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PREMIERE: Über 500 Meter lang: In Mogelsberg wird der erste Baumwipfelpfad der Schweiz eröffnet

Am Donnerstag wird der Baumwipfelpfad in Mogelsberg eingeweiht – der erste in der Schweiz. Über 500 Meter Länge schlängelt sich der hölzerne Parcours auf einer Anhöhe oberhalb von Mogelsberg.
Peter Müller
Wie eine Brio-Bahn: Der Pfad – hier aus der Vogelperspektive – schlängelt sich in sanften Windungen durch das Gelände. (Bilder: Urs Bucher)

Wie eine Brio-Bahn: Der Pfad – hier aus der Vogelperspektive – schlängelt sich in sanften Windungen durch das Gelände. (Bilder: Urs Bucher)

Peter Müller

ostschweiz@tagblatt.ch

«Der Ahorn da blüht wirklich schön», sagt Christof Gantner. «Schauen Sie, wie die Weisstannen jetzt austreiben. Und dort: Wer weiss schon, wie die Blüten der Ulme aussehen?» Der Regionalförster wirkt wie ein Gärtner, der durch seinen Garten führt. Hier greift er nach einem Zweig, dort deutet er auf eine Blüte. Und die Führung selbst hat etwas Traumartiges. Man spaziert entspannt durch einen Waldbereich, der sonst den Tieren vorbehalten ist: Vögeln, Kleinsäugern und Insekten – durchschnittlich rund 20 Meter über dem Waldboden. Oft kann man die Bäume aus nächster Nähe studieren: Wie bewegen sich zum Beispiel Eichenblätter in einer Brise? Wie tönen sie? Und wie fühlt sich ein Buchenstamm unter dem Wipfel an, weit über dem Wald­boden?

Der Pfad ist über 500 Meter lang. (Bild: Mareycke Frehner)

Der Pfad ist über 500 Meter lang. (Bild: Mareycke Frehner)

Möglich ist diese Waldbegegnung dank des 500 Meter langen Stegs, der durch dieses Waldstück mitten im Naherholungsgebiet mit einem Rastplatz, Finnenbahn, Vita-Parcours und einem Erlebnispfad am Boden führt. In eleganten Kurven bietet er Einblicke in die verschiedenen Stockwerke des Waldes, aber auch in die Landschaft des Neckertals. Dazu kommen vertiefende, interaktive Infostationen sowie Geschicklichkeits- und Suchspiele. Da geht es um Botanik und Zoologie, Waldbau oder Ökologie. Eine grosse Bürste veranschaulicht, wie wichtig Baumwipfel als Staubfilter sind, und am Eingang steht ein Stück Baumstamm mit einer verlassenen Specht­höhle – versteckt hinter einem Türchen. Schon eiligen Besuchern bietet der Baumwipfelpfad damit allerlei. Für das Entdecken seines wirklichen Reichtums braucht man aber Zeit. Lohnend sind sicher auch wiederholte Besuche – zu allen Jahreszeiten, bei unterschiedlichen Wetterlagen. Als Standort war das Steinwäldli für diesen Baumwipfelpfad geradezu ideal, sagt Christof Gantner: ein interessantes Gelände mit rund 20 Baum- und Straucharten.

Der Wald muss sich entwickeln können

Zudem ist der Ort oberhalb von Mogelsberg schon lange ein Anziehungspunkt für Naherholungssuchende. Der Wald hat allerdings turbulente Jahre hinter sich. Die Orkane Vivian (1990) und Lothar (1999) richteten starke Verwüstungen an. Inzwischen hat er sich aber wieder erholt – weitgehend aus eigener Kraft. Man forstete nur wenig auf. Der Anteil an jungen Bäumen fällt auch dem Laien auf. Wie wird es hier in 30 Jahren aussehen? Da wird es hier weniger Bäume geben, und man spaziert noch viel mehr «in den Stämmen», sagt Gantner. Diese Bäume wachsen pro Jahr rund 30 bis 50 Zentimeter. Das Ziel ist ein schöner Mischwald, der robuster ist als der Fichtenwald, der vorher hier stand.

Werner Ackermann, Landwirt und Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal, und Regionalförster Christof Gantner sind bereit für die Besucher. (Bild: Urs Bucher)

Werner Ackermann, Landwirt und Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal, und Regionalförster Christof Gantner sind bereit für die Besucher. (Bild: Urs Bucher)

Mit anderen Worten: Die Dinge brauchen Zeit, müssen sich entwickeln können. Das gilt auch für den Baumwipfelpfad selber. Von der ersten Idee bis zur Eröffnung dauerte es gut sieben Jahre. Werner Ackermann, Landwirt und Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal, weiss darüber viel zu erzählen. Das Projekt begann als «gesponnene Idee» 2011, in der Interessengemeinschaft Holz Toggenburg. Man besuchte einen Baumwipfelpfad im Bayerischen Wald und einen in der Steiermark und dachte sich: «Das könnten wir auch machen.»

Bei der Planung und Realisierung gab es diverse Schwierigkeiten zu überwinden. Profitieren konnte man von günstigen Rahmenbedingungen. So war das Waldstück Eigentum der Politischen Gemeinde und bereits als Erholungswald ausgeschieden. Bei Behörden und Verbänden stiess man auf viel Goodwill. Vor allem aber war das Projekt «von unten initiiert und von unten getragen», sagt Ackermann: ideelle Unterstützung, Freiwilligenarbeit, Sponsoring – und das Ja zu einem Beitrag von 250000 Franken an der Bürgerversammlung der Gemeinde Neckertal.

Wichtig war 2014 auch das Nein zum Naturpark Neckertal. Das Projekt hatte vorgesehen, dass die Gemeinden der Region gemeinsam einen Naturpark einrichten. Da hätten sich viele gesagt «Jetzt erst recht», meinen Ackermann und Gantner.

Ein «Leuchtturm-Projekt»

Ebenfalls im Jahr 2014 wurde den Verantwortlichen definitiv klar: «Wir schaffen das». Grund war das Sponsoring der St. Galler Kantonalbank. Im Rahmen ihres 150-jährigen Bestehens lancierte die Bank den Projektwettbewerb «Gemeinsam weiterwachsen». Die Jury prämierte den Baumwipfelpfad als einen der vier überregionalen «Leuchtturm-Projekte». Das brachte dem Projekt 1,2 Millionen Franken in die Kasse, bei einem Gesamtbudget von rund 3,8 Millionen Franken. Wie wird es dem Baumwipfelpfad künftig ergehen? Die Verantwortlichen blicken selbstbewusst in die Zukunft: Der Pfad ist der einzige in der Schweiz und wird es auf absehbare Zeit wohl auch bleiben. Das Marketing ist denn auch schweizweit ausgerichtet und wirkt professionell. Bei den Planungen geht man heute von 30000 Besuchern im Jahr aus.

Für alle – und am besten mit ÖV

Der Baumwipfelpfad ist barrierefrei, bietet also für Kinderwagen und Rollstühle kein Hindernis. Mit der Bahn ist Mogelsberg leicht zu erreichen. Vom Bahnhof führen zwei Wege hinauf zum Pfad, an verschiedenen Erlebnisstationen vorbei. Beide Wege dauern etwa 30 Minuten. Die Parkplätze vor Ort sind limitiert; über solche in kurzer Gehdistanz informiert das Internet, auf www.baumwipfelpfad.ch. Dort sind auch Details über die Angebote für Familien und Gruppen zu erfahren – ob auf dem Pfad selber oder beim Steinwäldli. Verpflegen kann man sich aus dem Rucksack oder im Wipfel-Bistro. Diverse Sitzmöglichkeiten und Grillstellen stehen zur freien Verfügung. Und: Die Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal sucht weiterhin Unterstützung. «Werden Sie Genossenschafter, Gönner oder Mitglied», schreibt sie auf ihre Website. (pm)

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