Patric Scott ist der Star hinter der Knie-Manege: «Ich tanze auf verschiedenen Hochzeiten»

Sänger, Schauspieler, Liedermacher. Patric Scott aus Gams spielt bei den Grossen mit. Und bleibt dabei gerne im Hintergrund. Seine Erfolge hängt der Künstler aus dem Rheintal nicht an die grosse Glocke.

Desirée Müller
Hören
Drucken
Teilen
Der Rheintaler Sänger unterhält jeweils an Silvester die Gäste der Silvestergala im elterlichen Schloss Sargans.

Der Rheintaler Sänger unterhält jeweils an Silvester die Gäste der Silvestergala im elterlichen Schloss Sargans.

(Bild: Lisa Jenny)

Als Patric Scott während des Studiums bereits erfolgreich als Musicalstar in Berlin arbeitete und einen ordentlichen Batzen verdiente, wurde der damals 18-jährige Rheintaler während der Ferien zum Putzdienst nach Hause beordert. Und zwar ins elterlichen Schloss Sargans. Die Geschichte kommt ihm immer in den Sinn, wenn er wie so oft am Stammtisch des Schlossrestaurants sitzt. Vor ihm ein Kaffee, das Feuer im Ofen knistert. Er legt seine Brille ab und atmet durch. Patric Scott kommt direkt vom Flughafen zum Interview. «Gestern hatte ich ein Konzert in Frankfurt», sagt er und fährt sich durch die Haare. «Ich wurde streng erzogen. Und dafür bin ich meinen Eltern heute dankbar», sagt der 33-jährige Künstler und kommt so auf seinen ungeliebten Ferienjob zurück.

Plötzlich in der grossen Stadt

In der zweiten Oberstufe wollte sich Scott für einen Ausbildungsplatz an der renommierten Stage School in Hamburg bewerben. «Eigentlich werden nur Schüler zugelassen, die bereits eine Grundausbildung absolviert haben. Und natürlich die Aufnahmeprüfung bestehen.» Er wollte trotzdem sein Glück versuchen und meldete sich an. Der Rheintaler überzeugte und wurde als jüngster Schüler an der Akademie aufgenommen.

«Meine Mitschüler waren um die zwanzig Jahre alt. Und ich war ein vierzehnjähriger Bub aus Gams, total grün hinter den Ohren.»

Den Gesprächen seiner neuen Kollegen konnte er oft nicht folgen. «Sie sprachen über Literatur und Autoren von Klassikern oder Komponisten, von denen ich noch nie gehört hatte. Das erste Jahr war die Hölle.»

Auch seine Eltern hatten mit der Situation zu kämpfen. Er sagt: «Sie wurden von ihrem Umfeld als schlechte Eltern beschimpft, weil sie ihren Bub alleine nach Hamburg schickten. Das werde sowieso nichts mit meinem Berufswunsch, Künstler zu werden.» Sogar Drohbriefe und wüste Anrufe bekamen sie. «Während der ganzen Ausbildung waren aber entweder meine Eltern oder meine ältere Schwester bei mir. Das war der Deal mit der Schule.»

Die Schwarzmalerei der Zweifler trat nicht ein. Das Gegenteil passierte: Schon während der Ausbildung erhielt Scott die Hauptrolle im Musical «Tanz der Vampire» im Theater des Westens in Berlin. Damals waren Musicaldarsteller gut bezahlt. Davon zahlte er sich aber nur einen kleinen Lohn aus und sparte den Rest. Das war erneut die Idee seiner Eltern. «Heute bin ich froh darum.» Das Showbusiness sei nämlich kein sicherer Beruf und Vorsorge umso wichtiger.

Von der Bühne in die Manege

Patric Scott posiert in Sargans.

Patric Scott posiert in Sargans.

(Bild: Lisa Jenny)

Der Lebenslauf von Patric Scott wäre Inhalt genug für ein ganzes Buch. Wenn er Geschichten aus seinem Alltag erzählt, könnte man stundenlang zuhören. Scott tanzt wahrlich auf vielen Hochzeiten.

«Mir wird immer wieder gesagt, dass ich mich doch endlich für eine Richtung entscheiden soll. Aber warum sollte ich das tun?»

Sowohl als Musicalstar als auch als Solo-Künstler und Schauspieler ist er erfolgreich. 2005 stand Scott bei der Weltpremiere des Musicals Heidi als Peter auf der Walensee-Bühne. Später wagte er den Schritt in die Manege und war vier Jahre hintereinander der Sänger des Zirkus Salto Natale, der von Christa Rigozzi moderiert wurde. Scott schrieb dazu während drei Jahren die Musik für das Musical des Circus Knie, trifft bei Castings auf Grössen wie Hape Kerkeling und war lange Zeit Synchronsprecher für die australische Drama-TV-Serie «McLeods Töchter». Auch war er oft in Soaps wie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» zu sehen.

«Manchmal muss man auch einfach seine Chancen nutzen», sagt er und erzählt, dass er dieses Jahr nach Los Angeles reiste, um der erfolgreichsten A-cappella-Band der Welt, Naturally 7, einen Song vorzuspielen, den er unaufgefordert für sie geschrieben hatte. «Der Leadsänger hörte sich den Song in einer Hotellobby regungslos an. Ich wurde fast ohnmächtig, so nervös war ich. Er nahm die Stöpsel aus den Ohren und sagte, dass ihm der Song gefällt und er ihn gemeinsam mit mir aufnehmen will.» Mehr als eine Absage hätte er nicht bekommen können, sagt Scott. Sonst hält er sich gerne im Hintergrund.

«Ich bin auch sehr zurückhaltend mit Presseinterviews. Man muss nicht über jeden meiner Schritte Bescheid wissen.»

Doch für eine Sache möchte er Werbung machen: Am 10. Januar gibt Scott ein Charity Konzert für die Ronald-McDonald-Stiftung im St.Galler Pfalzkeller. Er spendet regelmässig die Eintritte seiner Konzerte an gemeinnützige Organisationen. Damit hausieren geht er nicht. «Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, nicht für die Medienpräsenz.»

Zurück in Gams

Seit vier Jahren wohnt er wieder im Elternhaus in Gams. Sein Vater erkrankte und er kam zurück in die Heimat, um die Familie zu unterstützen. Im Keller hat sich der Musiker ein kleines Tonstudio eingerichtet. Er schaue sich aber langsam für ein Eigenheim um. Darin eine Familie zu gründen, ist kein Thema für ihn. «Ich wüsste nicht, wie ich einer Familie gerecht werden könnte.» An Angeboten mangle es aber nicht. Regelmässig erhält er Nachrichten über Facebook. «Von 17-jährigen Mädchen bis zu verheirateten Frauen», erzählt er etwas verlegen. Egal ob Teenieschwarm oder Traumschwiegersohn – Patric Scott scheint irgendwie, bei allen gut anzukommen.