Passive Mutter zu Recht bestraft

Die Thurgauer Justiz hat eine Mutter von zwei Töchtern zu Recht verurteilt, weil sie sexuelle Handlungen ihres Partners mit den Mädchen duldete, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Urs-Peter Inderbitzin
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Das Thurgauer Obergericht verurteilte im Mai vergangenen Jahres in zweiter Instanz einen Monteur wegen mehrfacher sexueller Nötigung von Kindern und mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern zu einer dreijährigen teilbedingten Freiheitsstrafe. Das Gericht warf ihm vor, die Kinder seiner Lebenspartnerin sexuell missbraucht zu haben.

Auch gegen die Mutter der beiden Mädchen lief ein Strafverfahren. Ihr warf das Obergericht vor, die Beziehung einer ihrer noch im Schutzalter stehenden Töchter mit einem älteren Mann sowie die Übergriffe ihres Lebenspartners auf die Töchter geduldet zu haben.

Urteil teilweise akzeptiert

Die Mutter erhielt wegen Gehilfenschaft zu mehrfachen sexuellen Nötigungen und Handlungen mit Kindern durch Unterlassen eine bedingte fünfzehnmonatige Freiheitsstrafe sowie eine Busse von 600 Franken.

Während die Mutter die Verurteilung im Zusammenhang mit der Beziehung ihrer minderjährigen Tochter mit dem älteren, im gleichen Haushalt lebenden Mann akzeptierte, wehrte sie sich gegen die Verurteilung wegen der sexuellen Übergriffe ihres Lebenspartners auf ihre beiden Töchter. Das Bundesgericht hat die Beschwerde der Mutter nun abgewiesen und die Verurteilung auch in diesem Punkt bestätigt. Laut dem Urteil hatte die Mutter eine Garantenpflicht für ihre Töchter inne. «Indem sie die sexuellen Übergriffe weder verhinderte noch ihnen nachging, blieb sie pflichtwidrig untätig.»

«Strafbares Unterlassen»

Die Mutter habe die Übergriffe teilweise selbst beobachtet, zudem habe die Tochter gegenüber der Mutter Vorwürfe erhoben. Auch eine Drittperson habe sie nachdrücklich gewarnt. Die Mutter, so das Fazit des Bundesgerichts, habe die sexuellen Übergriffe in Kauf genommen und sei den Vorwürfen nicht nachgegangen, weil ihr der Lebenspartner wichtiger gewesen sei. Ein solches Verhalten stellt ein strafbares Unterlassen dar. Auch die Höhe der Strafe – eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten – sei nicht «unangemessen hart».

Urteil 6B_489/2012