Abhöraffäre, Körperverletzung und ein Rechtsstreit – Nicht zum ersten Mal steht die St.Galler PSG Gastronomie unrühmlich in den Schlagzeilen

Um den Pachtvertrag mit der Lokremise zu verlängern, griff Gastronom Philipp Schildknecht zu illegalen Mitteln. Es ist nicht das erste Mal, dass die Firma in den Schlagzeilen steht.

Noemi Heule
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Noch bis Ende Jahr wirtet die PSG Gastronomie AG in der Lokremise hinter dem St.Galler Bahnhof.

Noch bis Ende Jahr wirtet die PSG Gastronomie AG in der Lokremise hinter dem St.Galler Bahnhof.

Bild: Luca Linder

Ende Jahr läuft der Pachtvertrag für die Lokremise aus. Die Firma PSG Gastro AG, die nun im Kulturlokal hinter dem St.Galler Bahnhof wirtet, hat sich in der Neuausschreibung nicht mehr beworben. Stets betonte die Stiftung Lokremise, der die Gastronomie untersteht, dass nicht etwa Unstimmigkeiten das Vertragsende mit dem Unternehmen des stadtbekannten Gastronomen Peter Schildknecht besiegelten. Möglich. In der Ausschreibung für den neuen Mietvertrag ist es aber sehr wohl zu Unstimmigkeiten gekommen. Erst der Staatsanwalt konnte sie beilegen.

Die Firma war nach Ablauf der zehnjährigen Vertragsfrist nämlich nach wie vor an der Pacht interessiert. So sehr, dass Philipp Schildknecht, Sohn von Peter Schildknecht und Geschäftsführer im familieneigenen Gastrokonzern, zu unlauteren Mitteln griff: Wie der «Blick» berichtet, versteckte er kurzerhand ein Aufnahmegerät unter einem Tisch, um die Sitzung der Findungskommission zu belauschen, in der es um die Pachtvergabe ging. Der Lauschangriff ging schief. Das Diktafon wurde entdeckt.

Die Abhöraffäre hat ein teures Nachspiel

Dass sich die Firma PSG nicht mehr für die Pacht bewarb, war also weniger ein freiwilliger Entschluss denn eine notgedrungene Folge dieser Episode. Statt mit Insiderwissen über die Konkurrenz endete sie für Philipp Schildknecht mit einem Strafbefehl. Die St.Galler Staatsanwaltschaft verurteilte den 28-Jährigen gemäss «Blick» zu einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 230 Franken.

Dass er über 40'000 Franken abtreten muss, liegt auch an seinen Vorstrafen: Im vergangenen Mai verurteilte ihn das Kreisgericht St.Gallen bereits wegen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte unter anderem zu einer bedingten Geldstrafe. Zugleich wurde er wegen Körperverletzung und Nötigung schuldig gesprochen.

Mirjam Hadorn, Geschäftsführerin der Stiftung Lokremise

Mirjam Hadorn, Geschäftsführerin der Stiftung Lokremise

Sascha Erni

Der Strafbefehl habe Schildknecht nicht davon abgehalten, sich unter dem Deckmantel einer anderen Firma erneut um die Pacht zu bewerben, schreibt der «Blick» weiter. Mirjam Hadorn, Geschäftsführerin der Stiftung Lokremise, will sich wie alle Mitglieder nicht zu den Vorkommnissen äussern. «Philipp Schildknecht hat sich bei den Beteiligten entschuldigt, damit ist die Sache für uns abgeschlossen», sagt sie lediglich. Ob sich der Gastronom doch noch unter den Bewerbern befunden hat, lässt sie ebenfalls offen. Philipp Schildknecht war am Montag nicht erreichbar.

Sicher ist: Das Interesse am Kulturlokal in Kantonsbesitz war gross, über 50 Kandidaten meldeten sich, fünf schafften es in die Endrunde. Der Zuschlag ging schliesslich an das Wirte-Trio Mehmet Daku, Samuel Vörös und Marcel Walker, die in verschiedenen Konstellationen unter anderem an den Restaurants Brauwerk und Lagerhaus beteiligt sind.

Eine lange Liste von Vorwürfen

Gastronom Peter Schildknecht ist nicht nur wegen seines, nach eigenen Angaben, grössten privaten Gastronomie-Unternehmens der Ostschweiz bekannt. Als dessen Hauptaktionär steht er immer wieder unrühmlich in den Schlagzeilen: Ruhepausen würden ignoriert, Trinkgelder vorenthalten, Überstunden nicht abgegolten oder ungerechtfertigte Kündigungen ausgesprochen, lautet die lange Liste an Vorwürfen, die ehemalige Mitarbeiter erheben. Peter Schildknecht wurde nicht müde, sie zu dementieren.

Während sich die Vorwürfe mehrten, schwand das Imperium, zu dem einst das Restaurant Wienerberg, das Café Colony, die Gastronomie von Tonhalle und Theater oder das Restaurant Concerto gehörten. Per Ende April läuft nun der Pachtvertrag mit der Shopping-Arena aus, wo PSG ein Ableger des Restaurants Marktplatz betreibt. Übrig bleibt als Ausgangspunkt und letzte Bastion das gleichnamige Restaurant in der Innenstadt sowie die PSG-Eventgastronomie.

Am Vierwaldstättersee tobt ein Rechtsstreit

Ein Ausflug an den Vierwaldstättersee endete ebenfalls unerfreulich. Anfang 2018 übernahmen Peter und Philipp Schildknecht das Hotel und Restaurant Seeburg in Luzern. Nach nur einem Jahr kündigten die Besitzer 2018 den Vertrag. Seither tobt ein Rechtsstreit.

Die Besitzerin des renommierten Hauses, die Seeburg Hotels AG, erhebt happige Vorwürfe gegen das Gastrounternehmen. Die PSG habe es monatelang versäumt, den Pachtzins zu entrichten. Zudem seien diverse Mitarbeiter unbezahlt geblieben, sagt sie gegenüber der «Luzerner Zeitung». Das Vater-Sohn-Gespann aus St.Gallen wehrte sich juristisch gegen die Kündigung, ist allerdings bereits vor dem Bezirks- als auch vor dem Luzerner Kantonsgericht abgeblitzt. Noch ist unklar, ob der Rechtsstreit bis vor Bundesgericht gelangt.