Per Drive-In zu Coronamasken: So lief die Verteilung von Schutzmaterial an St.Galler Gewerbler

In diesen Tagen verteilt der regionale Führungsstab Schutzmasken an Gewerbler, die am Montag wieder öffnen. Ein Augenschein.

Janina Gehrig
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Maskenverteilaktion mit Drive-In: Die Gewerbler aus der Stadt können sich auch heute noch bis 16 Uhr mit Mundschutzmasken eindecken.

Maskenverteilaktion mit Drive-In: Die Gewerbler aus der Stadt können sich auch heute noch bis 16 Uhr mit Mundschutzmasken eindecken.

Bild: Nik Roth

Absperrbänder signalisieren, wo die Autokolonnen vor dem Pavillon halten müssen. Auf dem Tisch steht die Kasse mit dem Bargeld, die Liste mit den Bestellungen, Desinfektionsmittel. «Eines, das wenigstens nach Kirsch riecht», sagt Beda Bollhalder, Leiter Logistik Feuerwehr und Zivilschutz Stadt St.Gallen, scherzend. Schliesslich müsse man mit dem Besuch von Beizen ja weiterhin zuwarten. Auf der anderen Seite des Parkplatzes bei der Zivilschutzanlage Schönau in St.Gallen steht ein Transporter mit den Schutzmasken. Hygienemasken, wie sie die Chirurgen bei Operationen tragen. 75 Rappen das Stück.

200'000 Schutzmasken hat der Führungsstab für die Gewerbler beschafft, die am nächsten Montag aus dem Coronapandemie-Lockdown wieder aussteigen dürfen. Coiffeurgeschäfte, Massagepraxen, Tattoo-Studios, Kosmetiksalons. Es sind Masken, welche die Stadt St.Gallen im Zuge der Vogelgrippepandemie vor rund zehn Jahren angeschafft hatte. Am Mittwoch wurden rund 56'000 Stück an 191 Betriebe in den 16 Gemeinden zwischen Gaiserwald und Rheineck verkauft, am Donnerstag und Freitag können sich die städtischen Geschäfte mit Masken eindecken.

Der Ansturm ist kleiner als bei den Ärzten

«Die Masken zum Selbstkostenpreis sind eine Dienstleistung an die Betriebe. Die Rückmeldung ist sehr gut», sagt Felix Keller, Stabschef des Regionalen Führungsstabs St.Gallen-Bodensee. Sie hätten einen Drive-In installiert, um die Maskenausgabe durchs Autofenster möglichst auf Distanz abwickeln zu können.

Felix Keller.

Felix Keller.

Bild: Ralph Ribi

Doch der Andrang hält sich in Grenzen an diesem Donnerstagmorgen. «Es ist ruhiger als bei der Verteilung an die Hausärzte», sagt Bollhalder. Anfang März waren die rund 60 Ärztinnen und Ärzte gleichzeitig erschienen, um die Masken abzuholen, was zu längeren Wartezeiten und Kritik führte. Gestern kamen bis 11 Uhr 24 Personen. 73 Betriebe aus der Stadt hatten sich insgesamt angemeldet.

Die medizinische Masseurin, Annemaria Weber etwa hat sich zwei Pakete mit je 50 Masken bestellt. Noch schaue sie mit gemischten Gefühlen ihrem Arbeitsstart entgegen. «Mit Schutzmaske und Handschuhen zu massieren, wird seltsam sein», sagt sie. Zudem habe sie noch nicht sehr viele Termine vergeben können.

«Viele Leute haben noch Angst.»

In den vergangenen Wochen habe sie trotzdem genug zu tun gehabt. Die Praxis geputzt, aufgeräumt, die Steuererklärung gemacht. Annemaria Weber ist überzeugt, die Coronakrise hinterlasse auch positive Spuren.

«Es werden bessere Zeiten kommen. Die Leute werden mehr auf die Gesundheit achten, sich mit mehr Respekt begegnen.»

Darauf, dass sie endlich wieder öffne, freuten sich vor allem die Kunden, sagt Robert Frischknecht. Auch er holt zwei Mundschutz-Pakete ab – für seine Frau, eine Coiffeuse.

Kräutertherapie statt Schröpfen

Sehr froh um die Aktion ist auch Angela Crnjac, eine Naturheilpraktikerin aus St.Gallen. «Ich wusste nicht, woher ich die Masken besorgen sollte. Jetzt habe ich bestimmt die richtigen gekauft», sagt sie. Auch ihre Patienten, die wochenlang etwa auf Massagen und Schröpfen verzichten mussten, hätten sich erst spärlich wieder bei ihr angemeldet. Übers Telefon habe sie nur Kräutertherapien anbieten können. «Noch ein Monat länger und ich hätte meine Praxis schliessen müssen», sagt Crnjac. Sie sei froh, am Montag wieder öffnen zu können.

«Die Krise hat mir auch gezeigt, wie gerne ich arbeite.»

Es ist Mittag geworden. Der Hausabwart der Fachhochschule NTB gesellt sich zu den Zivilschützern. «Der Drive-In funktioniert nur, wenn es dazu eine Bratwurst gibt», witzelt er angesichts des dürftigen Andrangs.