Politik kritisiert junge Universität

Aufgrund rückläufiger Studentenzahlen konnte die Universität Liechtenstein die Leistungsvereinbarung mit der Regierung nicht einhalten. Daraus entwickelte sich ein politisches Schauspiel mit harter Kritik an der Uni-Leitung.

Günther Meier
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Die in einer früheren Fabrik einquartierte Universität Liechtenstein bezeichnet sich gern als «Denkfabrik». (Bild: Günther Meier)

Die in einer früheren Fabrik einquartierte Universität Liechtenstein bezeichnet sich gern als «Denkfabrik». (Bild: Günther Meier)

VADUZ. Markige Worte vor einer Woche im Landtag: In die Schusslinie der Giftpfeile gerieten Bildungsministerin Aurelia Frick und die Universität Liechtenstein. Vorwürfe hagelte es, die Universität habe falsche Studentenzahlen vorgelegt und damit zu viel finanzielle Zuschüsse vom Staat eingesackt. Der Landtag sei mit Aussagen geblendet worden, dass die Zahl der Studierenden ansteige, während das Gegenteil der Fall gewesen sei, kritisierte etwa Christoph Wenaweser, Fraktionssprecher der Vaterländischen Union (VU), womit die Universität mehr Geld erhalten habe, als ihr zustehe.

Wenawesers Fraktionskollege Frank Konrad verlangte nach Konsequenzen: «Es müssen Köpfe rollen!» Und der grün-alternative Thomas Lageder sprach von einer «Katastrophe» und warf Frick eine «eklatante Führungsschwäche» vor. Ob diesem Gewittersturm lenkte die Regierung ein und versprach dem Landtag einen Bericht des Universitätsrats, der eine Überprüfung der strategischen Ausrichtung der Uni enthalte.

538 statt 800 Studenten

Entzündet hatte sich die Debatte an der rückläufigen Studentenzahl. Die nun von der Regierung angepasste Leistungsvereinbarung sah 650 bis 800 Studenten vor, doch tatsächlich fanden sich im vergangenen Herbst nur 538 Studierende in den Hörsälen ein. Klaus Näscher, Rektor der Universität Liechtenstein, räumt ein, bei den Zahlen zu optimistisch gewesen zu sein. Zudem sei die Universität mit dem bisher unbekannten Phänomen konfrontiert worden, dass Studenten trotz Zusage ihren Studienplatz nicht antreten würden: Im vergangenen Herbst habe man Zusagen von 240 Studenten gehabt, aber letztlich seien nur 170 erschienen. Im Unterschied zu vielen anderen Hochschulen führt die Uni Liechtenstein mit jedem Studenten ein Aufnahmeverfahren durch, womit bisher die Eintritte ziemlich genau abgeschätzt werden konnten.

International ausgerichtet

Aussagekräftige Details, weshalb das Studium nicht angetreten wurde, liegen nicht vor. Der Rektor vermutet, dass sich Studenten an verschiedenen Universitäten bewerben und anschliessend jene mit dem höchsten Renommée auswählen. Als junge Universität verfügt die Universität Liechtenstein offenbar noch nicht über einen Status, den andere Standorte haben. Der überwiegende Anteil der Studierenden stammt aus Liechtenstein, der Schweiz und Österreich, rund ein Viertel aber setzt sich aus Bildungshungrigen aus aller Welt zusammen: Über 40 Herkunftsländer scheinen in den Personalakten auf. Die internationale Ausrichtung der Universität zeigt sich auch in der Zusammensetzung des Lehrkörpers aus Professoren und Dozenten. Mit Kooperationen mit über 70 Hochschulen und Universitäten unterstreicht die Uni Liechtenstein das angestrebte Ziel von regionaler Verankerung und globaler Vernetzung.

Die Universität Liechtenstein finanziert sich zu einem wesentlichen Teil über einen Staatsbeitrag – für die Jahre 2014 bis 2016 sind es 14,8 Millionen Franken, wovon 1 Million für den Forschungsförderungsfonds. Sollte die Studentenzahl nicht wesentlich erhöht werden, ist es durchaus möglich, dass dieser Staatsbeitrag nach unten angepasst wird. Angesichts der erfreulichen Entwicklung der Universität, die erst 2011 den Universitätsstatus zuerkannt erhielt, ist es allerdings schwer vorstellbar, welche neuen strategischen Weichen gestellt werden sollen.

Praxisorientierte Ausbildung

Die Uni bezeichnet sich gern als «Denkfabrik», um die Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstreichen. Der Fokus von Lehre und Forschung liegt bei den Fachrichtungen Wirtschaftswissenschaften und Architektur mit Raumentwicklung. Die Wirtschaftswissenschaften verteilen sich auf drei Institute: Wirtschaftsinformatik, Entrepreneurship mit Schwerpunkt unternehmerisches Handeln und internationales Management sowie Finanzdienstleistungen mit den Bereichen Asset und Wealth Management, Banking und Financial Management, Finanzmarkt- und Gesellschaftsrecht sowie Steuerrecht. Aufgrund der praxisorientierten Ausbildung bekunden die Absolventen wenig Mühe, einen Job zu finden. Im Bereich Architektur treten die meisten innerhalb von sechs Monaten nach Studienabschluss in die Arbeitswelt ein, etwa jeder Zwanzigste gründet sogleich ein eigenes Unternehmen. Höher liegt der Anteil Firmengründungen im Entrepreneurship: Ein Viertel versucht den Start-up bereits während des Studiums oder kurze Zeit danach.

Die Universität erfüllt die Bologna-Richtlinien der EU und die schweizerischen Uni-Qualitätsstandards. Die unabhängigen Experten für Akkreditierung und Qualitätssicherung der schweizerischen Hochschulen stuften vor fünf Jahren die Universität als «kleine Universität mit hohen Entwicklungspotenzialen» ein.