Preisgekröntes Appenzellerland

Die Appenzeller Streusiedlungslandschaft wird von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz ausgezeichnet. Bewahrt und gestaltet wird diese Siedlungsform im Innerrhodischen dank eines modellhaften Baugesetzes.

Richard Clavadetscher
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Die Appenzeller Streusiedlung repräsentiert Traditionsbezug, regionale Baukultur und das Ländlich-Bäuerliche der Schweiz. (Bild: pd)

Die Appenzeller Streusiedlung repräsentiert Traditionsbezug, regionale Baukultur und das Ländlich-Bäuerliche der Schweiz. (Bild: pd)

«Der Preisträger 2015 ist eine ausgeprägte Vorzeigelandschaft der Schweiz.» So lobt die Stiftung für Landschaftsschutz Schweiz (SL) die Appenzeller Streusiedlung. Sie ist nun von der SL zur «Landschaft des Jahres 2015» ernannt worden. «Wie kaum eine andere repräsentiert diese Siedlungsform den Traditionsbezug, die regionale Baukultur und das Ländlich-Bäuerliche unseres Landes», so die Begründung. Impulsgeber für die Bewahrung und die sorgfältige Umgestaltung dieses Siedlungstyps sei «das schweizweit modellhafte neue Baugesetz» Innerrhodens. Die Preissumme beträgt 10 000 Franken.

Die Preisübergabe erfolgt am 23. Mai. Dies im Rahmen eines Festaktes im Klostergarten des Kapuzinerklosters in Appenzell. Doch nicht nur dies: Am Tag zuvor versammeln sich ebenfalls in Appenzell Fachleute zur Tagung «Streusiedlungslandschaft – ein Kulturgut im Wandel». Daran schliesst sich am Abend eine öffentliche Podiumsdiskussion zum selben Thema an.

«Streusiedlungsgebiete sind aktuell unter Druck», erläutert Raimund Rodewald, Geschäftsführer der SL. In solchen Gebieten würden traditionelle Häuser abgerissen und «durch charakterlose Einfamilienhäuser ersetzt». So entstehe daraus dann Zersiedlungslandschaft – also die sogenannte Hüsli-Schwiiz.

«Kein zweites Ballenberg»

Vor diesem Hintergrund nun habe das neue Innerrhoder Baugesetz, in Kraft seit Anfang 2013, der SL imponiert, so Rodewald. Es sei modellhaft für die ganze Schweiz und eigne sich vorzüglich, um von dieser charakteristischen Siedlungsform möglichst viel zu erhalten.

Zu erwähnen sei auch, dass eine Baukommission sich kantonsweit um eine einheitliche Linie bei der Umsetzung des Gesetzes bemühe und dabei unter Beizug von Fachleuten auch beratend wirke. Müsse aber doch etwas abgerissen werden, bemühe sich die Kommission um Qualitätssicherung bei dem, was nachfolge.

So viel Lob freut natürlich Stefan Sutter, den Innerrhoder Bauherrn (Vorsteher des Baudepartements): «Die Freude überwiegt.» Mit einem Augenzwinkern fügt er jedoch an, man frage sich bei Preisen dieser Art halt zuerst auch immer, welche Verpflichtungen damit verbunden seien. Was Sutter damit meint, erschliesst sich aus seinem nächsten Satz: «Wir wollen in Innerrhoden kein zweites Ballenberg.» Das neue Baugesetz soll also nicht nur bewahren, sondern ebenso eine massvolle Entwicklung ermöglichen – eine Entwicklung, die die Identität Appenzell Innerrhodens aber bewahrt. Sutter bringt es so auf den Punkt: «Wir Innerrhoder müssen mit diesem neuen Baugesetz leben können, es muss uns dienlich sein.»

So sah es auch das Parlament, das die Standeskommission seinerzeit beim Entstehen des Baugesetzes verpflichtete, die Anliegen der Bürger zu prüfen und ihnen im Gesetz angemessen Rechnung zu tragen. Das ist dann ansprechend gelungen: Die Landsgemeinde genehmigte das neue Gesetz schliesslich mit überwiegender Mehrheit.

«Anwältin der Landschaft»

Die den Preis Landschaft des Jahres ausrichtende Stiftung Landschaftsschutz Schweiz ist 1970 von der Pro Natura, dem Schweizer Heimatschutz, der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung, dem Schweizer Alpen-Club (SAC) und dem Schweizer Tourismus-Verband gegründet worden. Zu ihren Zielen gehören unter anderem der Schutz und die Pflege von naturnahen Landschaften, die von besonderen Naturwerten und traditioneller Bewirtschaftung geprägt sind, die Erhaltung der Erholungsqualität unserer Landschaften sowie die Landschaftsschonung bei der Planung und Erstellung von Bauten und Anlagen. Die Stiftung sieht sich dabei in der Rolle einer «Anwältin der Landschaft».

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