Polemik um Klimaschleudern: Thurgauer Gastro-Präsident hofft auf eine Lockerung für Heizpilze, St.Gallen prüft Ausnahmebewilligungen

In einigen Kantonen wird heftig über Heizpilze gestritten. In der Ostschweiz hingegen ist die Debatte noch nicht angekommen. Was hiesige Gastroverbände über Heizpilze denken und wie sie die kälteren Tage wirtschaftlich überleben wollen.

Sabrina Manser
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Heizpilze gelten als CO2-Schleudern – in der Stadt St. Gallen sind nur Aussenheizungen erlaubt, die vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

Heizpilze gelten als CO2-Schleudern – in der Stadt St. Gallen sind nur Aussenheizungen erlaubt, die vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

Rainer Droese / Imago-Images

Heizpilze sind wegen des CO2-Ausstosses umstritten. Deshalb sind sie beispielsweise in Luzern verboten. Um jedoch den Herbst und Winter der Gastronomen zu retten, fordert Gastro Luzern, dass zumindest klimaneutrale Heizpilze erlaubt werden.

In Zürich zeichnet sich eine ähnliche Diskussion ab. In einem dringlichen Postulat fordern Politiker Erleichterungen für die Gastrobranche, wie die NZZ Anfang Monat berichtete. Als Lösungen sind Heizstrahler, Festzelte und verlängerte Öffnungszeiten angedacht.

Mit Bewilligung sind grüne Heizpilze möglich

Im Kanton St. Gallen ist die politische Debatte über Heizpilze noch nicht angekommen. René Rechsteiner, der Präsident von Gastro Stadt St. Gallen, kann sich vorstellen, dass einige Betriebe Heizpilze einsetzen. Auf öffentlichem Grund müssen diese laut Energiegesetz mit erneuerbarer Energie oder «nicht anders nutzbarer Abwärme» betrieben werden. Ebenso sind Heizstrahler im Freien bewilligungspflichtig. Aussenheizungen mit fossiler Energie werden nur unter bestimmten Ausnahmen bewilligt.

Rechsteiner glaubt nicht, dass man der Gastrobranche mit einem lockereren Bewilligungsverfahren für Heizstrahler entgegenkomme. Er sieht die Chancen anderswo:

«Es gibt durchaus Möglichkeiten, mit Heizkissen zu arbeiten. Ich glaube, das könnte funktionieren.»

Auch Zelte oder Hütten könnten Alternativen sein, jedoch brauche es auch dort wieder Baubewilligungen. «Die Örtlichkeit des Gastronomiebetriebs ist entscheidend.» Für die einen sei es einfacher, draussen etwas zu planen, für andere weniger. Der Gastro-Präsident hält fest: «In den kalten Monaten werden mehr Gartentische draussen sehen.» Konkrete Umsetzungen seien individuell und nach Absprache mit den Behörden zu gestalten. Die Gastroverbände würden sich regelmässig mit der Stadt austauschen, um Lösungen zu finden.

Lockerungen für Bewilligungen sind angedacht

Fredy Zaugg, Leiter Umwelt und Energie der Stadt St. Gallen, ist bislang noch nicht mit Anfragen für Bewilligungen für Heizpilze überrannt worden. Gastronomen hätten erst für Aussenplätze angefragt, wie er sagt. Dabei gehe es um temporäre «Ausseneinhausungen», also Zelte oder Unterstände. Hier sei die Beheizung ein Thema.

Zaugg sagt:

«Für Bewilligungen von Heizungen im Freien werden wir Ausnahmelösungen prüfen. Zurzeit liegen aber noch keine konkreten Vorschläge vor.»

Das Amt für Umwelt und Energie sei aber im Austausch mit anderen Dienststellen wie der Stadtpolizei, Stadtplanung, Bauaufsicht und Tiefbauamt. «Wir müssen pragmatische Lösungen finden.» Erlaubt sind derzeit in St. Gallen lediglich Aussenheizungen, welche vollständig mit erneuerbarer Energie oder Abwärme betrieben werden. Ein Heizpilz werde diesen Anforderungen kaum entsprechen und müsse im Einzelfall angeschaut werden. «Als Alternativen zu Heizpilzen genügen in vielen Fällen auch Sitzkissen und Wolldecken.»

Gar nicht begeistert von den Heizpilzen – ob mit oder ohne erneuerbare Energie betrieben – ist der St. Galler Kantonsrat Basil Oberholzer. Der Grüne sagt: «Ich lehne Heizpilze ab. Im Freien die Luft beheizen zu wollen, ist das Ineffizienteste, was es gibt.» Es komme nicht nur auf die Energiequelle, sondern auch auf die Energieeffizienz an. Auch wenn er die Gastronomen verstehe, sei er gegen eine Ausnahmebewilligung für Heizpilze.

«Auch wenn die Coronakrise uns derzeit heftig durchschüttelt, die Klimakrise ist die weitaus grössere Herausforderung.»

Statt die Heizpilze einzusetzen, sollten sich die Leute wärmer anziehen, oder Restaurants könnten die Kälte mit einem Windschutz stark reduzieren. Nicht zuletzt: «Die Winter sind im Durchschnitt deutlich weniger kalt als früher.»

«Der Umsatz der Gastronomen kann so verbessert werden»

Im Kanton Thurgau sowie im Kanton Appenzell Ausserrhoden gelten für Heizungen im Freien dieselben Regeln wie im Kanton St. Gallen. Aussenheizungen müssen mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Ruedi Bartel, der Präsident von Gastro Thurgau, sagt, dass Gastrobetriebe Zelte und kleine Hüttchen aufstellen werden. Bartel sagt:

«Ich hoffe, die Regierung ist in der jetzigen Situation kulant und lockert die Bewilligungen der Heizpilze. So kann der eine oder andere Gastronom seinen Umsatz etwas verbessern.»

Was gegen die Heizpilze spreche, sei der CO2-Ausstoss, jedoch wäre es jetzt falsch, darüber zu diskutieren.

Markus Strässle, der Präsident von Gastro AR, denkt anders:

«Ich bin der Meinung, dass es diese Pilze grundsätzlich nicht braucht.»

Sie würden jedoch dem Bedürfnis der Gäste entgegenkommen. Strässle sagt: «Restaurants haben noch keine Heizpilze gefordert. Aber von der Gästeseite höre ich öfters, dass sie gerne in offenen Räumen sind.» Der Ausserrhoder Gastroverband will vorerst nichts entscheiden: «Wir lassen den Herbst auf uns zukommen.»

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