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Praktikum trotz Lehre: «Sie verkaufen sich unter ihrem Wert»

Trotz abgeschlossener Berufslehre werden auch KV-Absolventen nur als Praktikanten oder befristet eingestellt. Ein St. Galler Kantonsrat befürchtet, diesen jungen Leuten drohten prekäre Arbeitsverhältnisse.
Kaspar Enz
Von den KV-Lernenden, die 2017 abschlossen, machten danach 4,7 Prozent zuerst ein Praktikum. Bild: Gaetan Bally/Keystone

Von den KV-Lernenden, die 2017 abschlossen, machten danach 4,7 Prozent zuerst ein Praktikum. Bild: Gaetan Bally/Keystone

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Eine KV-Lehre ist das Billett für eine sichere Zukunft. Das zumindest glauben immer noch viele. Rund 575 Lernende allein im Kanton St. Gallen begannen im August eine Lehre zum Kaufmann oder zur Kauffrau. Damit ist das KV mit meilenweitem Abstand die Nummer eins in der Rangliste.

Doch die Hoffnung auf die sichere Zukunft scheint sich nicht für alle zu erfüllen. Fast fünf Prozent der KV-Absolventen des vergangenen Jahres mussten erst mal ein Praktikum absolvieren, bevor sie eine Festanstellung erhielten, wie die Absolventenbefragung des Kaufmännischen Verbandes ergab. Und rund 40 Prozent finden nur eine befristete Anstellung.

Prekäre Arbeit droht

Josef Gähwiler betrachtet die Entwicklung mit Sorge. Immer mehr junge Leute gerieten in prekäre Anstellungsverhältnisse, sagt der SP-Kantonsrat aus Buchs. Nun scheinen auch KV-Absolventen nicht mehr davor gefeit. In einer Interpellation will er von der St. Galler Regierung wissen, wie weit verbreitet Praktika für Lehrabgänger im Kanton seien, und ob es dafür Regeln gebe.

«Als Einstieg in einen Beruf mag ein Praktikum sinnvoll sein», sagt der Berufsschullehrer Gähwiler. Der Lehrbetrieb eines KV-Absolventen könne in einer anderen Branche sein als sein neuer Arbeitgeber. Aber auch ein Wechsel von der Bank in die Logistikbranche rechtfertige nicht zwingend längere Praktika. «Nach ein paar Wochen Einarbeitungszeit müsste das geklärt sein», sagt er. Er befürchtet: «Oft werden Praktikumsstellen vergeben, um keinen vollen Lohn zahlen zu müssen.»

Einzelfall betrachten

Das befürchtet auch Felix Bischofberger. Der CVP-Kantonsrat ist Präsident des Kaufmännischen Verbandes (KfmV) Ostschweiz. «Auch wir stossen in unseren Beratungsgesprächen vermehrt auf solche Situationen. Da legen wir ein Augenmerk drauf», sagt er. Wer eine Ausbildung abgeschlossen hat, sollte sich grundsätzlich fest anstellen lassen. «Aber man kann das auch nicht pauschalisieren.» Ob ein Praktikum sinnvoll sei oder nicht, müsse man im Einzelfall anschauen.

Dass manche Betriebe Praktikanten ausnutzen, lassen die Zahlen vermuten: «Zwei Drittel der Absolventen, die ein Praktikum absolvieren, arbeiten in derselben Branche, in der sie die Lehre gemacht haben», sagt Michael Kraft, Leiter Bildung beim Kaufmännischen Verband Schweiz. «Solche Fälle sehen wir sehr kritisch.»

Junge in der Zwickmühle

Praktika könnten als Bestandteil einer Ausbildung oder als Vorbereitung auf einen Berufswechsel sinnvoll sein. Für Lehrabgänger seien sie das jedoch in den wenigsten Fällen. «Viele, die ein Praktikum annehmen, sind in der Zwickmühle. Sie sind froh, etwas zu haben. Aber sie verkaufen sich unter ihrem Wert.»

Volle Arbeit für wenig Lohn sei zwar für die Betroffenen ein Problem. Gesamthaft bleibe der Anteil der Praktikanten jedoch überschaubar. Er ist in den letzten Jahren zwar gestiegen. «Aber er scheint sich zwischen vier und fünf Prozent einzupendeln», sagt Kraft.

Ein Augenmerk wirft der Verband aber auch auf die befristeten Stellen. «Für manche kann eine solche gut in den Plan passen.» Muss jemand aber eine befristete Stelle annehmen, weil andere Angebote fehlen, wird es kritisch. «Das kann zu prekären Arbeitsverhältnissen führen.»

Trend zu Weiterbildung

Ein Trend ist in den letzten Jahren aber klar auszumachen: Immer weniger KV-Absolventen sind nach der Lehre erwerbstätig. «Immer mehr Lehrabgänger beginnen danach direkt eine Weiterbildung», sagt Michael Kraft. Das sei auch kein Wunder.

«Die Anforderungen werden höher», sagt Kraft. Spezialisierung oder Berufserfahrung erhöhten die Chancen auf dem Markt. «Lebenslanges Lernen ist für junge Leute heute selbstverständlich.»

Neue Berufsbilder

Die Digitalisierung hat auf kaufmännische Berufe grosse Auswirkungen. 30000 bis 100000 Jobs könnten allein von Auslagerung betroffen sein, wie eine Studie des kaufmännischen Verbandes 2016 ermittelte. Betroffen wären weite Bereiche wie Rechnungswesen oder Kundenbetreuung. Das verändert mit der Digitalisierung den Beruf: Vermehrt wären koordinierende und analytische Aufgaben gefragt, die von künftigen Kaufleuten neue Kompetenzen verlangten. (ken)

Noch ist Einstieg leicht

Noch ist der Berufseinstieg mit einer KV-Lehre vergleichsweise leicht, wie die letzte Absolventenbefragung zeigte. Dabei half auch die gute Wirtschaftslage. Doch es ist fraglich, wie lange das so bleibt.

Gegen 100000 KV-Jobs sieht der Verband in den nächsten Jahren bedroht, heisst es in einer Studie des Verbands. Nicht mehr nur Fliessbandjobs werden ausgelagert und automatisiert, sondern auch Bürojobs, stellt Regionalpräsident Bischofberger fest. «Die Branche ist einem grossen Druck ausgesetzt.»

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