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Podium zur Spitalpolitik: Standorte nicht angetastet

In St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden drohen Spitalschliessungen. Am «Tagblatt»-Podium im St. Galler Pfalzkeller hüteten sich allerdings alle, über konkrete Standorte zu reden.
Marcel Elsener
Am «Tagblatt»-Podium (von links): Chefredaktor Stefan Schmid, Heidi Hanselmann (Gesundheitschefin SG), Tilman Slembeck (Gesundheitsökonom), Robert Stadler (IHK St.Gallen Appenzell), Matthias Weishaupt (Gesundheitsdirektor AR), Antonia Fässler (Frau Statthalter AI), Peter Hartmann (Fraktionschef SP-Grüne SG) und Andri Rostetter (stv. Chefredaktor). (Bild: Urs Bucher)

Am «Tagblatt»-Podium (von links): Chefredaktor Stefan Schmid, Heidi Hanselmann (Gesundheitschefin SG), Tilman Slembeck (Gesundheitsökonom), Robert Stadler (IHK St.Gallen Appenzell), Matthias Weishaupt (Gesundheitsdirektor AR), Antonia Fässler (Frau Statthalter AI), Peter Hartmann (Fraktionschef SP-Grüne SG) und Andri Rostetter (stv. Chefredaktor). (Bild: Urs Bucher)

Wie viele Spitäler braucht die Ostschweiz? Der Titel des «Tagblatt»-Podiums zur Spitalpolitik war bewusst interkantonal mit Blick auf einen jüngst vermehrt geforderten «Gesundheitskanton Ostschweiz» gesetzt worden. Akut stellt sich die Frage nach Spitalschliessungen vor allem im Kanton St. Gallen, wo gestern die Tagesaktualität der Diskussion zusätzliche Dringlichkeit verlieh: Die Halbjahresbilanz der St. Galler Spitalverbunde zeigt, dass die Defizite noch rascher eintreffen könnten als prognostiziert, vor allem die Einbussen in Wattwil sind dramatisch.

Mit Spannung erwartete das grösstenteils Ü-60er-Publikum im gutgefüllten Pfalzkeller demnach Antworten auf die Frage, welche Standorte denn nun konkret gefährdet sind und wie viele Spitäler in zehn, zwanzig Jahren übrig bleiben. Zumindest einer hatte im Vorfeld eine konkrete Zahl genannt: «Zwei Spitäler sind für den Kanton St. Gallen genug», so das pointierte Verdikt von Gesundheitsökonom Tilman Slembeck. Doch am Podium hütete er sich ebenso wie alle andern Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von Zahlen und Schliessungen konkreter Standorte (wie etwa Rorschach) zu reden.

Statt hitzigem Streit pfleglicher Umgang

Vielleicht lag’s auch an der Platzierung: Slembeck stand Seite an Seite mit der St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann, und wer einen harten Streit erwartet hatte, war erstaunt über den pfleglichen Umgang der beiden. Als die SP-Regierungsrätin betonte, man habe bereits viele Leistungen zusammengelegt und könne angesichts der «immer noch unterdurchschnittlichen Krankenkassenprämien» als Kanton «nicht so schlecht unterwegs sein», zeigte sich Slembeck «erfreut zu hören, dass die Bereinigung der Leistungsangebote weiter läuft». Die Schliessung der meist günstiger operierenden Regionalspitäler führe letztlich zu einer Verteuerung, sagte SP-Fraktionschef Peter Hartmann.

Eher überraschend verzichtete auch IHK-Sekretär Robert Stadler auf früher gemachte Forderungen nach Spitalschliessungen. Und der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt liess auch nach mehrmaligem Nachhaken der Moderatoren Stefan Schmid (Chefredaktor «Tagblatt») und Andri Rostetter (Ressortleiter «Ostschweiz») die Frage offen, ob Heiden oder Herisau geschlossen werden könnten. Die Teilrevision des Spitalverbunds, über die am 23. September abgestimmt wird, werde «Betriebsschliessungen ermöglichen», so viel sagte er dann doch, «denn die Landschaft ändert sich».

«Unnötige Behandlungen nicht noch belohnen»

So komplex die Gesundheitspolitik ist, so klar waren trotzdem die Vorschläge der Podiumsgäste, welche Massnahme sie zur Kostendämpfung begrüssten: die gut 20 Prozent unnötigen Behandlungen nicht noch belohnen respektive verhindern (Hanselmann, Weishaupt), das Wachstum der Gesundheitskosten mit Zielvorgaben beschränken, «schlimmstenfalls» mit Globalbudget (Slembeck), dem Publikum einen ­Qualitätsvergleich der Spitäler ermöglichen (Stadler) und eigene individuelle Ansprüche herunterschrauben (Hartmann). Den grössten Lacher im Pu­blikum verbuchte Moderator Rostetter: Der Spitalneubau in Appenzell habe 26 Betten, da habe ja «sogar der ‹Aescher› das doppelte», meinte er zur Inner­rhoder Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler. Obwohl sich die Frau Statthalter redlich bemühte, die Notwendigkeit ihres Spitals zu begründen, blieb das Befremden über ein Kleinstspital unterm Säntis spürbar, lediglich 20 Autominuten von den beiden nächsten Spitälern in Herisau und St. Gallen entfernt.

Eine interkantonale Ostschweizer Spitalplanung dürfte weiterhin illusorisch bleiben, wie Hanselmanns Beispiele gescheiterter Planungen etwa mit Zürich («St. Gallen hätte höhere Zürcher Tarife subventioniert») oder mit Liechtenstein (Angst vor Autonomieverlust) belegten. Doch waren sich die drei Gesundheitschefs einig, dass die grenzüberschreitende operative Zusammenarbeit der Spitalverbunde wachsen und weiter verstärkt werden müsse.

Die von einer Zuhörerin am Ende gewünschte «offene, ehrliche Diskussion, wenn es zu Spitalschliessungen kommt», konnte Heidi Hanselmann versprechen. Drei Gespräche mit der regionalen Bevölkerung sind bereits diesen Herbst angesetzt – am 22. Oktober in Rorschach, am 28. November in Wattwil und am 10. Dezember in Heerbrugg. Diskussionsstoff ist vorhanden, und er wird nicht einfacher, schon gar nicht, wenn niemand zuspitzt.

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