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Preisüberwacher kritisiert Markttarife in der Ostschweiz

Für Markthändler seien die Gebühren in Frauenfeld und St. Gallen überdurchschnittlich hoch, bemängelt der Preisüberwacher. Doch die beiden Städte widersprechen der Kritik – und spielen den Ball zurück.
Michael Genova
Der Wochenmarkt in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Der Wochenmarkt in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Wurst, Milch und Brot vom Wochenmarkt: Das ist kein Luxus, sondern ein Service public, findet der Preisüberwacher. Städte und Gemeinden sollten deshalb Flächen für Märkte möglichst günstig vermieten. Doch das ist längst nicht überall der Fall.

Eine aktuelle Untersuchung des Preisüberwachers zeigt: Die Unterschiede zwischen den günstigsten und den teuersten Marktorten sind beträchtlich. In Bern kostet die Platzmiete pro Laufmeter und Tag 1.30 Franken, in Chur 32.65 Franken – also rund 25-mal mehr. Die Analyse konzentriert sich auf wöchentliche Warenmärkte in den Kantonshaupt­orten.

Frauenfeld will Gebühren nicht senken

In Ostschweizer Städten sind laut Preisüberwacher die Gebühren für Marktfahrer überdurchschnittlich hoch. So landet Frauenfeld auf Platz vier der teuersten Marktorte: Die Platzmiete pro Laufmeter beträgt 21 Franken. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei lediglich 11.60 Franken.

Ganz anders sieht dies jedoch die Stadt Frauenfeld. «Leider erschliesst sich uns nicht, wie die Stand- und Platzmieten tatsächlich berechnet wurden», sagt Mediensprecherin Cornelia Trefzer. Eine Platzmiete koste in Frauenfeld zehn Franken pro Laufmeter und Tag. Dazu kommen drei Franken Werbebeitrag pro Stand, ein Stromanschluss kostet täglich zwischen 30 und 50 Franken. Der Stromanschluss werde allerdings nur dann verrechnet, wenn der Marktfahrer einen solchen wünsche, sagt Cornelia Trefzer. «Daher kann dieser nicht als Zwangsabgabe angesehen werden.» So gesehen bewege sich die reine Platzmiete mit zehn Franken pro Tag im Durchschnitt der Schweiz.

Die für Frauenfeld ausgewiesene Gebühr enthalte tatsächlich auch den Stromanschluss, bestätigt Beat Niederhauser, Stellvertreter des Preisüberwachers. «Wir mussten davon ausgehen, dass es obligatorische Kosten sind.» Die Stadt Frauenfeld habe im ausgefüllten Fragebogen nicht angegeben, dass ein Stromanschluss nicht zwingend sei.

Der Preisüberwacher empfiehlt Marktorten mit überdurchschnittlichen Tarifen, ihre Gebühren zu überprüfen. Davon zeigt sich Frauenfeld jedoch unbeeindruckt. «Wir sind überzeugt, dass die Preise für Stand- und Platzmieten gerechtfertigt sind», sagt Cornelia Trefzer. Frauenfeld habe die Platzmieten für Marktfahrer seit rund 20 Jahren nicht mehr erhöht.

Mit seinen Analysen will der Preisüberwacher Transparenz herstellen und den Wettbewerb ankurbeln. Doch der Teufel liegt offensichtlich im Detail. Das zeigt sich nicht nur bei der Platz-, sondern auch bei der Standmiete. Diese Standmiete fällt an, wenn Marktfahrer zusätzlich zum Platz auch noch einen Tisch mieten. Auch in diesem Bereich sind die Preisunterschiede gross. Am günstigsten ist die Standmiete in Lenzburg mit 2.45 Franken pro Laufmeter, am teuersten in St. Gallen mit mindestens 55.65 Franken.

Aber auch hier widerspricht die Stadt der Darstellung des Preisüberwachers. «Die Aussage ist falsch», sagt Roman Kohler, Leiter Kommunikation der Stadtpolizei St. Gallen. Der Preisüberwacher habe Äpfel mit Birnen verglichen. «Wir vermieten für den Wochenmarkt gar keine Stände.» Der Preisüberwacher beziehe sich in seiner Untersuchung auf die neuen Marktstände, die am Frühlings- und Herbstjahrmarkt zum Einsatz kämen, sagt Kohler. Daher könnten keine Vergleiche gezogen werden. Auch die Stadt St. Gallen sieht keinen Grund, ihre Gebühren zu überprüfen. «Wenn man die korrekten Zahlen anschaut, sind wir ja bereits sehr günstig», sagt Kohler. In einem anderen Bereich will sich die Stadt jedoch verbessern. Der aktuelle Markttarif sei in die Jahre gekommen. «Er lässt viel Spielraum bei der Preisfestlegung zu, und er trägt aktuellen Umständen zu wenig Rechnung.»

«Märkte sind Teil unserer Kultur»

Markthändler begrüssen, dass der Preisüberwacher die Platz- und Standmieten zum Thema gemacht hat. «Manche Leute glaube noch immer, dass wir unsere Stände gratis aufstellen dürfen», sagt Hiltrud Frei, Präsidentin der Ostschweizer Sektion des Schweizerischen Marktverbands. Zu den Tarifen der Ostschweizer Marktorte wolle sie sich nicht im Detail äussern. Grundsätzlich könne sie jedoch bestätigen: «Die Gebühren sind in den letzten Jahren massiv gestiegen.»

Neben den Platzmieten fallen laut Hiltrud Frei zusätzlich Bereitstellungskosten für Strom, Abfallentsorgung und Werbung ins Gewicht. Im Gegensatz zu früher sei heute ein Stromanschluss zwingend notwendig. Zum Beispiel, um ein Bezahlterminal zu betreiben. Zudem müssten Gas- und Elektroanlagen der Verkaufsanhänger regelmässig von offizieller Seite geprüft werden – auch dies gegen Bezahlung.

Auch Hiltrud Frei zählt Warenmärkte zum Service public. «Sie sind Teil unserer Kultur und machen das Stadtleben vielfältiger.» Deshalb sei es richtig, wenn das Gemeinwesen Märkte auch finanziell unterstütze. Zum Beispiel durch tiefe Gebühren. Dies sei wichtig, damit Markthändler gegen die Konkurrenz des Detail- und des Online-Handels bestehen könnten.

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