Partisan Kessler gewinnt Schlacht

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Erwin Kessler ist zurück im Scheinwerferlicht – und erst noch als Gewinner. Der Tierskandal in Hefenhofen hat dem bekann­testen und umstrittensten Tierschützer der Schweiz jene Aufmerksamkeit beschert, die ihm früher im Kampf gegen Schweine- und Hühnerfabriken gewiss war. Weil sein Verein gegen Tierfabriken (VgT) immer sektiererischer wurde und Kessler in seinem ­Furor permanent Gerichte bemühte («Ich klage sofort»), aber selber in den Dunstkreis rechtsextremer Kreise geriet, verlor er viele Sympathien und wurde von den Medien gemieden. «Man hat mich verleumdet und ausgegrenzt», sagte er 2014 in einem Interview zum 70. Geburtstag. «Heute versucht man, mich totzuschweigen.» Wie Partisanen im Krieg müssten die VgT-Aktiven kämpfen, glaubt Kessler. Umso mehr Genugtuung dürfte ihm die nun gewonnene Schlacht gegen den Thurgauer Tierhalter bereiten. Und das in seinem Wohnkanton, den er eine «Bananen­republik» schimpft. Wegen dessen Amtsträger wie «Schönredner» Schönholzer und «Schönschläfer» Witzig; letzteren, den Kantonstierarzt, hat er wegen Amtspflichtverletzung verklagt. Mehr als zehn Jahre lang hatte Kessler die Hefenhofener Missstände angeprangert, nun kamen ihm die Schockbilder zupass. Seither ist der VgT rund um die Uhr auf Trab: «Wir haben einen Tsunami ausgelöst, der nun gewaltig hereinbricht.» Ruhe geben wird der streitbare Tierschützer – von den einen verehrt als Guru und Held à la Tell, von den andern gehasst als Despot und Spinner – nicht. «Ich habe vor, hundert Jahre alt zu werden», meint der Kampfsportler und Veganer. Und zieht weiter in den Krieg gegen Tierquäler und «schlampige» Be­hörden. (mel)