Pestizide
Im Wasser liegt die Wahrheit: Wer ist schuld an der Belastung der Thurgauer Gewässer?

Die intensive Landwirtschaft im Thurgau hat ihren Preis: Der Grosse Rat debattierte am Mittwoch über die Belastung der Gewässer mit Pflanzenschutzmitteln.

Christian Kamm
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Am häufigsten kommen Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft zum Einsatz.

Am häufigsten kommen Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft zum Einsatz.

Arno Balzarini / KEY

Die positive Nachricht vorne weg: Im Thurgauer Trinkwasser konnten laut Regierungsrat «bislang – abgesehen von wenigen Einzelfällen – nur Überschreitungen für die Abbauprodukte von Chlorothalonil festgestellt werden».

Und die schlechte Nachricht: In nicht weniger als einem Viertel der gemessenen Proben wurde Chlorothalonil über dem Ende 2019 vorsorglich bei 0,1 Millionstel Gramm festgelegten Höchstwert festgestellt. Vor diesem Hintergrund hatte das Kantonsparlament anlässlich der Debatte über einen Vorstoss von GP-Kantonsrat Toni Kappeler (Münchwilen) viel Diskussionsstoff.

Auch die Privathaushalte sündigen

Toni Kappeler (GP, Münchwilen)

Toni Kappeler (GP, Münchwilen)

PD

Allerdings war auch Kappeler selbst nicht auf Schuldzuweisungen aus. Nicht nur die Landwirtschaft, auch die privaten Haushalte stünden im Fokus. Obwohl verboten, würden Wege und Plätze nach wie vor mit Herbiziden bearbeitet:

«Alles ist uneingeschränkt im Handel erhältlich.»

Umgekehrt waren die Landwirtschaftsvertreter nicht darauf aus, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Aber: «Die Landwirtschaft bringt Pflanzenschutzmittel aus, wenn es nötig ist sowie mit der notwendigen Vorsicht», sagte René Gubler (SVP, Frauenfeld). «Wir sind uns des Problems bewusst und stellen uns diesem», betonte auch Daniel Vetterli (SVP, Rheinklingen), Co-Präsident des kantonalen Bauernverbands. Dabei verwies er wie Gubler auf das laufende Projekt AquaSan, das den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft verringern will. Das Interesse am Projekt sei hoch. «Es ist eine Erfolgsgeschichte.»

Alle wollen perfekte Früchte

Martin Nafzger (SP, Romanshorn) und weitere Redner sahen zudem die Konsumenten in der Pflicht, die eben perfekte Früchte erwarteten. Kein Bauer käme ohne die Qualitätsvorgaben des Handels auf die Idee, seine Produkte derart häufig zu spritzen:

«Es braucht mehr Qualitätstoleranz.»

Elisabeth Rickenbach (EVP, Frauenfeld) forderte «nicht mehr optisch perfekte, aber ökologisch hochwertige Produkte». Andreas Opprecht (FDP, Sulgen) monierte, es sei bei der Regierung wenig von einer Entschlossenheit spürbar, die Gewässer rasch zu schützen. Zwar seien Projekte gestartet worden, «aber Meilensteine fehlen».

«Grossmehrheitlich gute Qualität»

Nur die Landwirtschaft in der Verantwortung zu sehen, greife viel zu kurz, sagte CVP-Kantonsrat Franz Eugster (Bischofszell). Zudem seien die Gewässer und das Trinkwasser im Thurgau grossmehrheitlich von sehr guter Qualität. Stefan Leuthold (GLP, Frauenfeld) warb für den Schutz des Wassers als Verbundaufgabe.

Regierungsrätin Carmen Haag versicherte, dass die Gewässerqualität beim Kanton einen hohen Stellenwert habe:

«Wir setzen alles daran, die Wasserqualität weiter zu verbessern.»

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