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Interview

Präsident der HSG-Studentenschaft zum Spesenskandal: «Es ist unglücklich, dass der Bericht der Finanzkontrolle an die Öffentlichkeit gelangt ist»

Der Fall um die Spesenbezüge an der Universität St. Gallen gibt unter den Studierenden zu reden. Yannik Breitenstein, Präsident der Studentenschaft, begrüsst die von der Politik geforderte Aufklärung und den Kulturwandel.
Interview: Urs-Peter Zwingli
Viel Schnee, viel Kritik: Kein Winter wie jeder andere an der Universität St. Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess (St.Gallen, 18. Februar 2019))

Viel Schnee, viel Kritik: Kein Winter wie jeder andere an der Universität St. Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess (St.Gallen, 18. Februar 2019))

Wie diskutieren Studenten und Studentinnen an der HSG die fragwürdigen und fahrlässigen Spesenbezüge von Dozierenden?

Yannik Breitenstein: Sie sind ein Thema, aber der spektakulärere und allenfalls strafrechtlich relevante Fall Sester, bei dem mutmasslich bis zu 120'000 Franken an Spesen unrechtmässig bezogen wurden, hat im vergangenen Jahr mehr zu reden gegeben. Aktuell wird unter Studierenden über Dozierende geschmunzelt, die teilweise über Compliance (die Einhaltung von Regelwerken durch Unternehmen, die Red.) lehren, selber aber offenbar im Bereich der Spesenregelung nicht auf dem aktuellsten Stand waren.

Wie bewerten Sie die vergangene Woche im Kantonsrat gestellten Forderungen?

Wir begrüssen es, dass eine Aufklärung und ein Kulturwandel verlangt wird. Die Bevölkerung hat das Recht zu erfahren, was mit ihren Steuergeldern passiert. Wer im Spesenbereich Verfehlungen begangen hat, soll den Schaden zurückzahlen. Wo nötig, müssen personalrechtliche Konsequenzen gezogen werden. Unglücklich ist aus Sicht der Studentenschaft, dass der Bericht der Finanzkontrolle an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Wieso?

Solche Revisionsberichte sind auch in Unternehmen nicht öffentlich, weil man den betroffenen Institutionen Zeit einräumen will, um Probleme anzugehen. Die Universitätsleitung hatte seit vergangenem November Kenntnis vom Bericht der Finanzkontrolle.

Auch wir als Studentenschaft waren darüber informiert, dass es Ungereimtheiten gegeben hatte. Daraus wurden Konsequenzen gezogen, das Spesenreglement wurde verschärft.

Yannik Breitenstein

Yannik Breitenstein

Zur Person

(upz) Yannik Breitenstein (25) ist seit dem Frühjahrssemester 2018 Präsident der Studentenschaft der Universität St.Gallen (SHSG), zuvor war er ein Jahr lang Vizepräsident. Er stammt aus dem Kanton Basel-Land, ist gelernter Koch und Offizier der Schweizer Armee. Er studiert an der HSG Volkswirtschaft auf der Bachelorstufe. Laut eigenen Angaben wendet Breitenstein für sein Präsidentenamt ein 100-Prozent-Pensum auf.

Was ist daran unglücklich?

Die öffentliche Diskussion über den Bericht hat für unnötige Unruhe gesorgt. Zentral für die Studentenschaft ist, dass diese nicht auf Projekte wie etwa die Erweiterung des HSG-Campus am Platztor einen negativen Einfluss hat.

Sie meinen die Vorlage, die im Juni zur Abstimmung kommt.

Ja, denn die Platznot an der HSG ist akut. Das spüren in erster Linie die Studierenden. Ich denke aber, dass die meisten Stimmbürger die Themen sauber trennen.

Wenn einige Dozenten Spesenverfehlungen begangen haben, sollen nicht alle Studierenden darunter leiden, indem der Ausbau der Infrastruktur abgelehnt wird. Als Studierender hat man sowieso wenig mit den Instituten zu tun.

Wie meinen Sie das?

Die Institute arbeiten sehr autonom. Sie sind in der Wahrnehmung zwar ein Teil der Universität, im studentischen Alltag haben jedoch die wenigsten direkten Kontakt mit den Instituten. Die Dozierenden werden auch unabhängig von ihren Instituten wahrgenommen. Wie die Universität sind auch die Institute in den letzten Jahren stark gewachsen. Dass nun neue Regelungen und Gesetze für sie ausgearbeitet werden, macht Sinn.

Die aktuelle Diskussion beschädigt das Image der HSG und damit auch das ihrer Studenten und Studentinnen. Unternimmt die Studentenschaft aktiv etwas dagegen?

Wir kommunizieren vor allem gegen innen, das heisst gegenüber den Studierenden, denen wir verpflichtet sind. Am Dienstag dieser Woche werden wir das Studentenparlament über den aktuellen Stand informieren und im März via Mail alle Studierenden. Weitere Kommunikationsmassnahmen sind zurzeit intern in Abklärung. Aber die Vorfälle der vergangenen Monate haben sicher gezeigt, dass eine schnellere und proaktive Kommunikation gegen aussen und innen gefragt ist. Von der Studentenschaft, aber auch von der Universitätsleitung.

Im Kantonsrat war die Rede von einer Unkultur an der HSG und von dort verbreiteter Masslosigkeit. Solche Vorwürfe tragen zum Klischee des typischen HSG-lers bei. Was sagen Sie dazu?

Ich entgegne, dass es bei 8500 Studierenden den typischen HSG-ler gar nicht gibt. Er ist eine Klischeefigur, über die auch wir Studierenden uns lustig machen. Ich bin ein Beispiel eines untypischen HSG-lers: Ich habe eine Kochlehre gemacht, die Matura nachgeholt und studiere VWL statt BWL. Zudem bin ich Schweizer und heisse nicht Maximilian.

Nach der Kritik am Verhalten des HSG-Rektors Thomas Bieger als Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahnen gab es auf Social Media Solidaritätsbekundungen von Studierenden. Und einen Text in ihrem Magazin «Prisma», der Bieger den Rücken stärkte. Fehlt es den Studierenden an Kritikfähigkeit?

Vorweg: Das «Prisma» ist ein unabhängiges Magazin. Aber ich denke schon, dass man zwischen den Fällen Sester und Bieger unterscheiden muss. Bei Sester ging es allenfalls um strafrechtliche Verfehlungen, bei Bieger allenfalls um moralische. Die mediale Berichterstattung hatte damals zum Teil eine Eigendynamik angenommen, die der Sache nicht mehr gerecht wurde.

In wichtigen Organen der Uni vertreten

(upz) Sie vertritt an der Universität St.Gallen die Interessen der über 8600 Studierenden: die Studentenschaft. Sie gestaltet die Politik an der HSG mit und hilft im Alltag. Dabei ist die Studentenschaft der Universität St.Gallen (SHSG) kein blosser studentischer Verein: Mit ihren 200 Mitarbeitenden gleicht sie – passend zum Profil der HSG – eher einem kleinen Unternehmen. Laut Universitätsgesetz ist die SHSG eine Teilkörperschaft der Universität. Als solche hat der Vorstand der Studentenschaft Einsitz in wichtigen Organen der Universität, darunter der Disziplinarkommission, dem Senat und dem Senatsausschuss. In diesem sind auch das Rektorat und die Abteilungsvorsteher vertreten, der Ausschuss hat weitreichende Kompetenzen: So kann er unter anderem akademische Grade entziehen und Reglemente erlassen.

Neben der Universitätspolitik widmen sich die SHSG-Projektteams allen praktischen Aspekten des universitären Lebens: Die im SHSG ehrenamtlich arbeitenden Studierenden entwickeln und betreuen beispielsweise eine SHSG-App, arbeiten bei der Reform von Studiengängen mit oder helfen Erstsemestern beim Einstieg. Laut ihrem Missionspapier vertritt die SHSG «die aktuellen Interessen und nachhaltigen Anliegen der Studierenden im Rahmen einer konstruktiven Zusammenarbeit mit allen Anspruchsgruppen». Organisatorisch ist die SHSG in einen Vorstand (Exekutive), ein Studentenparlament (Legislative) sowie eine Rekursstelle (Judikative) aufgeteilt. Das Parlament kontrolliert den Vorstand, zudem legt es in Abstimmung mit diesem die universitätspolitische Meinung der SHSG fest.

Aktuell steht die Studentenschaft ein für über 8600 Studierende, die bei Beginn des akademischen Jahres 2018/2019 an der HSG eingeschrieben waren. Darunter vertreten sind Studierende aus 86 Ländern, der Ausländeranteil ist per Gesetz auf maximal 25 Prozent beschränkt.

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