Pfarrer hat Buben angefasst

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft hat einen Strafbefehl gegen den ehemaligen katholischen Pfarrer von Aadorf erlassen. Der Mann wurde wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Geldstrafe von 4000 Franken verurteilt.

Mario Testa
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AADORF. Mit rund einem Dutzend Knaben im Teenageralter hatte der ehemalige Kaplan und spätere Pfarrer der katholischen Kirche Aadorf zwischen 1999 und 2010 körperlichen Kontakt. «In einem Fall hat der heute 42jährige Mann die Grenze zur Strafbarkeit überschritten, es kam zu einer sexuellen Handlung mit dem Kind», sagt der Thurgauer Staatsanwalt Jonas Bruderer. «In allen anderen Fällen wurden die Teilverfahren eingestellt.»

Was genau vorgefallen ist, will Bruderer zum Schutz des Opfers nicht sagen. «Für einen objektiven Betrachter hatte die Tat jedoch einen klar sexuellen Bezug», so Bruderer. Laut «Blick» massierte der Pfarrer den Knaben vor allem die Füsse, nachdem er sie telefonisch zu einem Treffen in privatem Rahmen eingeladen hatte. Wie weit er im nun bestraften Fall ging, ist nicht klar.

Ein Monat Untersuchungshaft

Am 19. März 2010 wurde der Pfarrer in Aadorf verhaftet. Er verbrachte einen Monat in Untersuchungshaft, seither ist er wieder frei. Wer damals Anzeige bei der Polizei erstattet hat, sagt Bruderer nicht. «Es hat sich jemand gemeldet und gesagt, dass Jugendliche beim Pfarrer verkehren. So kamen die Untersuchungen in Gang, die in den Strafbefehl mündeten. Der Strafbefehl ist jedoch noch nicht rechtskräftig; zehn Tage lang hat der Verurteilte Zeit, um Einsprache zu erheben.» Den Knaben bezahlte der ehemalige Pfarrer Geld für ihre Dienste und Verschwiegenheit. «Wo genau die Treffen stattfanden, möchte ich nicht sagen. Jedenfalls nicht in der Kirche», so Bruderer. «Ich kann aber bestätigen, dass der Pfarrer den Knaben bei den Treffen Geld gegeben hat.»

Sexuelle Handlungen mit Kindern werden mit bis zu fünf Jahren Gefängnis oder Geldstrafen bestraft. Im aktuellen Fall legte die Staatsanwaltschaft die bedingte Geldstrafe auf 4000 Franken fest.

Pfarrer hat keine neue Stelle

Das Bistum Basel bestätigt auf Anfrage, dass der betroffene Pfarrer seit der Verhaftung keine priesterliche oder seelsorgerliche Tätigkeiten mehr ausübt. «Die weiteren Schritte legen wir fest, wenn das Urteil rechtskräftig ist», sagt die Kommunikationsleiterin des Bistums Basel, Adrienne Suvada. «Wir haben gemäss Kirchenrecht eigene Untersuchungen eingeleitet und schliessen diese ab, sobald das Urteil rechtskräftig ist.»

Bedauern bei Bistum und Kirche

Die Opfer kenne man beim Bistum Basel nicht, da sich diese an die staatlichen Behörden gewendet hatten. «Wenn die Jugendlichen ein Gespräch wünschen, ist das Bistum dazu bereit», so Suvada. «Wir bedauern die Vorfälle. Jedes Opfer ist eines zu viel.»

Bruno Gerig, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Aadorf, sagt auf Anfrage unserer Zeitung: «Ich bin sehr froh, dass jetzt nach über zwei Jahren endlich Klarheit herrscht. Persönlich bedauere ich sehr, dass unser ehemaliger Pfarrer die Grenzen der Intimsphäre überschritten hat. Bei der Arbeit mit Jugendlichen herrscht absolute Nulltoleranz.»

Gerig, der zum Zeitpunkt der Vorfälle noch nicht Präsident der Kirchgemeinde war, ist erleichtert darüber, dass der Staatsanwalt von einer «Tat im untersten Bereich der Skala sexueller Handlungen» spricht. «Ich bin froh, dass sich bestätigt, dass es sich nicht um qualifizierten Missbrauch gehandelt hat», sagt Gerig. «Die Spekulationen sind nun hoffentlich zu Ende, und wir können uns wieder auf die Zukunft unserer Kirche mit unserem tollen neuen Pfarrer, Kenneth Ekeugo, konzentrieren.»