Reportage
Pflege und Punsch für Patienten: So bringt das Spital Münsterlingen heimische Weihnachtsbräuche in die Krankenhauswände

Unfall und Krankheit kennen kein Datum. Das Spital Münsterlingen will Gross und Klein trotzdem eine festliche Weihnachtszeit ermöglichen.

Janine Bollhalder
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Der zwölfjährige Nils darf rechtzeitig nach Hause gehen und kann Weihnachten dort verbringen.

Der zwölfjährige Nils darf rechtzeitig nach Hause gehen und kann Weihnachten dort verbringen.

Andrea Stalder

Von der Adventszeit merke er hier drinnen nicht viel, sagt der 12-jährige Nils. Er liegt in einem Zimmer der Kinderstation des Kantonsspitals Münsterlingen. An den Händen hat er Pflaster von der Infusion. Die sei er gerade vor einer halben Stunde losgeworden. Er sieht noch ein bisschen blass und müde aus. «Blinddarmoperation», sagt er.

Im Spitalzimmer von Nils sowie in den Gängen des Spitals Münsterlingen riecht es nach Desinfektionsmittel. Von festlicher Vorweihnachtsstimmung nimmt der Patient oder Besucher hier nur Notiz, wenn er genau hinschaut. Das soll sich aber noch ändern, sagt Sonja Manhart. Im Spital Münsterlingen ist sie Pflegeleiterin der Klinik für Kinder und Jugendliche, der Frauenklinik sowie der Urologie.

«Besonders für die Kinder ist es traurig, wenn sie Heiligabend im Spital verbringen müssen.»
Weihnachtsdekoration im Spielzimmer

Weihnachtsdekoration im Spielzimmer

Andrea Stalder

Die Erwachsenen seien da flexibler: «Dann wird Weihnachten halt einfach um einen Tag verschoben.»

Weihnachtsfest von Zuhause in das Spital übertragen

«Wenn möglich, entlassen wir die grossen und kleinen Patienten pünktlich zu Weihnachten», sagt Sonja Manhart. Und sei es nur für einen kurzen Urlaub. Natürlich sei dies aber nicht in jedem Fall möglich. In der Kinderabteilung werde dann oftmals das Weihnachtsfest von Zuhause ins Krankenhaus verlegt.

«Es gab mal eine Familie, die im Aufenthaltsraum ein Fondue Chinoise gemacht hat», erzählt Manhart. Das sei aber eine Ausnahme gewesen. Zumeist begnügen sich die Familien mit einem Treffen im Krankenzimmer, manchmal ist auch ein Tannenbaum mit von Partie.

Sonja Manhart

Sonja Manhart

Andrea Stalder

Auch in der Vorweihnachtszeit versucht das Klinikteam, dass die Patienten die Adventszeit möglichst festlich erleben. «Wir organisieren dreitätige Spital-Weihnachten», sagt Sonja Manhart. Dabei ziehen der evangelische und der katholische Pfarrer sowie die Musiktherapeutin inklusive der zuständigen Personen der Pflege- und Stationsleitungen durch die Gänge. Sie bringen Punsch und Guetzli und singen mit den Patienten oder für sie.

Für die Kinder gibt es noch mehr weihnächtliche Angebote: Jene, die für eine längere Zeit im Spital weilen und die dortige Schule besuchen, können mithelfen, das Adventsfenster zu gestalten. Das diesjährige Thema: Bäume. Tannen- und Laubbäume aus Papier kleben am Fenster entlang des Aufenthaltsraums. «Auch ein echter Tannenbaum wird bald noch ankommen», sagt Sonja Manhart. Dieser wird dann mit den Kindern geschmückt, die fit genug dafür sind.

Das Adventsfenster mit dem Thema «Bäume» – gestaltet von den Kindern der Spitalschule

Das Adventsfenster mit dem Thema «Bäume» – gestaltet von den Kindern der Spitalschule

Andrea Stalder

Ausserdem wird in der Spitalschule gebacken, gebastelt sowie gemeinsam gegessen und gesungen. Die Stationsleiterin der Kinderklinik, Anja Lenhardt, sagt:

«Wir möchten die heimischen Rituale in die Krankenhauswände bringen.»
Unterhaltung im Spital während der Adventszeit: ein Taschenbuch über Schneemänner

Unterhaltung im Spital während der Adventszeit: ein Taschenbuch über Schneemänner

Andrea Stalder

Auch die Mutter des zwölfjährigen Nils hat sich Gedanken darüber gemacht, wie die Familie das heimische Weihnachtsfest ins Krankenhaus hätte bringen können. «Ich hätte einen Baum in Zimmer gestellt», sagt sie und lacht. Nils darf aber für Weihnachten nach Hause, wo er die festlichen Aktivitäten wie backen und basteln nachholen kann – er freue sich darauf. Bis dahin beschäftigt er sich mit dem Lesen eines Taschenbuchs über Schneemänner.

Wunsch nach mehr Zeit für persönliche Gespräche

Nicht immer sei es einfach, Personal für die Weihnachtstage zu finden. «Auch die Pflegefachpersonen haben Familie und möchten im Kreise ihrer Liebsten feiern», sagt Sonja Manhart. In Münsterlingen werde das Problem so gelöst, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an Weihnachten arbeiten, während anderen Festtagen, wie etwa Neujahr, frei haben.

Anja Lenhardt

Anja Lenhardt

Andrea Stalder

Für die Zukunft wünschen sich Pflegeleiterin Sonja Manhart und Stationsleiterin Anja Lenhardt generell mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten. Auch die Pflegefachkräfte bemühen sich nicht nur an Weihnachten – aber besonders dann – den Patienten Zeit für persönliche Gespräche zu schenken.

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