Peter Shehe in Kenia vor Gericht

Über 20 Jahre lang hat er in der Schweiz gelebt, zuletzt in Arbon. Seit 2013 sitzt Peter Shehe im kenianischen Parlament. Jetzt ist der schweizerisch-kenianische Doppelbürger wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder angeklagt.

Katharina Brenner
Drucken
Teilen
Der Politiker Peter Shehe will in Kenia die Korruption bekämpfen. Jetzt steht er laut der Zeitung «The Star» vor Gericht: wegen Korruption. (Bild: Donato Caspari)

Der Politiker Peter Shehe will in Kenia die Korruption bekämpfen. Jetzt steht er laut der Zeitung «The Star» vor Gericht: wegen Korruption. (Bild: Donato Caspari)

Erst im Juni dieses Jahres reiste Peter Shehe zusammen mit anderen kenianischen Parlamentsmitgliedern in die Schweiz: Sie informierten sich damals über den hiesigen Föderalismus. Shehe vertritt den Distrikt Ganze in der National Assembly der Republik Kenia. Jetzt ist der Politiker wegen Veruntreuung angeklagt, berichtet die kenianische Zeitung «The Star» auf ihrer Internetseite.

Mitte Juli stand Shehe in der Küstenstadt Malindi wegen Bestechung in drei unterschiedlichen Fällen vor Gericht, schreibt «The Star». Zusammen mit fünf Funktionären des Constituency Development Fund soll Shehe über 40 Millionen Kenia-Schilling veruntreut haben – das sind umgerechnet rund 400 000 Schweizer Franken. Dabei war der Constituency Development Fund 2003 gegründet worden, um Armut zu bekämpfen und in den verschiedenen Wahlkreisen gezielt Graswurzelprojekte zu fördern.

Geld für Schule veruntreut

Im vergangenen Jahr sollen die Funktionäre und Shehe 3,3 Millionen Kenia-Schilling, rund 30 000 Schweizer Franken, veruntreut haben, die für ein Bohrloch angedacht waren, schreibt «The Star». In demselben Fall wird die Veruntreuung von 1,49 Millionen Kenia-Schilling, rund 14 000 Schweizer Franken, verhandelt: Geld, das in Rohre und Klempnerarbeiten für ein Wasserprojekt hätte fliessen sollen.

In einem zweiten Fall sollen die Angeklagten eine Million Kenia-Schilling, rund 9500 Schweizer Franken, veruntreut haben. Mit diesem Geld hätten Baumaterialien für eine Grundschule beschafft werden sollen.

Für acht Millionen Kenia-Schilling, knapp 80 000 Schweizer Franken, hätte eine Strasse gebaut werden sollen – auch dieses Geld soll laut der Zeitung «The Star» von den sechs Angeklagten veruntreut worden sein. Bei der Anhörung in Malindi wiesen sie die Anschuldigungen von sich.

Nicht die ersten Vorwürfe

Gegen Shehe waren bereits im vergangenen Jahr Korruptionsvorwürfe erhoben worden. Damals gewann er vor Gericht. Zwei Mitarbeiter seiner Partei, der Federal Party of Kenya, wurden schuldig gesprochen, Geld aus der Parteikasse entwendet zu haben. Die Thurgauer Zeitung hatte anschliessend ein Interview mit Shehe veröffentlicht, in dem er die Korruption in Kenia scharf verurteilte. Einer müsse damit anfangen, die Korruption zu bekämpfen, hatte er damals über sich gesagt.

Shehe sitzt für die Partei seit März 2013 im kenianischen Parlament. Er vertritt den Distrikt Ganze mit rund 150 000 Einwohnern. Zuvor lebte Shehe, der sowohl die kenianische als auch die Schweizer Staatsbürgerschaft hat, 22 Jahre lang in der Schweiz, zuletzt in Arbon, wo er als Hauswart arbeitete.

Gegen eine Kaution seien Shehe und die fünf angeklagten Funktionäre des Constituency Development Fund freigelassen worden, schreibt die kenianische Zeitung «The Star». Die Verhandlungen sollen zwischen dem 16. September und dem 9. Oktober stattfinden.