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Pöbler, Pinkler, Prügler: Die Olma-Bilanz der Polizei

ST.GALLEN. Die St.Galler Stadtpolizei musste sich wegen betrunkener Pöbler am Olma-Jahrmarkt viel Kritik anhören. Sprecher Roman Kohler über Bussen für Pinkler, körperliche Übergriffe und Lob von unerwarteter Seite.
Daniel Walt
Roman Kohler, Leiter Kommunikation Stadtpolizei St.Gallen. (Bild: pd)

Roman Kohler, Leiter Kommunikation Stadtpolizei St.Gallen. (Bild: pd)

"Die Polizei ist überall – nur nicht dort, wo man sie braucht" oder "Radarkontrollen bringen der Polizei keinen Ärger und sind ertragreich, das erklärt wohl die Prioritätensetzung": Kommentare mit diesem Tenor gingen auf Tagblatt Online ein, nachdem sich Standbetreiber über aggressive Pöbler und betrunkene Vandalen am Olma-Jahrmarkt beklagt hatten. Roman Kohler, Leiter Kommunikation der St.Galler Stadtpolizei, nimmt solche Pauschalvorwürfe ernst, hält aber entgegen: "Wir unterstützen die Securitas bei Problemen in den Hallen, wir sind am Jahrmarkt präsent, ziehen alkoholisierte Autofahrer aus dem Verkehr und kümmern uns zudem um das restliche Tagesgeschäft.“

"Eine Handvoll Sachbeschädigungen"
Die Stadtpolizei St.Gallen verzeichnete während der diesjährigen Olma- und Jahrmarktszeit "nur gerade eine Handvoll Sachbeschädigungen. Und das bei 375‘000 Besucherinnen und Besuchern während zehn Tagen", wie sie festhält. Erfahrungsgemäss können in den folgenden Tagen noch einige Anzeigen wegen Sachbeschädigungen dazukommen.

Roman Kohler, Leiter Kommunikation Stadtpolizei St.Gallen. (Bild: pd)

Roman Kohler, Leiter Kommunikation Stadtpolizei St.Gallen. (Bild: pd)

Nach Jahrmarkt und Olma sind die Angehörigen der St.Galler Stadtpolizei erst einmal froh, dass wieder etwas ruhigere Zeiten anbrechen. Im Einsatz stand in den letzten anderthalb Wochen bis zu dreimal mehr Personal als normalerweise. "Jetzt können wir wieder runterfahren", sagt Roman Kohler. Entgegen aller Vorwürfe habe die Polizei auch abends und nachts am Jahrmarkt Präsenz markiert – und zwar wie schon seit einigen Jahren mit Leuchtwesten, damit man die Beamten auch in der Dunkelheit gesehen habe. "Wenn wir irgendwo eingreifen mussten, band das natürlich Kräfte. In einem Fall waren fünf Polizisten nötig, um eine gewalttätige, betrunkene Person unter Kontrolle zu bringen. So entstand bei den Marktfahrern zu gewissen Zeiten vielleicht der Eindruck, wir seien nicht präsent", hält Kohler zu entsprechender Kritik fest.

Meist von ausserhalb der Stadt
Ganz generell spricht Roman Kohler von einer Olma- und Jahrmarktzeit, die aus polizeilicher Sicht im Rahmen der letzten Jahre verlaufen sei. Die Einsatzkräfte hielten sogar etwas weniger Personen an als in den vergangenen beiden Jahren, um deren Personalien aufzunehmen. Es handelte sich dabei vorwiegend um Erwachsene, nur ganz wenige Jugendliche befanden sich darunter. "Die betreffenden Personen waren fast ausschliesslich Schweizer und stammten praktisch nie aus der Stadt", sagt er. Dass am Jahrmarkt zum Ärger der Standbetreiber Wildpinkler umgegangen sind, findet in den Zahlen der Stadtpolizei Niederschlag: Gegen 50 Personen wurden erwischt und mit je 60 Franken gebüsst – Vergleichswerte aus den letzten Jahren gibt es laut Kohler nicht. Im Rahmen der Vorjahre bewegen sich gemäss der Polizei die Zahlen zu körperlichen Übergriffen und Taschendiebstählen.

Einfluss des guten Wetters
Die zunehmende Aggressivität, über die sich Marktfahrerinnen und Marktfahrer öffentlich beklagt haben, ist für Roman Kohler nichts Olma-Spezifisches. "Darauf, dass der Respekt generell abnimmt, haben weder die Olma-Messen noch die Stadtpolizei einen Einfluss", sagt er. Dies, ohne Angriffe auf Menschen und Vandalenakte beschönigen zu wollen. Gefordert sei hier die gesamte Gesellschaft. Dass die Marktfahrerinnen und Marktfahrer die negativen Folgen des Alkoholkonsums an der Olma wesentlich mehr als in anderen Jahren gespürt haben, könnte in den Augen Roman Kohlers auch mit dem guten Wetter an den beiden Messe-Wochenenden und dem damit verbundenen enormen Besucherandrang am Herbstjahrmarkt zusammenhängen: "Bei Regenwetter gehen die Olma-Besucher nach Schliessung der Hallen vermutlich relativ rasch nach Hause – bei gutem Wetter bleiben viele von ihnen noch am Jahrmarkt", sagt Kohler.

Auch Lob gehört
Müsste die Stadt Bewilligungen für den Alkoholverkauf an Jahrmarktständen zurückhaltender verteilen, damit betrunkene Olma-Besucher nicht am Jahrmarkt ungehemmt weitertrinken können? "Wir gehen nicht davon aus, dass die entscheidende Menge Alkohol an Jahrmarktständen verkauft wird", antwortet Roman Kohler. Ein Problem für die Polizei stellen vielmehr jene eher jüngeren Besucher dar, die kartonweise Alkohol aufs Jahrmarktgelände bringen – "das lässt sich nicht so einfach lösen", sagt Kohler. Generell will die Stadtpolizei St.Gallen gemeinsam mit den Olma-Messen, dem Gastro-Verband sowie den Marktfahrern und dem Quartierverein am Runden Tisch zu Verbesserungen für die nächste Messezeit beitragen. Rückmeldungen von Marktfahrern und Besuchern jedenfalls deuten darauf hin, dass die Polizei ihre Arbeit nicht so schlecht gemacht hat, wie dies ihre Kritiker monierten: "Wir hörten auch Lob für unsere Präsenz, und man dankte uns für rasche Interventionen", so Kohler.

Ruhiges zweites Wochenende

Peter Hutter, Sekretär des Schweizerischen Marktverbandes, äussert sich nach dem Abschluss des Jahrmarktes generell zufrieden: "Wir haben bei sensationellem Wetter gute Geschäfte gemacht", sagt er. Ab Mitte vergangener Woche sei die Polizei spürbar präsenter gewesen am Jahrmarkt – möglicherweise habe sie ihr Personal anders verteilt, nachdem es am ersten Messewochenende zu Angriffen auf Marktfahrer und Vandalenakten gekommen sei. Die Bestätigung dafür kommt von Roman Kohler, Leiter Kommunikation der Stadtpolizei: "Nach den Rückmeldungen der Marktfahrer haben wir eine Feinjustierung unserer Einsätze am Jahrmarkt vorgenommen – so, wie wiruns immer situativ der entsprechenden Lage anpassen", so Kohler. Wie Peter Hutter sagt, lohnte sich dies: Auf dem Jahrmarkt-Areal kam es am zweiten Wochenende seines Wissens weder zu Angriffen auf Händler noch zu groben Sachbeschädigungen. (dwa)

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