern, aus alten Mustern auszubrechen, neue Wege zu gehen. Doch das berge Risiken, es hätte in dieser Saison zu viele Niederlagen gegeben. Trainer Peter Zeidler hätte man vorgehalten, er müsse sein System anpassen: «Weniger Attacke, mehr Zurückhaltung.» Letztlich sei es ein Problem der Effizienz gewesen.

Wenig Effizienz, hohe Selbstkritik

Der «Tages-Anzeiger» schreibt: «Die immer gleichen St.Galler Mängel.» Der FCSG würde viel Aufwand betreiben. Aber:

«Ihnen fehlt es jedoch wie so oft an Abgeklärtheit und Effizienz. Und wie so oft geht ihnen irgendwann der Schnauf aus.»

«Dass die Ostschweizer Protagonisten nach der bitteren Niederlage in Bern die Schuld nicht beim Schiedsrichter suchten, zeugt von Grösse. Dafür war die Selbstkritik umso ausgeprägter», heisst es bei SRF.

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Bild: Michel Canonica

«Die St.Galler geben sich als faire Verlierer», liest man bei «Blick». «Ihnen ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, klar. Dennoch schütteln sie nach Abpfiff allen Luzernern die Hand.» «20 Minuten» titelt auf ihrer Front: «1:3 im Cupfinal – Frust pur beim FCSG.» Zwei Tore in der ersten halben Stunde des Gegners. «Die St.Galler schienen geschockt, konnten vorerst nicht reagieren», schreibt das Portal. Der FC St.Gallen stehe als grosser Verlierer da. Die Newsplattform «Nau» schreibt:

«Die Ernüchterung ist riesig, allerdings gratuliert man dem überlegenen Gegner auch zum verdienten Sieg.»

Die Fans bleiben «grünweiss im Herzen»

Bei den Fans zeigt sich auf sozialen Plattformen Enttäuschung, Verständnis und Unverständnis. «Wenn der VAR Bieri heisst, war leider klar, dass SG verliert ... leider war Luzern stärker, schade», heisst es von einem Fan in einem Facebook-Kommentar. Oder:

«Leider wahrscheinlich eine verdiente Niederlage, aber was waren denn das für Schiri- und vor allem VAR-Leistungen?!»

Andere zeigen sich versöhnlicher: «Herzliche Gratulation nach Luzern! Kopf hoch, Jungs! Ihr bleibt trotz allem unsere grünweisse Liebe!!!» Ein weiterer Fan schreibt: «Vorab: Gratulation an den FC Luzern zum Cupsieg! Und: Ich bin nicht am Boden zerstört, dass unser FCSG nicht ein weiteres Mal den Cupsieg geholt hat.» Und: «Hopp Sanggalle! Kopf hoch und weiter geht's!»

Auch im FCSG-Forum macht sich die Enttäuschung über das verlorene Spiel breit: «Man muss leider zugeben, dass Luzern einfach besser ist. Spielerisch und auch körperlich kommt von Luzern einfach mehr auf den Platz. Schade.» Von einem weiteren Fan ist zu lesen:

«Gratulation Luzern. Kampf, Leidenschaft, Siegeswille: All das, was wir nicht auf den Platz brachten. Bedenklich, so eine Leistung in einem Final, schade, sehr schade.»

Auch hier gehen die Meinungen auseinander: «Nein, Luzern verdiente sich den Cupsieg nicht. Es gab in den letzten 30 Jahren keinen Cupsieger, der so schlecht war wie Luzern. Leider waren auch wir schlicht nicht bereit. Aber verdient ist dieser Cupsieg garantiert nicht.» Von einem anderen Fan ist zu lesen: «Scho lustig, wie me sich immer wieder freut, immer wieder voller Hoffnig isch und am Endi klappt's nie. Da isch halt SG.» Daraufhin ein anderer:

«Für immer nur e grüewiises Herz!»