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Pferde und Pony hungern lassen: Bekannte des Pferdehalters von Hefenhofen verurteilt

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat eine Bekannte jenes Mannes aus Hefenhofen verurteilt, der wegen seiner Pferdehaltung seit Monaten in den nationalen Schlagzeilen steht. Die 33-jährige Frau wurde wegen Pferdequälerei belangt.
Reinhold Meier
Dieser Hof in Hefenhofen geriet im vergangenen Sommer in die nationalen Schlagzeilen - der Vorwurf: Tierquälerei. (Manuel Nagel)

Dieser Hof in Hefenhofen geriet im vergangenen Sommer in die nationalen Schlagzeilen - der Vorwurf: Tierquälerei. (Manuel Nagel)

Eine Frau musste sich gestern wegen Missständen bei der Haltung von Pferden vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verantworten. Die Anklage war nach einer Kontrolle im Februar 2016 aktiv geworden. Der Kantonstierarzt hatte Übertretungen des Tierschutzgesetzes festgestellt. Der Hauptvorwurf lautete auf mehrfache vorsätzliche Tierquälerei. Dies, weil die Frau vier Pferde und ein Pony ungenügend ernährt hatte. Von Amtes wegen wurde dafür ein Gewichtsindex verwendet, der von 0 bis 5 reicht. Zwei Tiere erreichten danach bloss eine 1, zwei weitere sogar nur eine 0. Ihre Rippen hatten sich deutlich abgezeichnet. Die Amtstierärztin attestierte «ausgeprägte Unterernährung». Zudem hatten die insgesamt neun Tiere zu wenig Platz, teils ohne Rückzugsmöglichkeiten sowie ohne ausreichende trockene Streuung. Ferner fehlte zum Kontrollzeitpunkt der notwendige Sachkundenachweis.

Grosser Auflauf am Prozess

In den Medien erhielt der Vorgang Aufmerksamkeit, weil die Beschuldigte mit dem Pferdehalter im Fall Hefenhofen bekannt war, der im letzten Sommer landesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Zudem hatte sie drei Pferde dieses Halters bei sich untergebracht, allerdings anderthalb Jahre vor dem entsprechenden Fall.

Die Verbindung machte sich gleichwohl an der Gerichtsverhandlung in Mels bemerkbar. So waren die nationale Nachrichtenagentur, Boulevardmedien und Mitglieder von Tierschutzvereinen anwesend - angesichts einer im Raum stehenden bedingten Geldstrafe.

«Kolik, Schwangerschaft, Zahnweh»

Die Angeklagte wirkte hingegen fast erleichtert, dass sie endlich Gelegenheit hatte, ihre Sicht der Dinge darzulegen. «Ich war völlig schockiert, was aus der Kontrolle geworden ist», sagte sie. Sie habe damals weder den Stall betreten noch etwas sagen dürfen. Dabei sei belegt, dass eines der Tiere nach Deckverletzungen durch einen wilden Hengst operiert werden musste und deshalb Gewicht verlor habe. Ein anderes habe nach einer Kolik einen verdrehten Magen gehabt. Ein weiteres Pferd sei trächtig gewesen, das letzte habe eine Allergie gegen Heu gehabt und das Pony habe wegen Zahnschmerzen nichts fressen können. Alle Versuche, die Tiere aufzupäppeln, seien gescheitert. «Ich habe sie einfach nicht hergebracht.»

Mittlerweile ist alles in Ordnung

Auch die engen Platzverhältnisse bestritt die Frau nicht. Aber auch dies sei keine Absicht gewesen. «Ich bin ganz erschrocken, als ich gehört habe, dass das nicht okay war.» Sie habe sofort reagiert und den geforderten Sachkundenachweis sofort nachgereicht. Zuvor hatte sie ihre Tierhaltung und das Reitangebot vergrössert, wie sie weiter berichtete.

Ob sie da nicht mit allem etwas überfordert gewesen sei, wollte der Richter wissen, zumal auch die finanzielle Decke eher knapp war. «Vielleicht», lautete die Antwort. Tatsache sei aber, dass ihr der Vater mit der Kontrolle eins habe auswischen wollen. «Er macht immer Theater.» Jetzt aber wolle sie abschliessen und nach vorne schauen.

Dabei dürfte helfen, dass die Missstände schon wenige Wochen nach der Kontrolle im Februar 2016 beseitigt waren. Zudem haben weitere Nachprüfungen keinerlei Probleme gezeigt. Mit Tieren und Stall ist demnach alles in Ordnung. Als sie von sich aus eine weitere Kontrolle angefordert habe, habe man ihr sogar beschieden, man habe Gescheiteres zu tun, als korrekte Tierhalter zu überprüfen.

«Die Tiere waren unterernährt»

Ein Schuldspruch folgte trotzdem, schlicht weil die damaligen Missstände amtlich festgestellt waren. «Die Tiere waren unterernährt.» Welche entschuldigenden Gründe es dafür allenfalls gab, sei zweitrangig. Das Gericht fällte auch die beantragte Geldstrafe von 70 Tagessätzen aus, bedingt auf zwei Jahre. Es reduzierte jedoch die Höhe von 40 auf 10 Franken pro Tag. Zudem gibt es eine Busse von 400 Franken und Verfahrenskosten von 2650 Franken. Rückblickend dürfte sich die sonst gänzlich unbescholtene Frau fragen, warum sie gegen den Urteilsvorschlag der Anklage überhaupt Einspruch eingelegt hatte. Denn damit wäre die juristische Angelegenheit still erledigt gewesen.

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