Pflaster statt Stempel gegen Reanimation

GÜTTINGEN. Wer nach einem Herzstillstand nicht wiederbelebt werden möchte, konnte das bisher mit einem Stempel auf seiner Brust kundtun. Neu sollen Pflaster diese Funktion übernehmen.

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GÜTTINGEN. Wer nach einem Herzstillstand nicht wiederbelebt werden möchte, konnte das bisher mit einem Stempel auf seiner Brust kundtun. Neu sollen Pflaster diese Funktion übernehmen.

Bereits seit 2011 kann man unter www.nocpr.ch einen Stempel bestellen und sich ein Zeichen auf die Brust stempeln, dass man auf lebenserhaltende Massnahmen verzichten möchte. In Kombination mit einer aktuellen und unterschriebenen Patientenverfügung, die man auf sich tragen muss, wird ein solcher Wunsch in der Regel akzeptiert. So handhabt das zum Beispiel auch die Spital Thurgau AG.

Mit Datum und Unterschrift

«Nun lassen wir den Stempel auslaufen», sagt Angelina Horber. Die Güttingerin ist Initiantin von nocpr.ch. Der Stempel soll durch ein Pflaster ersetzt werden. Der Vorteil ist, dass man das Pflaster datieren und unterschreiben kann. So trägt man die Patientenverfügung direkt auf der Haut, und der Sanitäter oder Arzt muss nicht nach der Patientenverfügung suchen, wenn er den Stempel sieht. Das Pflaster hält mindestens drei Tage.

Seit dem Start im Jahr 2011 hat sich die Einstellung gegenüber dem Stempel merklich gebessert, wie Horber feststellt. «Man fand es zuerst ausserordentlich frech, dass so etwas lanciert wird, noch dazu von einer Krankenschwester.» Heute sei die Stimmung positiver: «Oftmals sind es Sanitäter, die nun froh sind, wenn sie in aussichtslosen Fällen nicht auf die ärztliche Entscheidung auf Abbruch der Massnahmen warten müssen, wenn der Patient verfügt hat, dass er keine Massnahmen wünscht.»

Klagen möglich

Wenn auf eine Reanimation verzichtet wird, besteht unter Umständen die Gefahr einer Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung. Umgekehrt ist es aber auch möglich, auf Körperverletzung zu klagen, wenn eine Person am Leben erhalten wird und mit Einschränkungen leben muss, obwohl diese Person lieber gestorben wäre. (che)