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PODIUM: Das Theater ist auch eine Brücke

Sanierung oder Abbruch und Neubau? Im Palace stritten auf Einladung des «Tagblatts» Kantonsvertreter und Gegner noch einmal heftig über den 50-Millionen-Kredit für das Theater St. Gallen.
Marcel Elsener
Angeregte Podiumsrunde im «Palace»: «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid, Kulturamtsleiterin Katrin Meier, Bauchef Marc Mächler, SVP-Kantonsrat Toni Thoma, der Jungfreisinnige Remo Senekowitsch und «Tagblatt»-Regionalchef Andri Rostetter (von links). (Bild: Benjamin Manser)

Angeregte Podiumsrunde im «Palace»: «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid, Kulturamtsleiterin Katrin Meier, Bauchef Marc Mächler, SVP-Kantonsrat Toni Thoma, der Jungfreisinnige Remo Senekowitsch und «Tagblatt»-Regionalchef Andri Rostetter (von links). (Bild: Benjamin Manser)

Marcel Elsener

marcel.elsener@tagblatt.ch

«Erhellend» sei für ihn zu hören, dass sein Kontrahent den desolaten Zustand und die Baumängel des Hauses ebenfalls beklage. Was der St. Galler Bauchef Marc Mächler über eine Aussage von SVP-Kantonsrat Toni Thoma zu den «schlimmen Zuständen» im 50-jährigen Theatergebäude sagte, galt am Mittwoch fürs ganze «Tagblatt»-Podium zur Theatervorlage: Die Diskussion war herzhaft heftig, zeitweise richtig spannend, mitunter (teils unfreiwillig) lustig, und eben: erhellend.

Und sie bot sogar Neuigkeiten: Dass der Bauchef die erste Vorlage in seinem Departement aufs «Machbare» gestutzt, sprich «einiges herausgestrichen» und sich damit bei den Kulturbehörden «nicht beliebt» gemacht hatte, hörte man in dieser Form noch nie. «Diese Theatersanierung ist doch kein Wunschkonzert», sagte Mächler. Ein regierungsrätliches Bekenntnis, das gleichzeitig an den scharfen FDP-Sparpolitiker erinnerte, der Mächler im Kantonsrat war.

Der Traum vom Neubau und Exkurse in Theorie

Spannend wurde es dann, wenn die beiden früheren Ratskollegen in den Nahkampf gingen. So zum Thema Neubau: Statt «in den abbruchreifen Betonhaufen zu investieren», wäre laut Thoma besser ein neues Theater zu planen, für «vielleicht 120 Millionen Franken», im Idealfall auf dem Olma-Autobahndeckel und verbunden mit einem Kongress­hotel, wie es Wirtschaftsverbände in Winterthur forderten. Dafür würde er wohl «Seite an Seite mit Marc Mächler» werben, sagte der SVP-Kantonsrat. Der Bauchef liess sich von den Schalmeienklängen nicht beeindrucken. «Man darf träumen», aber eine Sanierung sei die günstigere und politisch mehrheitsfähigere ­Variante, so Mächler. «Hätten wir einen Neubau vorgeschlagen, würde uns die SVP jetzt vorwerfen, warum wir keine Sanierung prüften.» Die Kosten für einen Neubau bezifferte das Baudepartement auf 130 bis 150 Millionen, «ostschweizerisch bescheiden», denn ähnliche Projekte in Luzern (abgelehnt) und Linz (realisiert) bewegten sich jüngst über der 200-Millionen-Grenze.

Zweimal waren in der von «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid und Regionalchef Andri Rostetter zügig geleiteten Diskussion Exkurse in Staatskunde und Volkswirtschaftstheorie nötig. Der Jungfreisinnige Remo Senekowitsch bekämpft die Bauvorlage grundsätzlich: Er betrachtet als Erzliberaler die Kultur nicht als Staatsaufgabe, sondern als «Privatsache, Entertainment, Luxus». Deshalb zähle ein Theater nicht zur Infrastruktur wie etwa Umfahrungsstrassen. Thoma pflichtete ihm bei: «Es kommt noch soweit, dass wir Sicherheit mit Kultur vergleichen.» Mächler blieb staatsmännisch cool und ­erklärte, selber ein Liberaler und HSG-Abgänger, dass Kultur meritokratisches Allgemeingut und von Gesetzes wegen eine Staatsaufgabe sei. «Wer das ändern möchte, soll eine Verfassungs­initiative lancieren.» Mit Blick auf den forcierten Stadt-Land-Graben betonte er wichtige regionale Bauprojekte: «Wenn sich jeder in seinem Ort fragt, was ihm dies oder jenes bringt, können wir in Zukunft in diesem Ringkanton nicht mehr investieren.» Mächlers Beispiel ist die Taminabrücke in Pfäfers: «Dort ist das Verhältnis, wer in der Region das Angebot nutzt, wohl noch viel krasser als beim Stadttheater.»

Kulturschaffende wehren sich fürs Haus

St. Gallen pflege mit seiner Kulturpolitik die regionale Ausgewogenheit wie kaum ein anderer Kanton, sagte Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur. Dies trotz knappen Mitteln, weil in der Schweiz punkto Kulturausgaben ein West-Ost-Gefälle herrsche. Während Senekowitsch das Theater als «strahlenden Leuchtturm der Unverhältnismässigkeit» bezeichnete, rückte Meier die Verhältnisse zurecht – etwa mit dem Hinweis auf die landesweit höchste Eigenwirtschaftlichkeit von 30 Prozent. Und sie machte sich für den «architek­tonisch hervorragenden» Bau stark, den sie gern «noch etwas aufwendiger» renoviert hätte. Im gut hundertköpfigen Publikum waren nur Befürworter auszumachen. Darunter Kulturschaffende, die sich zu Wort meldeten, wie der Tubaspieler und FDP-Stadtparlamentarier Karl Schimke. Er wies den Vorwurf der «Eliten-Kultur» aufgrund der vielen Musicals und Jugendtheater scharf zurück. Applaus erntete der Schauspieler Marcus Schäfer, der sich seitens der Theaterangestellten an den SVP-Mann wandte: «Sie sollten mal auf die Stimmen aus dem Theater hören: Wir sind nämlich nicht für Abbruch und Neubau, sondern realistischerweise für bessere Arbeitsbedingungen in unserem Haus.»

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