Plötzliche Leerstellen im Überfluss

Der forcierte Weihnachtsgeschäftsrummel kann einem schnell zu viel werden. Vor lauter Dekoständen, Lebkuchenauslagen, Glühweinschenken, Pre-Sale-Angeboten und vielerlei Animationen weiss man bald nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Überreiz, Übermass, Überdruss.

Drucken
Teilen

Der forcierte Weihnachtsgeschäftsrummel kann einem schnell zu viel werden. Vor lauter Dekoständen, Lebkuchenauslagen, Glühweinschenken, Pre-Sale-Angeboten und vielerlei Animationen weiss man bald nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Überreiz, Übermass, Überdruss.

Umso befremdlicher, wenn sich im Überfluss Leerstellen auftun – unverhoffte Mängel. Oder gar schmerzliche Verluste, wie im Fall eines alt eingesessenen St. Galler Sportgeschäfts. Dort wollte unsereiner einen kürzlich beim Aufräumen gefundenen, fast zehn Jahre alten Gutschein einlösen. Peinlich genug . . . Aber der Act-Dis-Laden, der frühere Hongler, ist weg. Spurlos verschwunden. Wohl hatte man irgendwann davon gelesen, aber die schlechte Nachricht wieder verdrängt. Und natürlich ist der, der hier jammert, mitschuldig. Aber der hinfällige Gutschein wenigstens eine gerechtfertigte Busse. Nun ist das Verschwinden eines Fachgeschäfts kein Einzelfall; Ausgewanderte auf Heimaturlaub können davon ein jährliches Weihnachtslied singen. Doch muss man sich noch daran gewöhnen, dass nun auch reihenweise Kioske verschwinden. In der St. Galler Innenstadt innert kürzester Zeit gleich zwei – jene an der Neu- und an der Multergasse, beides jahrelang fixe Anlaufstellen auf Einkaufstour. Dass die Leute nicht mehr rauchen, weiss man. Dass sie kaum noch Drucksachen lesen, muss man befürchten. Doch, bange Frage: Kauen sie auch keine Kaugummis mehr?

In diese Melancholie des Verschwindens passt die Rückkehr eines fast schon vermissten Grummlers: Auf der Suche nach einer Kettensäge – die kauft man besser in ländlichen Gebieten – gerät man in stockdichten Nebel. In der einstigen Nebelspalter-Stadt (Rorschach!)hängt der alte Sack wie damals in Jugendjahren. Obwohl es in jüngster Zeit hiess, er sei seltener geworden oder in die Höhe gewandert. Diesen Winter ist er zurück, in fiesester Dichte. Und so lernt man: Es verschwindet vieles, aber manches bleibt. Oder kommt sogar zurück. (mel)

Aktuelle Nachrichten