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Podium: Wenn die Fassade des starken Mannes bröckelt

Wie schützen sich Frauen vor Gewalt? Wie werden ihre Täter zur Verantwortung gezogen? Und was haben Bilder von Männlichkeit mit Gewalt zu tun? Diesen Fragen sind die Teilnehmer eines Podiums an der Fachhochschule St.Gallen nachgegangen.
Katharina Brenner
Karl Weilbach, Christian Schwarzenegger, Sema Karakus, Christian Bächle, Susanne Vincenz, Denise Flunser, Renato Kaiser und Gabriella Schmid am Podium zu «Gewalt an Frauen». (Bild: Thomas Hary)

Karl Weilbach, Christian Schwarzenegger, Sema Karakus, Christian Bächle, Susanne Vincenz, Denise Flunser, Renato Kaiser und Gabriella Schmid am Podium zu «Gewalt an Frauen». (Bild: Thomas Hary)

Am Schluss blieb kaum Zeit für Fragen aus dem Publikum, die zwei Stunden waren um. «Was empfehlen Sie einer Person, die über längere Zeit gestalked wird, die aber keine zivilen Forderungen stellen kann?», fragte ein Teilnehmer des Podiums «Gewalt an Frauen» an der Fachhochschule St.Gallen (FHS). Diese Situationen gebe es, antwortete Christian Schwarzenegger, Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie an der Universität Zürich. Er rate zu einem strikten Kontaktabbruch. Und er stimmte Denise Flunser von der Opferhilfe St.Gallen-Appenzell zu. Flunser sagte:

«Die Person soll zur Opferhilfe gehen und ihr Umfeld informieren.»

Komme es zum Kontaktabbruch, würden sich Stalker häufig im Freundeskreis des Opfers oder an dessen Arbeitsplatz melden.

Auch in anderen Punkten waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Podiums weitestgehend einig. Mit den geplanten Gesetzesänderungen auf nationaler und kantonaler Ebene, mit der Unterzeichnung der Istanbul-Konvention und mit Kampagnen habe sich einiges verbessert, so der Tenor. Doch für wahre Gleichstellung und besseren Opferschutz sei noch vieles zu tun. Slam-Poet und Autor Renato Kaiser meinte mit einem Verweis auf die beiden frischgewählten Bundesrätinnen: Gleichstellung sei erst dann erreicht, wenn Frauen in Führungspositionen genauso fehlerhaft sein können wie Männer.

Strafrechtler sieht Stalking-Gesetz kritisch

Der Andrang am Montag war gross. Unter den gut 200 Besucherinnen und Besuchern waren zahlreiche Studenten und Mitarbeiter der Kantonalen Verwaltung. FHS-Dozentin Gabriella Schmid moderierte den Abend; die Fragen drehten sich um Männlichkeitsbilder, Opferschutz und Stalking. Christian Schwarzenegger von der Uni Zürich steht einem Stalking-Gesetz kritisch gegenüber. Stalking lasse sich nicht so einfach definieren, Beispiele aus Deutschland zeigten, dass ein entsprechender Tatbestand nicht zu mehr Verurteilungen führe.

Christian Bächle, Stellvertretender Leitender Staatsanwalt St.Gallen, und der Forensiker Karl Weilbach berichteten von ihrer Arbeit mit Tätern: «Stark tätowierte, muskulöse Männer» würden sich in der Beratung empathisch zeigen, im Umgang mit der Polizei teils «aufgelöst und klein». Vor allem Weilbach plädierte dafür, mehr in die Täterberatung zu investieren. Die Scheidungsanwältin und St.Galler FDP-Kantonsrätin Susanne Vincenz stimmte ihm zu.

Sema Karakus vom Frauenhaus St.Gallen sagte, die Täter würden aus ­allen Schichten kommen. Lehrer und ­Ingenieure, aber auch Männer ohne gute Ausbildung. Die «ethnische Zugehörigkeit» mache keinen Unterschied. Auch in der Schweiz gebe es «patriarchale Strukturen».

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