PRÄVENTION: Alkohol ist zu einfach erhältlich

Im Kanton St. Gallen werden seit 2012 Alkohol-Testkäufe durchgeführt. Nun liegt eine Auswertung vor. Rund ein Drittel der getesteten Betriebe hat Alkoholika oder Tabakwaren an Minderjährige verkauft.

Patrick Baumann
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Seit 2012 können Gemeinden im Kanton St. Gallen Monitoring-Testkäufe durchführen lassen. (Bild: Martin Rütschi /KEY)

Seit 2012 können Gemeinden im Kanton St. Gallen Monitoring-Testkäufe durchführen lassen. (Bild: Martin Rütschi /KEY)

Patrick Baumann

patrick.baumann@tagblatt.ch

Je früher junge Menschen Suchtmittel konsumieren, desto grösser ist später das Risiko, abhängig zu werden. Alkohol und Tabak sind deshalb in der Schweiz erst ab 16 beziehungsweise 18 Jahren erhältlich. Trotz klarer Regeln gelingt es Minderjährigen immer wieder, Bier oder Zigaretten zu kaufen, obwohl sie dies noch nicht dürften. Das zeigen nun auch die Auswertungen der Alkohol-Testkäufe für den Kanton St. Gallen. Gemäss Medienmitteilung des Gesundheitsdepartements waren die Testkäufer in jedem dritten Fall erfolgreich. Ausgewertet wurde der Zeitraum von 2012 bis 2016.

Besonders hoch ist die Verstossquote bei Events. Dort liegt sie bei 50 bis 70 Prozent. Restaurants, Bars, Detailhandel und Kioske bewegen sich im 30-Prozent-Bereich. Mit Abstand am besten schneiden Tankstellen ab. Bei nur 6 Prozent aller Testkäufe gelang es dort den Jugendlichen, an Alkohol oder Zigaretten zu kommen. «Hauptgrund dafür ist, dass Tankstellen schon seit längerem durch die Erdölvereinigung getestet werden und deshalb für das Thema sensibilisiert sind», sagt Martina Gadient. Sie ist im Gesundheitsdepartement verantwortlich für die Koordination der kantonalen Testkauf- praxis.

Wirkung ist messbar

Die überdurchschnittlich vielen Verstösse an Events haben laut Gadient ebenfalls einen einfachen Grund. «An Events stehen oft Laien hinter der Bar, die gerade im Bereich Jugendschutz ungenügend geschult sind.» Sie schlägt deshalb vor, dass Gemeinden Festbewilligung an zusätzliche Bedingungen knüpfen. «Solche Bewilligungen könnten beispielsweise nur dann erteilt werden, wenn nachgewiesen wird, dass die Mitarbeitenden geschult sind.» Die Fachstelle Jugendschutz bietet im Kanton St. Gallen kostenfreie Schulungen an.

Für Gadient steht fest: «Die Testkäufe zeigen Wirkung.» Die Auswertungen stützen ihre Aussage. Lag die Verstossquote im Jahr 2014 bei den Kiosken noch bei 70 Prozent, beträgt sie nun gemäss Mitteilung noch 28 Prozent. Bei den Restaurants und Bars wurde sie in derselben Zeit von 53 auf 34 Prozent gesenkt und im Detailhandel von 50 auf 28 Prozent. Auch das Beispiel der Tankstellen spreche für eine nachhaltige Wirkung von Testkäufen. Zufrieden ist Gadient dennoch nicht. «Eine Verstossquote von einem Drittel ist zu hoch, obwohl sie im schweizweiten Durchschnitt liegt. Unser Ziel ist es, einen Wert von 0 bis 20 Prozent zu erreichen.» Entscheidend dafür sei, dass Testkäufe flächendeckend und regelmässig durchgeführt werden. «Dass regelmässige Kontrollen wirken, zeigen die Gemeinden Gossau, Mosnang, Jonschwil und Rüthi. Dort lag die Verstossquote 2016 bei null.» In St. Gallen machen bereits mehr als die Hälfte aller Gemeinden bei den Testkäufen mit.

Sanktionen praktisch unmöglich

Durchgeführt werden die Testkäufe vom Blauen Kreuz St. Gallen-Appenzell, im Auftrag der Gemeinden sowie der Fachstelle Jugendschutz. Planung und Durchführung sind für die Gemeinden kostenlos. Eine gesetzliche Grundlage für polizeilich begleitete Alkohol- und Tabak-Testkäufe gibt es im Kanton St. Gallen nicht mehr. Bussen oder andere Sanktionen für fehlbare Betriebe seien deshalb praktisch ausgeschlossen. «Auf nationaler Ebene wird aber daran gearbeitet, Testkäufe gesetzlich zu verankern», sagt Gadient.

Ziel der Testkäufe seien aber auch nicht Sanktionen, sondern die Sensibilisierung für den Jugendschutz und die Prävention. Präventiv wirken die Testkäufe, weil die Betriebe zwar wissen, dass sie getestet werden, aber nicht wann. Bei fehlbaren Betrieben habe die Gemeinde im Nachhinein die Möglichkeit, das Gespräch zu suchen.