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Polizei beschlagnahmt Kunst

ST.GALLEN. Die Staatsanwaltschaft hat in der Kunsthalle St. Gallen diverse Kunstobjekte der Darknet-Ausstellung der Mediengruppe Bitnik versiegelt und beschlagnahmt. Der Grund sind Drogen, die ein Roboter eigenständig im Internet gekauft hatte.
Tim Naef
Internationales Medieninteresse: Die Ausstellung «The Darknet» in der Kunsthalle St. Gallen. Im Bild rechts der autonome Computer. (Bild: Ralph Ribi)

Internationales Medieninteresse: Die Ausstellung «The Darknet» in der Kunsthalle St. Gallen. Im Bild rechts der autonome Computer. (Bild: Ralph Ribi)

Im dunklen Zwilling des Internets, dem Darknet, findet man alles, auch Illegales – von der gefälschten Louis-Vuitton-Tasche bis zur Maschinenpistole. Dies zeigte die am Sonntag zu Ende gegangene Ausstellung «The Darknet» der Mediengruppe Bitnik in der Kunsthalle St.Gallen und speziell die Arbeit «Random Darknet Shopper». Am Montag wurde die Ausstellung abermals geöffnet, aber unfreiwillig: Die Staatsanwaltschaft St.Gallen versiegelte und beschlagnahmte diverse Ausstellungsobjekte, nachdem ihr gemeldet worden war, dass Ecstasy-Pillen ausgestellt würden.

Die illegalen Drogen waren im Internet eingekauft worden – von einem autonomen Computerprogramm. Genau davon handelte die Ausstellung: etwa von Agora, einem Online-Marktplatz des Darknets. Einmal pro Woche wurde das Programm – also der Roboter – mit 100 Dollar ausgerüstet und auf Reisen geschickt. Die erworbenen Artikel wurden per Post an die Kunsthalle geschickt. Nebst Zigaretten, gefälschten Handtaschen und einer Mütze mit versteckter Kamera befanden sich in einem Paket die zehn Ecstasy-Pillen.

Bitnik beharrt auf Kunstfreiheit

«Mit der Beschlagnahme und der Vernichtung der Pillen soll offenbar eine Drittgefährdung ausgeschlossen werden», mutmasst die Mediengruppe Bitnik. «Mehr können wir nicht dazu sagen.» Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt St.Gallens, erklärt seinerseits: «Als wir vergangenen Freitag von den Ecstasy-Pillen erfuhren, mussten wir handeln. Da die Kunstobjekte bereits verpackt waren und die Mitglieder von Bitnik auf einer Versiegelung bestanden, mussten wir alle Kisten mitnehmen»,

Könnte man von einer Überreaktion sprechen? Der Staatsanwalt sieht das selbstverständlich anders: «Gemäss dem Betäubungsmittelgesetz handelt es sich bei Ecstasy um eine illegale Substanz. Der Besitz ist verboten. Wir waren dazu verpflichtet zu handeln.» Demgegenüber sagen die Mitglieder von Bitnik: «Die Beschlagnahme der Kunstobjekte stellt einen ungerechtfertigten Eingriff in die Kunstfreiheit dar.»

Bitnik hatte sich bereits vor der Ausstellung beim Medien- und Kunstrechtsexperten Bruno Glaus abgesichert. Laut Glaus dürfe Kunst geltendes Recht verletzen, wenn es im Interesse der Kunst und der Information geschehe und von begrenzter Dauer sei. Beide Aspekte waren nach Meinung sowohl der Künstler als auch des Vorstands der Kunsthalle erfüllt worden. Gemäss Staatsanwalt Hansjakob müssen diese Sachverhalte nun abgeklärt werden. Er sieht das Fehlverhalten auf Seiten Bitniks. «Wenn die Staatsanwaltschaft vorher informiert und gewisse Sicherheitsauflagen eingehalten worden wären, hätte man die Objekte nicht beschlagnahmen müssen», sagt Hansjakob.

Verfahren gegen unbekannt

«Nun müssen wir zuerst die Objekte begutachten, um zu wissen, wie es genau weitergeht», erklärt Hansjakob. Es sei zunächst ein Strafverfahren gegen unbekannt eröffnet worden. Die Ausstellung in der Kunsthalle war auf grosses Interesse im In- und Ausland gestossen. Die Führungen durch die im Darknet bestellten Objekte waren immer ausverkauft. Unter anderem berichteten internationale Medien wie Arte, Libération, CNN, Forbes und die «Washington Post» über das St.Galler Kunstprojekt.

Von brisanter Aktualität sind nun die Fragen, die der Korrespondent der britischen Zeitung «The Guardian» stellte, Fragen wie: «Wer haftet, wenn ein Programm dazu programmiert wurde, Verbrechen in Kauf zu nehmen? Was, wenn der Roboter Drogen, Waffen oder Hacker-Ausrüstung kauft, sie an einen Empfänger liefern lässt und die Polizei das Paket abfängt?»

St. Gallen - Darknet Unter der Oberfläche des Internets. Ausstellung in der Kunsthalle (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

St. Gallen - Darknet Unter der Oberfläche des Internets. Ausstellung in der Kunsthalle (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

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