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Pendler sollen Ostschweizer Zahnradbahnen retten

Drei Ostschweizer Zahnradbahnen sind gefährdet, jetzt reagiert die Politik. Ein besserer Fahrplan soll in Altstätten mehr Pendler auf die Gaiserbahn locken. Auch Rheineck hofft auf mehr Pendler für die Walzenhausenbahn. Das sei realistisch, weil die Strassen im Ort zunehmend überlastet seien.
Adrian Vögele
Die Altstätten-Gais-Bahn könnte dank besserer Anschlüsse auch für Pendler nach St.Gallen attraktiv werden, glaubt die CVP Rheintal. (Bild: Michel Canonica)

Die Altstätten-Gais-Bahn könnte dank besserer Anschlüsse auch für Pendler nach St.Gallen attraktiv werden, glaubt die CVP Rheintal. (Bild: Michel Canonica)

Ausgerechnet jetzt: Nach den üppigen Schneefällen der letzten Wochen ist die Altstätten-Gais-Bahn einmal mehr hoch im Kurs bei Schlittlern und Ausflüglern – und nun steht ihre Zukunft in Frage. Die Linie wird gemeinsam mit der Rorschach-Heiden-Bahn und der Walzenhausenbahn einer Prüfung unterzogen, zur Debatte steht auch die Umstellung auf Busse. Ende Juni wollen die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen die Studie vorlegen.

Schon jetzt ist klar: Die Zahnradbahnen werden nicht kampflos aufgegeben. «Ich habe schon diverse Mails von Bürgern bekommen deswegen», sagt der Altstätter Stadtrat und CVP-Kantonsrat Andreas Broger. Die Stadt verlangt, dass nebst der Wirtschaftlichkeit und den künftigen Investitionen weitere Kriterien berücksichtigt werden. Dazu gehöre eben, dass die Nachfrage nicht einfach schlecht sei, sondern stark schwanke. «Zudem wurde gerade in den vergangenen Jahren einiges in die Linie Altstätten-Gais investiert», sagt Broger. Beispielsweise wurden die Bahnübergänge erneuert.

Kritik an Aussage von Regierungsrat Damann

Der Rüthner CVP-Nationalrat Thomas Ammann erhält ebenfalls viele Reaktionen aus der Bevölkerung zum Thema. «Auch mich hat die Ankündigung der Kantone überrascht. Insbesondere nach den kürzlichen Sanierungen bei der Gaiserbahn.» Die Aussage des St.Galler Volkswirtschaftschefs Bruno Damann, der touristische Wert der drei Bahnen sei für Ausserrhoden höher als für St.Gallen, kommt im Rheintal schlecht an. «Auf die Gaiserbahn trifft das nicht zu, hier ist es umgekehrt», sagt Ammann. Nicht zu unterschätzen ist laut Stadtrat Broger auch der identitätsstiftende Wert der Gaiserbahn. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Stadt Altstätten finanziell beteiligt, um den Weiterbetrieb der Bahn zu ermöglichen.» Als nächstes will die CVP Rheintal nun zusätzliche Auskünfte von der Regierung – sie wird in der Februarsession des Kantonsrats einen Vorstoss einreichen. «Es geht darum, die Kosten der Zahnradbahnen in Relation zu setzen zu Investitionen des Kantons in anderen Bereichen», sagt Broger.

Knapp acht Kilometer: Die Altstätten-Gais-Bahn hat die längste Strecke der drei gefährdeten Zahnradbahnen. (Bild: Michel Canonica)

Knapp acht Kilometer: Die Altstätten-Gais-Bahn hat die längste Strecke der drei gefährdeten Zahnradbahnen. (Bild: Michel Canonica)

Auch in Ausserrhoden sind Politiker aktiv geworden: Die Heidener Kantonsräte Hannes Friedli (SP) und Werner Rüegg (CVP) verlangen, dass der Kanton Optionen zur Weiterführung der Zahnradbahnen sucht. Nebst dem touristischen Wert gehe es auch um Arbeitsplätze.

Gaiserbahn als Konkurrenz zur Rheintallinie?

Trotz allem: Die Passagierzahlen der Zahnradbahnen könnten besser sein. Das ist auch den Befürwortern klar. Die Hoffnung ruht darum auf den Pendlerinnen und Pendlern. Wären die Anschlüsse besser, könnte die Gaiserbahn auch für Pendler nach St.Gallen attraktiv werden, glaubt die CVP Rheintal. Hilfreich ist, dass der Bahnhof der Gaiserbahn mitten im Zentrum von Altstätten liegt – ganz im Gegensatz zum SBB-Bahnhof. Wer heute übers Appenzellerland nach St.Gallen will, ist eine Stunde und acht Minuten unterwegs, inklusive 16 Minuten Umsteigezeit in Gais. Liesse sich diese Wartezeit deutlich verkürzen, wäre die Fahrt ab Altstätten Stadt via Gais nach St.Gallen kürzer als mit Bus und S-Bahn via Rheintallinie. Mit der schnellsten Verbindung – 47 Minuten mit Bus und SBB-Interregio – könnte die Zahnradbahn aber nicht konkurrieren.

Rheineck hofft ebenfalls darauf, dass die Pendler das Zahnrad wieder schätzen lernen: Die Walzenhausenbahn werde als zuverlässiger Pendlerzug an Bedeutung gewinnen, schreibt der Stadtrat. Denn die Strassen im Ort seien zunehmend verstopft, Autos und Postautos aus dem Appenzeller Vorderland stünden oft länger im Stau.

Verhelfen genervte Autopendler der Walzenhausenbahn zum Aufschwung? Der Rheinecker Stadtrat hofft es. (Bild: Urs Bucher)

Verhelfen genervte Autopendler der Walzenhausenbahn zum Aufschwung? Der Rheinecker Stadtrat hofft es. (Bild: Urs Bucher)

Bahndirektor mahnt zur Vorsicht bei Vergleichen

Die Appenzeller Bahnen selber halten sich in der Diskussion zurück. Direktor Thomas Baumgartner betont, die Führung bei der Überprüfung der Zahnradbahnen liege bei den Kantonen. «Wir liefern Daten, Zahlen und Fakten – und sind offen gegenüber dem Ergebnis der Studie.» Allerdings setzt er hinter einzelne Aussagen ein Fragezeichen. Dass die Nachfrage bei allen drei Zahnradbahnen stetig abnehme, sei nicht ganz korrekt. «Die Bahnen sind starken witterungsbedingten Schwankungen unterworfen.» So habe die Rorschach-Heiden-Bahn beispielsweise ein sehr gutes Jahr hinter sich. «In der langfristigen Tendenz ist die Nachfrage aber rückläufig.»

Die Rorschach-Heiden-Bahn hat zahlenmässig ein gutes Jahr hinter sich – und wird nun trotzdem unter die Lupe genommen. (Bild: Urs Bucher)

Die Rorschach-Heiden-Bahn hat zahlenmässig ein gutes Jahr hinter sich – und wird nun trotzdem unter die Lupe genommen. (Bild: Urs Bucher)

Auch die Zahlen zu den Investitionen, die bis 2050 fällig werden könnten – 15 Millionen bei der Walzenhausenbahn, je 30 Millionen bei den anderen beiden Zahnradbahnen – seien im laufenden Verfahren vertieft abzuklären, sagt Baumgartner. Zudem rät er zur Vorsicht beim Vergleich von Zahlen. Im Ausserrhoder Regionalverkehrskonzept werden die drei Zahnradbahnen zwei anderen Linien gegenübergestellt: Die Buslinie Teufen-Speicherschwendi und die Bahnlinie St.Gallen-Gais-Appenzell hätten beide einen Kostendeckungsgrad von über 50 Prozent, heisst es im Konzept – die drei Zahnradbahnen hingegen nur etwa 30 Prozent. «Das sind jedoch sehr unterschiedliche Angebote», sagt Baumgartner. Der direkte Vergleich sei darum heikel.

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