Parlament verabschiedet Martin Gehrer und Willi Haag

ST. GALLEN. «So still war es hier sonst nie – nicht einmal bei der Beratung der wichtigsten Geschäfte», stellte der St. Galler Finanzchef Martin Gehrer (CVP) schmunzelnd fest, als er sich gestern am späten Nachmittag ans Parlament wandte.

Adrian Vögele
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ST. GALLEN. «So still war es hier sonst nie – nicht einmal bei der Beratung der wichtigsten Geschäfte», stellte der St. Galler Finanzchef Martin Gehrer (CVP) schmunzelnd fest, als er sich gestern am späten Nachmittag ans Parlament wandte. Der Abschied nach achteinhalb Jahren als Staatssekretär und acht Jahren als Regierungsrat sei ein «bewegender Moment». Ratspräsident Markus Straub hob in seiner Würdigung die Leistungen Gehrers hervor: Dieser habe es verstanden, als Finanzchef Kompromisse zu schmieden und Mehrheiten zu finden, etwa in den Spardebatten. Er habe aber auch Kampfwille gezeigt, wie es seinem sportlichen Naturell als Velofahrer und Handballer entspreche.

«Der Kanton als Ganzes zählt»

Gehrer betonte, dass er die Rolle des Vermittlers sehr geschätzt habe. Es sei wichtig, dass Parlament und Regierung nicht gegeneinander arbeiten. «Nicht das Gewicht einzelner Staatsorgane zählt, sondern die Stärke des Kantons als Ganzes.» Und mit Blick auf den interkantonalen Finanzausgleich sagte er schalkhaft: «Möge St. Gallen vom Nehmer zum Geber werden.»

Willi Haag (FDP) hat dem Regierungsrat 16 Jahre angehört; zuvor war er während vier Jahren Mitglied des Kantonsrats. In seiner Abschiedsrede erinnerte er sich an seine erste Session als Neuling im Parlament. «Mein Sitznachbar riet mir, wenn der Finanzchef zu seinem Votum ansetze, könne ich getrost ins Ratsstübli hinüberwechseln und eine Pause einlegen.» Die Zuhörer im Saal quittierten die Episode mit einem Lachen, allen voran Martin Gehrer.

«Fingerspitzengefühl gezeigt»

Markus Straub hielt fest, Haag habe als Bauchef auch in schwierigen Lagen viel Fingerspitzengefühl bewiesen – beispielsweise bei der Revision des Baugesetzes, einem eigentlichen «Hochseilakt». Haag sagte, er habe seine Arbeit als Bauchef geliebt. Er gab allerdings auch zu bedenken, dass der politische Betrieb zwar möglicherweise etwas langweiliger, dafür aber effizienter würde, wenn auf unnötige Wortgefechte und taktische Manöver verzichtet würde.

Haag und Gehrer bedankten sich bei ihren Familien für die Unterstützung und beim Rat, der Regierung, den Parteien und den Kantonsangestellten für die Zusammenarbeit. Beide erhielten lang anhaltenden Applaus.

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