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Polizei vermittelt im Streit zwischen Anwohnern und Fahrenden: «Ein Zusammenleben muss möglich sein»

Rund vierzig Wohnwagen von Fahrenden sind derzeit auf einem Feld in Rapperswil-Jona abgestellt. Die Anwohner ärgern sich über Lärm und Abfall. Die Behörden reagieren mit strengen Auflagen.
Conradin Knabenhans, Olivia Tjon-A-Meeuw, Astrit Abazi / «Zürichsee-Zeitung»
Die Kantonspolizei kontrollierte die Fahrenden am Mittwoch. (Bild: Kapo SG)

Die Kantonspolizei kontrollierte die Fahrenden am Mittwoch. (Bild: Kapo SG)

Zurück blieben erst nur Stromgeneratoren, Waschmaschinen und Abfall. Als vor zehn Tagen eine Gruppe Fahrender aus Frankreich den ländlichen Ortsteil Wagen in Rapperswil-Jona wieder verliess, wollten die Anwohner schon Aufatmen. Seit Ende Mai hatten sich die Fahrenden auf einem Grundstück an der Ecke Rickenstrasse/Moosstrasse bei einer grossen Scheune niedergelassen. «Die Anwohner haben in dieser Zeit viel Toleranz bewiesen», sagt der zuständige Stadtrat Roland Manhart (CVP).

Doch die Ruhe währte nur kurz: Nur ein, zwei Tage nach der Abreise der ersten Gruppe, liess sich eine zweite nieder. Rund vierzig Fahrzeuge, vornehmlich mit englischen, norwegischen und belgischen Kennzeichen parkieren seither auf dem Feld. Der Aufenthalt ist legal. Weil der Platz privat vermietet wurde, sind der Stadt die Hände gebunden. «Wir haben den beiden Gruppen von Fahrenden aber sofort nachdem wir von der Ankunft erfahren haben, Auflagen zu Abfall, Toiletten und Abwasser gemacht», sagt Manhart.

Immer wieder Klagen

Die Auflagen halfen wenig: Gemäss der Kantonspolizei St.Gallen kam es in der gesamten Zeit immer wieder zu Klagen. Die Anwohner hätten sich wegen dem Abfall, dem Abwasser und dem Lärm beschwert, erklärt Sprecher Hanspeter Krüsi. Kurzum: «Es ging um das Zusammenleben.» Am Dienstagabend riss den Anwohnern der Geduldsfaden endgültig und es kam erneut zu Beschwerden, sodass die Kantonspolizei ausrückte und einmal mehr das Nichteinhalten der behördlichen Auflagen feststellte. Stadtrat Manhart spricht einer «zweiten Eskalationsstufe», von anderen «Kulturen und Lebensweisen» die aufeinandergeprallt waren.

Am Mittwoch dann rückte die Polizei erneut an, diesmal nahm sie das Gelände noch gezielter unter die Lupe. Die zusätzliche Kontrolle von gestern Morgen sei bereits seit einigen Tagen geplant gewesen, sagt Krüsi. In der kontrollierten Gruppe der Fahrenden seien Personen aus ganz Europa darunter gewesen, auch aus der Schweiz. Zwei der kontrollierten Personen waren wegen unbezahlter Bussen zur Festnahme ausgeschrieben. «Sie haben die Bussen bezahlt, damit hat sich die Sache erledigt», erklärt Krüsi. Wer von den Anwesenden für die Probleme der vergangenen Wochen verantwortlich ist, sei jedoch schwierig zu eruieren, meint der Polizeisprecher.

Mit Briefkastenfirma zum Schweizer Autokennzeichen

Dave Huser, Präsident der Bewegung Schweizer Reisenden, schenkt der Aussage der Kantonspolizei St.Gallen keinen Glauben, dass Schweizer Reisende unter den Fahrenden in Wagen sind: «Schweizer Reisende fahren bei ausländischen Konvois nicht mit.»

Vielmehr handle es sich dabei um eine Masche, die seit ungefähr drei Jahren vermehrt eingesetzt werde: Ausländische Reisende liessen sich in der Schweiz eine Briefkastenfirma eintragen und könnten mit dieser Schweizer Autokennzeichen beziehen. «Dadurch können sie bei Kunden mehr Vertrauen erwecken und leichter Arbeitsaufträge einheimsen.»

Dass so der falsche Eindruck entsteht, es handle sich um Schweizer Reisende, schätzt Huser als kritisch ein: «Fälle wie der in Wagen wirken sich negativ auf das Image von Schweizer Reisenden aus», sagt er. Vor allem im Kanton St. Gallen, in dem zwischen Schweizer und ausländischen Reisenden nicht unterschieden werde, würde sich das auf die Genehmigung von Aufenthalten auswirken.

Erneut strikte Auflagen für die Fahrenden

Bei ihrer Kontrolle am Mittwoch wurde die Polizei von Vertretern der Stadt Rapperswil-Jona, dem Anwalt des Grundstücksbesitzers und einem Spezialisten des kantonalen Amtes für Wasser und Energie begleitet. «Es ging darum, alle Player am runden Tisch zusammenzukriegen.»

Den Fahrenden wurden erneut strikte Auflagen gemacht. «Sie haben uns versprochen, dass sie sich daran halten werden», meint Krüsi. So müssen Fahrenden zum Beispiel sofort Abfallmulden und mobile WC-Anlagen – sogenannte ToiTois - aufstellen. Ihnen wurde auch ein Waschplatz zugewiesen, und sie haben sich verpflichtet, das Abwasser in die Kanalisation zu leiten.

Die Zufahrt auf das Gelände wurde ebenfalls eingeschränkt. Da die Wiese im Moment sehr trocken ist, sei beim Befahren jeweils viel Staub aufgewirbelt worden, der auf den Sitzplätzen der Anwohner gelandet sei, heisst es bei der Kantonspolizei. Die Stadt hat zudem einen Sichtschutz aufgestellt, um den Anwohnern mehr Privatsphäre zu ermöglichen. Wer die Kosten dafür trägt, sei noch nicht entschieden, meint der zuständige Stadtrat Roland Manhart (CVP). Ab sofort wird ausserdem der private Sicherheitsdienst der Stadt auch beim Gelände in Wagen patrouillieren. In diesem Punkt sei allerdings nicht mit Mehrkosten zu rechnen: «Der Sicherheitsdienst wäre so oder so im Einsatz, er wird nun einfach umplatziert», sagt Manhart.

Die Polizei als Vermittler

Die Sicherheitskräfte werden auch am Sonntag anwesend sein, wenn die Fahrenden weiterziehen wollen. Am Montag ist zwischen den Behörden und dem Chef der Fahrenden eine Abnahme des Geländes geplant. Neue Gruppen sind keine angemeldet. «Der Vermieter des Landes hat glaube ich genug», meint Manhart. Nach Angaben der Behörden hatte der Vermieter, ein ortsansässiger Bauer, sein Land erstmals Fahrenden zur Verfügung gestellt. Der Bauer selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Kantonspolizei muss immer wieder zwischen Sesshaften und Fahrenden vermitteln, erzählt Mediensprecher Hanspeter Krüsi. «Es besteht immer noch eine gewisse Distanz zwischen den beiden Gruppen.» Er appelliert an die Vernunft auf beiden Seiten. Die Konflikte entstehen nicht zuletzt auch deshalb, weil seit Jahren im Kanton St.Gallen Durchgangsplätze für Fahrende fehlen. Die Polizei ist überzeugt, dass die strikten Regeln Früchte tragen: «Unter den gestellten Auflagen muss ein Zusammenleben zwischen Sesshaften und Nicht-Sesshaften letztendlich möglich sein.»

Fehlende Durchgangsplätze im Kanton St.Gallen

Der Kanton St. Gallen sucht bereits seit dem Jahr 2006 nach Durchgangsplätzen für Fahrende. Die im Sarganserland, im Rheintal und im Fürstenland geplanten drei Durchgangsplätze entstehen jedoch frühestens in einem Jahr.

Insgesamt muss der Kanton St. Gallen dem Bund sechs Durchgangsplätze zur Verfügung stellen. In den vergangenen Jahren lancierte der Kanton verschiedene Ideen, den Fahrenden unbenutzte Sport-, Park- und Chilbiplätze zur Verfügung zu stellen, sogar Militärareale standen zur Debatte. Immer wieder scheiterten die Pläne jedoch am Widerstand der Bevölkerung. Jüngste Idee auf der Suche nach einem Durchgangsplatz im Linthgebiet ist ein Grundstück an der Autobahn A3. Dort könnten die Kantone Glarus, St. Gallen und Schwyz einen Platz realisieren.

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