Pilz befällt Fische im Rhein

Fischer bangen um die Äschen im Rhein. Ein aggressiver Pilz macht ihnen zu schaffen. Er ist dieses Jahr auch im Unter- und Obersee nachgewiesen worden, wo der Pilz Felchen befallen hat.

Christof Widmer
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Diese Äsche ist vom Pilz Saprolegnia befallen. (Bild: pd/SFV)

Diese Äsche ist vom Pilz Saprolegnia befallen. (Bild: pd/SFV)

FRAUENFELD. Der Äschenbestand im Rhein sei vom Aussterben bedroht, warnt der Schweizerische Fischereiverband. Grund dafür ist der aggressive Pilz Saprolegnia parasitica, der vergangenes Jahr erstmals im Hochrhein bei Schaffhausen nachgewiesen wurde. Er zeigt sich auf den Körpern der Fische in weissen Flecken. Seit drei Wochen ist die Situation in Schaffhausen laut dem Fischereiverband dramatisch. Dort gebe es eine massive Häufung von Fischen mit einem solchen Pilz. Für geschwächte Fische kann der Pilz tödlich sein. Die neue Pilzinfektion drohe die jahrelangen Bemühungen der Fischer zu unterlaufen, den Äschenbestand im Rhein wieder aufzubauen.

Teils die Hälfte des Fangs verpilzt

Der Pilz hat sich inzwischen im ganzen Gewässersystem vom Rhein bis zum Obersee ausgebreitet, erklärt Roman Kistler, Chef der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung. Anfang Jahr sind auch im Untersee Verpilzungen in grösserem Ausmass aufgetreten. Dort hat er Felchen befallen. Im Januar und im Februar hatten stellenweise über 50 Prozent der von den Berufsfischern gefangenen Felchen starken Pilzbefall. Seither habe sich die Situation wieder beruhigt, sagt Kistler. Nachgewiesen wurde Saprolegnia inzwischen aber auch im Obersee.

Ob die Situation wirklich so gravierend ist, wie das der Schweizerische Fischereiverband darstellt, sei im Moment schwierig abzuschätzen, sagt Kistler. Am Pilz sterben jeweils einzelne Fische. Gerade im Rhein würden diese von der Strömung weggespült. «Im Moment darf man den Teufel nicht an die Wand malen», sagt Kistler. Im Normalfall sei ein Fisch, der von einem Pilz derart befallen wird, schon vorher geschwächt. «Bei einem völlig gesunden Fisch kann sich ein Pilz wohl kaum etablieren.» Wenn die Fische aber zu wenig Nahrung haben, in der Laichzeit entkräftet sind oder Verletzungen haben, habe der Pilz eher Chancen. Wie sich der Pilz mittel- und langfristig auf den Fischbestand auswirkt, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen.

Andere Gewässer nicht betroffen

Bisher ist der Pilz im Thurgau nur im Rhein und im Bodensee nachgewiesen. «Aus anderen Gewässern haben wir keine Meldung über verpilzte Fische», sagt Kistler. Für ihn steht jetzt im Vordergrund, dass Saprolegnia parasitica nicht in andere Gewässer wie etwa die Thur verschleppt wird. Dazu hat die Jagd- und Fischereiverwaltung Empfehlungen ausgearbeitet (siehe Kasten). «Den Pilz bekämpfen können wir nicht», sagt Kistler. Umso wichtiger sei es, seine Ausbreitung zu verhindern.

Für Menschen ungefährlich

Der Pilz Saprolegnia kommt natürlicherweise in den Gewässern vor. Neu ist allerdings, dass er vermehrt in aggressiver Form auftritt. Für Menschen ist der Pilz ungefährlich. Fische aus betroffenen Gewässern können demzufolge bedenkenlos konsumiert werden.