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Nazi-Vergleich und gesunder Rassismus: So provozierte Thomas Müller, «Sonnenkönig von Rorschach» und baldiger Ex-Stadtpräsident

Bis Ende 2019 bleibt Thomas Müller - einer der streitbarsten Politiker der Ostschweiz - Stadtpräsident von Rorschach. Dann tritt er zurück. Als Nationalrat will er weiterhin für die SVP politisieren. Wir haben einige Stationen und Ereignisse nachgezeichnet, mit denen Müller Schlagzeilen schrieb.
Christa Kamm-Sager

Der Präsident der Meistersaison

7. Juni 2000: Der FC St.Gallen wird im Jahr 2000 Schweizer Meister - das erste Mal seit 96 Jahren. Präsident des FCSG dannzumal: Thomas Müller.

Präsident Thomas Müller (links) und Trainer Marcel Koller mit dem Meisterpokal in der Hand. (Bild. Keystone/Walter Bieri)

Präsident Thomas Müller (links) und Trainer Marcel Koller mit dem Meisterpokal in der Hand. (Bild. Keystone/Walter Bieri)

Die Nazis mit den Ledermänteln

März 2009: Müller vergleicht den deutschen Finanzminister Peer Steinbrück mit «den Nazis, die in Ledermantel und Stiefeln durch die Gassen gegangen sind.» Seit Monaten hatte sich Steinbrück auf die Schweiz als Zufluchtsort für Steuerflüchtlinge eingeschossen. Der deutsche Minister liess sich schliesslich zur Äusserung hinreissen, dass die von der OECD erarbeitete schwarze Liste mit Steueroasen die siebte Kavallerie vor Yuma sei, die man auch ausreiten lassen könne. «Sie muss aber nicht unbedingt ausreiten: Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt.

Müller schaffte es mit seiner Äusserung auch in Deutschland in die Schlagzeilen. Darauf sagte Thomas Müller: «Steinbrück provoziert laufend, da muss er auch einstecken können. Ich habe unzählige positive Reaktionen bekommen - auch aus meinem Freundeskreis in Deutschland. Steinbrücks Auftreten wird dort gar nicht geschätzt.»

Von der CVP zur SVP

Januar 2011: Noch im September 2009 sagte Müller, dass er noch nie an einen Parteiwechsel zur SVP gedacht habe. Doch etwas mehr als ein Jahr später endete seine Zugehörigkeit zu den Christdemokraten. Fast über Nacht wechselte das langjährige CVP-Mitglied die Partei. Fortan gehörte der von einer Boulevardzeitung auch schon als «Sonnenkönig von Rorschach» bezeichnete Stadtpräsident der SVP an. Diese Entscheidung überraschte nicht wirklich - trotzdem brüskierte Müller die CVP mit seinem «unangekündigten und stillosen Wechsel». Als Grund gab Müller an, die CVP habe aufgehört, sich gegenüber dem Ausland zu wehren, Stattdessen kümmere man sich um Bagatellen der Gesetzgebung. Bei der SVP müsse er seine Politik nicht ändern, sie biete ihm ein Umfeld, das ihm gefalle.

Rorschach kehrt der Skos den Rücken

April 2013: Der Austritt Rorschachs aus der Konferenz für Sozialhilfe (Skos) löst eine nationale Diskussion aus. Wie der Rorschacher Stadtpräsident und SVP-Nationalrat Thomas Müller damals sagte, vertrete die Skos einzig die Interessen von Sozialhilfeempfängern. Auslöser für Müllers Entscheid war ein Urteil des Bundesgerichts, wonach die Aargauer Gemeinde Berikon einem damals 22-jährigen Mann zu Unrecht die Sozialhilfe strich, weil er jegliche Kooperation verweigert hatte. Das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht hatte laut Müller aber eine Aussage von Skos-Präsident Walter Schmid im Nachgang des Bundesgerichtsentscheides, dass man nicht zwischen braven und renitenten Sozialhilfeempfängern unterscheiden dürfe.

Müller und Cozzio im Clinch

August 2014: Thomas Müller legte sich mit dem St.Galler Stadtrat Nino Cozzio (CVP) an. Dieser wolle bei der Sozialhilfe gar nichts ändern, sondern bloss sicherstellen, dass es alle gleich schlecht machten. Forderungen der SVP nach massiven Kürzungen bei der Sozialhilfe hatte Cozzio abgelehnt. Es brauche keinen Aktionismus. Es sei zudem billig, wenn Müller nun alle Gemeindepräsidenten als naive Abnicker darstelle. Cozzio forderte, die Empfehlungen der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe als verbindlich zu erklären, damit im ganzen Kanton die gleichen Regeln gelten würden. Bei der heutigen Regelung befürchtete er, dass eine Wanderbewegung von Sozialhilfebezügern einsetzen würde. Diese Angst teilte Thomas Müller nicht. In seinen Augen hatten die Skos-Richtlinien nicht mehr die Bekämpfung von Armut zum Ziel, sondern eine Art materieller Gleichheit. Auch das am wenigsten wohlhabende Zehntel der Schweizer Gesellschaft habe nicht nur Zugang zu Obdach, Nahrungsmitteln und Kleidung, sondern verfüge auch über Autos, Flachbild-Fernseher und iPhone, meinte er.

Streit zwischen Rorschach und St.Gallen wegen Sozialhilfe

Februar 2015: Der Streit zwischen St.Gallen und Rorschach rund um eine Sozialhilfeempfängerin spitzte sich zu. Die Städte warfen sich gegenseitig falsches Verhalten vor. Der Grund: Eine Sozialhilfebezügerin aus St.Gallen wollte sich 2012 in Rorschach anmelden. Doch ihr Versuch scheiterte. Angeblich soll Stadtpräsident Thomas Müller persönlich ihre Anmeldung verhindert haben.

«Gesunder Rassismus»

September 2017: Mit einer Äusserung im Sommerinterview setzte sich Müller in ein Fettnäpfchen: «Die Brasilianer sind gesunde Rassisten. Die bringen es auf den Punkt, wenn sie jemanden nicht haben wollen. Die sind nicht so kniefällig gegenüber dem Ausland und fremden Kulturen wie die Schweizer, sondern haben als Land ein gewisses Selbstbewusstsein.» Im gleichen Interview sagte Müller: «Ich respektiere die Religionsfreiheit. Aber der Islam hat in der Schweiz nichts verloren. Punkt.»

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