Polizeieinsatz wegen Pyrozündern im St.Galler Kantipark: Verdächtige flüchten zunächst und formieren sich dann gegen die Polizei

Am späten Samstagabend sind im St.Galler Kantipark Pyros gezündet worden. Die Stadtpolizei schritt ein und kontrollierte ein Lokal, in welchem die Verdächtigen Zuflucht gesucht hatten. Der Pyrovorfall erinnert an eine Aktion von Fans des FC St.Gallen im vergangenen November. 

Daniel Walt
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Rot erleuchtet: Der Kantipark während der Pyroaktion.

Rot erleuchtet: Der Kantipark während der Pyroaktion.

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Am Samstagabend gegen 23 Uhr beobachtete eine Patrouille der St.Galler Stadtpolizei, wie eine Gruppe von rund 30 Personen im Kantipark Pyros zündete. «Und zwar massiv, der Park war rot erleuchtet», erklärt Dionys Widmer, Sprecher der St.Galler Stadtpolizei, auf Anfrage. 

Es wurden in der Folge weitere Patrouillen zugezogen. Als die Einsatzkräfte die Personengruppe kontrollieren wollten, ergriffen die Verdächtigen die Flucht. «Es gelang uns aber, einen 28-jährigen Mann anzuhalten. Er wird wegen Hinderung einer Amtshandlung angezeigt, weil er nicht stehen geblieben war», sagt Dionys Widmer.

Flüchteten die Verdächtigen ins FCSG-Fanlokal?

Als die übrigen Verdächtigen merkten, dass die Polizei den 28-Jährigen angehalten hatte, stoppten sie. Laut Dionys Widmer formierten sie sich und gingen bis auf wenige Meter auf die Einsatzkräfte zu. Als diese dann mit dem Einsatz von Tränengas oder einem Elektroschockgerät drohten, zogen die Verdächtigen laut Widmer ab.

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Bild: pd

Die Unbekannten begaben sich in der Folge in ein nahe gelegenes Lokal. Die Frage, ob es sich dabei um den in unmittelbarer Umgebung gelegenen «Bierhof», das FCSG-Fanlokal, handelt, wollte Dionys Widmer nicht beantworten.

In der Folge kontrollierte die St.Galler Stadtpolizei mit mehreren Patrouillen das Lokal. «Diese Kontrolle verlief problemlos», sagt Dionys Widmer. Belastendes Material wurde nicht gefunden. Genauso wenig Beweismittel fanden Einsatzkräfte der St.Galler Kantonspolizei bei zwei weiteren Personen vor, welche unweit des Kantiparks kontrolliert wurden. Im Kantipark selbst blieben Rückstände der Pyros liegen.

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Rauch bis ins Klosterquartier

Vorderhand bleibt somit offen, ob die Aktion im Kantipark Anhängern des FC St.Gallen zuzuschreiben ist. Sie erinnert allerdings an einen Vorfall im vergangenen November, als FCSG-Fans in der Stadt Feuerwerk zündeten. Laut der St.Galler Stadtpolizei feierten damals etwa 100 Personen beim Bohl. Schliesslich zündeten sie zwei Feuerwerksbatterien mit mehreren Feuerwerkskörpern. Der Rauch war daraufhin bis ins Klosterquartier zu sehen:

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Anlass für die Aktion war damals der zehnte Geburtstag der FCSG-Fangruppierung «Saint Brothers» gewesen. Zu Schäden kam es nicht, die Stimmung sei friedlich gewesen, hiess es damals von Seiten der Stadtpolizei.

Bereits rund zwei Monate vor der Aktion am Marktplatz hatten dieselben «Saint Brothers» schon einmal für Schlagzeilen gesorgt. Ebenfalls aus Anlass ihres Zehn-Jahr-Jubiläums wurden beim Heimspiel gegen Servette während praktisch 90 Minuten massenhaft Pyros gezündet:

(Bild: Urs Bucher)
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(Bild: Daniel Walt)
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(Bild: Daniel Walt)

(Bild: Urs Bucher)

Die Reaktionen fielen heftig aus: Der FC St.Gallen distanzierte sich in aller Form von diesem Pyroexzess, und die St.Galler Stadtpolizei verfügte für eine Partie ein Choreoverbot im Espenblock. In der Folge beruhigte sich die Situation rund um die verbotenen Pyros im Kybunpark wieder. Vereinzelt wurden im Espenblock zwar weiterhin Leuchtfackeln gezündet, allerdings nicht mehr im grossen Stil.

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Daniel Walt