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Kolumne

Papa-Blog: So müde, dass die Knochen schmerzen

Hat man Kinder, haben schlaflose Nächte nichts mehr mit Party zu tun. Doch auch Müdigkeit kann man feiern. Ein Versuch.
Adrian Lemmenmeier
(Bild: Keystone)

(Bild: Keystone)

«Schlafen kannst du, wenn du tot bist!» Kaum ein Spruch ist so verkehrt wie dieser. Denn im Gegensatz zu manch anderer Stammtischweisheit hat er nicht im Ansatz einen wahren Kern. Wer tot ist, ist tot. Und wer schläft, ist es eben nicht. Punkt. Durchaus Parallelen mit dem Tod hat allerdings die Schlaflosigkeit junger Eltern. Denn genau wie der Tod ist sie unvermeidlich. Und obwohl wir wissen, dass es irgendwann soweit ist, sind wir überfordert, wenn der Moment eintritt.

Kürzlich war unsere neun Monate alte Tochter zehn Tage krank. Weil ihr Näslein verstopft war, atmete sie nachts sehr laut – und wachte jede halbe Stunde auf und beschwerte sich mit einem herzzerreissenden Wimmern über die leidige Situation. Nasentropfen und aufgeschnittene Zwiebeln über dem Kinderbett halfen nichts. Die einzige Medizin: Jedes Mal aufstehen, die Kleine herumtragen, ihr gut zureden und wieder auf eine möglichst lange Ruhephase hoffen.

Nach fünf solcher Nächte war ich bedient. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in meinem vorväterlichen Leben jemals so müde war. So müde, dass die Knochen schmerzten. So müde, dass es mir egal war, wenn ich auf dem Velo von joggenden Rentnern überholt wurde. So müde, dass ich an einer Sitzung erst an der Reaktion einer Kollegin erkannte, dass ich gerade etwas gesagt hatte. So müde, dass ich bei Sonnenschein die Scheibenwischer einschaltete, um Sekundenschlaf abzuwenden.

Gleichwohl ist die väterliche Übermüdung etwas Feines. Denn sie wirkt wie ein Filter, der nur das wirklich Notwendige durchlässt. Wer richtig müde ist, hat gar nicht die Kraft, sich mit Nebensächlichkeiten aufzuhalten. Deshalb muss man sich beispielsweise auch nicht gegen Störgeräusche im Büro abschotten. Hat doch der Körper die Wahrnehmung solcher Nichtigkeiten längst weggespart.

Ausserdem lernt man, dass sich das Leben auch mit sehr wenig Schlaf irgendwie meistern lässt. Diese Erkenntnis ist wertvoll, nicht zuletzt im Hinblick auf spätere Phasen der Schlaflosigkeit (und im Hinblick auf Partys). Statistisch gesehen ist es jedenfalls wahrscheinlich, dass die zähen Nächte in einer späteren Lebensphase zurückkommen. Klagen doch 50 Prozent der Schweizer Rentner über chronisch schlechten Schlaf. Wer diese Misere des Alters schon in seinen besten Jahren probt, dürfte dereinst entspannter damit umgehen.

Der Autor

Adrian Lemmenmeier ist seit neun Monaten Vater einer Tochter. Er wohnt mit seiner Familie in St.Gallen.

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