«Perronnord», St. Gallen: Schöne Kneipenwelt

Auf dem Kassenzettel steht noch immer «Restaurant Bierstübli». Ausser der Kasse aber ist im kleinen Lokal hinter dem Bahnhof so ziemlich alles anders als bis zum letzten Jahr. Angefangen beim Namen, der gleichermassen spröd wie charmant «Perronnord» heisst.

Beda Hanimann
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"Zu Tisch" Picto (Bild: Beda Hanimann)

"Zu Tisch" Picto (Bild: Beda Hanimann)

Auf dem Kassenzettel steht noch immer «Restaurant Bierstübli». Ausser der Kasse aber ist im kleinen Lokal hinter dem Bahnhof so ziemlich alles anders als bis zum letzten Jahr. Angefangen beim Namen, der gleichermassen spröd wie charmant «Perronnord» heisst. Als der Stammgast Jürg Schmid von Wirt Fredi Birrer angefragt wurde, ob er einsteigen wolle, sagte er: Ja, aber wir machen alles neu. Nun bilden die beiden das Beizerteam, Birrer in der Küche, Schmid bei den Gästen, mit dabei ist im Service Sonia Meraimi, die französisches Bistroflair ins Lokal bringt. Ein Luzerner, ein Bündner und eine Französin in einer St. Galler Bahnhofbeiz: Das ist nur eines von vielen hübschen Details.

Es war in erster Linie eine Entrümpelungsaktion, die Schmid letztes Jahr an die Hand genommen hatte. Nun strahlt das Lokal schlichten Charme aus mit Holzboden, grünem Täfer und einem Barbereich im hinteren Teil, der wie die Küche eines alten Bauernhauses wirkt.

Büezer, Anwälte, Spinner

Lassen wir die eigentliche Küche noch beiseite, es gibt so vieles zu erzählen von diesem kleinen Restaurant. Zum Beispiel, dass Schmid und seine Gäste die Bierdeckel selber gestalten. Die Wände sind voller Bilder und Fotos, vieles Leihgaben von Gästen, die malen oder durch Flohmärkte und Brockenhäuser streifen – in der Hoffnung, einen vergessenen Rembrandt zu entdecken, wie Schmid sagt. Die Sammlung soll zum Markenzeichen werden.

Künstler und Flohmarktfreaks sind das eine, der Gästemix wird vervollständigt durch Büezer, Anwälte, Studenten, pensionierte Frauen, Musiker, Spinner. Das ist Schmids Aufzählung, und man spürt: Die Durchmischung ist ihm wichtig. Und sie ist nicht konzeptuelle Theorie, sondern sichtbare Realität. Dreimal besuchten wir das Lokal, jedes Mal dieselbe ausgewogene Friedlichkeit. Jeden ersten Freitag im Monat gibt's Abendunterhaltung, wie Schmid es nennt: Musik, zu der aber auch gegessen wird.

Essen wie bei Mama

Es ist eine Kneipe im besten Sinn dieses schönen deutschen Wortes. Die Karte enthält Suppen (5.– bis 9.–), Salate (6.– bis 16.50), Snacks (6.– bis 11.50) und einige einfache währschafte Hauptgerichte wie Cordon bleu mit Pommes frites (24.50) oder das 300grämmige Schweinssteak Perronnord mit Salat (23.50). Wir probieren Tagessuppe (5.–/9.–) und bunten Blattsalat (8.–), dann Bauernrösti mit Speck, Zwiebeln, Käse und Spiegelei (17.50) und Schweinsgeschnetzeltes mit Rösti (22.50): Ein schönes, ungekünsteltes, echtes Essen wie bei Freunden – oder als hätte die Mutter für ein unkompliziertes Familientreffen wieder einmal die alten Lieblingsklassiker gekocht. Am Mittag gibt's ein Menu (16.50), für grosse A-la-carte-Wünsche fehlt die Infrastruktur. Die Weinkarte enthält zehn Weine aus Europa, alle auch offen erhältlich und zu sehr fairen Preisen – wie etwa unser Malanser Pinot noir von Georg Fromm (47.–).

Unser Eindruck: Grossartige, friedliche Hinter-den-Gleisen-Ambiance, ehrliche Küche – eine schöne heile Kneipenwelt.

Perronnord, St. Gallen Jürg Schmid und Fredi Birrer, Rosenbergstr. 48, Tel. 071 220 11 30 Mail: perronnord@bluewin.ch Öffnungszeiten: Mo–Do 8.30–24.00, Fr/Sa 8.30–01.00; warme Küche 11.30–13.30 und 18.00–22.00 Karte: Mittagsmenu 16.50, Hauptspeisen 13.50 bis 24.50

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