Paul Schlegel tritt aus der Politik zurück

GRABS. Der St.Galler FDP-Nationalratskandidat Paul Schlegel, der wegen Missständen in seiner Firma in die Kritik geraten ist, tritt laut dem "Regionaljournal Ostschweiz" aus dem Kantonsrat zurück und steht für die Nationalratswahlen nicht mehr zur Verfügung.

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Als Kantonsratspräsident war Paul Schlegel zu Gast an der Olma - derzeit hat er wenig zu lachen. (Bild: Keystone)

Als Kantonsratspräsident war Paul Schlegel zu Gast an der Olma - derzeit hat er wenig zu lachen. (Bild: Keystone)

Ein Ausschuss der Parteileitung der St.Galler FDP hat am Donnerstagabend eine dringliche Aussprache mit Nationalratskandidat Paul Schlegel geführt. Dabei wurden die geäusserten Vorwürfe gegen das Parteimitglied diskutiert. Schlegel bestätigte die Ausstände und sagte in der Sendung "Regionaljournal Ostschweiz" vom Freitagabend, dass er aus dem Kantonsrat zurücktrete. Auch seine Kandidatur für den Nationalrat zieht Schlegel zurück. Des Weiteren verlässt er den Vorstand des Vereins "Expo 2027". "Ich habe schöne Jahre in der Politik erlebt, aber jetzt ist genug", sagt er.

In den vergangenen Zeit seien ihm ständig Unterstellungen gemacht worden, sagt Schlegel im Interview des "Regionaljournal Ostschweiz". "Ein Politiker muss einiges aushalten können, das bin ich mir auch gewohnt", doch nun sei genug. Das Ganze habe sich zu einer regelrechten Schlammschlacht entwickelt, die er als unberechtigt empfindet. Nach 18 Jahren Kantonsrat trete er nun zurück.

Die "Weltwoche" und das "Tagblatt" machten am Donnerstag angebliche Zahlungsausstände publik. Es sollen während der vergangenen Jahre 46 Betreibungen gegenüber Schlegels Unternehmensgruppe "Schlegel Group" angefallen sein. Sie sei laut "Weltwoche" permanent bei verschiedenen Gläubigern in der Kreide gestanden, die betreibungsrechtlichen Ausstände hätten zwischen Fr. 2525.75 und 46'209.85 betragen. Paul Schlegel hat daraufhin versichert - und dies beim Radiointerview erneut betont -, dass heute sämtliche finanziellen Forderungen beglichen seien.

Der FDP-Ausschuss kritisierte die Zahlungsmoral, die im Unternehmen des 50-Jährigen geherrscht hat. "Gesetzliche Ansprüche der Angestellten sind pünktlich und vorbehaltlos zu zahlen", so der Wortlaut im Communiqué vom Freitagmorgen. Der Ausschuss forderte Schlegel des weiteren auf, in seinem Unternehmen für Ordnung zu sorgen sowie noch offene Fragen zu beantworten. "Die Partei zeigt Paul Schlegel im Sinne einer Ermahnung für sein unternehmerisches Verhalten die <gelbe Karte> und erwartet von ihm volle Transparenz."

Die FDP entschied, unter Berücksichtigung aller Fakten in der nächsten Woche nochmals über die Sachlage zu beraten und dann allfällige Massnahmen vorzusehen. Dem kam Schlegel nun mit seinem Rücktritt zuvor.

Wie die FDP des Kantons St.Gallen am Freitagabend mitteilt, begrüsst sie den Entscheid von Schlegel. "Angesichts der Vorwürfe erhält Paul Schlegel so die Möglichkeit, sich und sein Umfeld in angemessener Weise zu schützen", heisst es. Schlegel sass seit 1998 für die FDP im Kantonsrat. (jar)