«Panik ist sicher nicht angebracht»: Die Ostschweizer Nationalrätinnen Verena Herzog (SVP) und Barbara Gysi (SP) über die momentane Lage der Pandemie

Die Fallzahlen steigen, einige Kantone verschärfen die Massnahmen. Die St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi und die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog diskutieren in der TVO-Sendung «Zur Sache» über mögliche Verschärfungen und die Rolle von Coronaskeptikern.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
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Barbara Gysi (links) und Verena Herzog stellten sich in der in der TVO-Sendung «Zur Sache» den Fragen von Moderator Stefan Schmid.

Barbara Gysi (links) und Verena Herzog stellten sich in der in der TVO-Sendung «Zur Sache» den Fragen von Moderator Stefan Schmid.

Bild: Tobias Garcia

Sprunghaft ist die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus in den letzten Tagen nach oben geschnellt. Am Mittwoch meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 1077 neue Fälle. Ähnlich hohe Zahlen wurden das letzte Mal im April mitgeteilt. Und auch in der Ostschweiz zeigt die Kurve weiter nach oben.

Die Kantone St.Gallen und Thurgau vermeldeten für den Mittwoch Höchstzahlen. In St.Gallen wurden 73 neue Fälle bestätigt; im Thurgau waren es 21. Demgegenüber ist die Auslastung der Spitäler nach wie vor gering. 12 Personen müssen im Kanton St.Gallen derzeit wegen des Coronavirus in Spitälern gepflegt werden, sechs sind es im Thurgau.

Wenn das so weitergehe, würden früher oder später wohl auch in der Ostschweiz weitere Massnahmen eingeführt, sagte die St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi in der TVO-Sendung «Zur Sache». Die Kantone Bern und Zug haben am Mittwoch eine Maskenpflicht in Geschäften eingeführt, wie sie bereits andere Kantone kennen. Die Ostschweizer Kantone halten eine solche Massnahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht für angezeigt.

Eine Maske zu tragen, sei jedoch eine sehr kleine Einschränkung, verglichen damit, was man dadurch bewirken könne, sagte die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog – einige der wenigen Exponenten ihrer Partei, die während der Session eine Maske trugen. Dass derzeit trotz Coronaherbst Grossveranstaltungen mit Schutzkonzepten durchgeführt werden, hielten beide Politikerinnen für vertretbar.

Überhaupt waren sich die Nationalrätinnen, die an entgegengesetzten Enden des Parteienspektrums politisieren, in vielen Fragen einig. Panik sei wegen der steigenden Zahlen sicher nicht angebracht, sagte Gysi – und appellierte an die Eigenverantwortung «Wir sind an einem Punkt, wo sich jeder selber an der Nase nehmen muss.» Das klare Ziel aller sei es, einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Die kumulierten Fallzahlen in den Ostschweizer Kantonen

Moderator Stefan Schmid warf die Frage auf, wie gefährlich das Virus denn tatsächlich sei, schliesslich verzeichne man derzeit im Vergleich zum Frühling wenige Hospitalisationen und wenige Todesfälle. Gysi warnte davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen, nur weil man in der Schweiz über ein gutes Gesundheitssystem verfüge. Ausserdem könne die Anzahl Personen im Spital jederzeit wieder steigen.

«Es wird auch viel Mist verbreitet»

Verena Herzog konstatierte eine gewisse Coronamüdigkeit in der Bevölkerung, die sie auch in der Ostschweiz feststelle – nicht zuletzt angestachelt durch Demonstrationen von Corona-Skeptikern, wie man sie zuletzt in Konstanz gesehen habe. Es sei sicher wichtig, dass die Leute kritisch seien und ihr Recht zu demonstrieren wahrnehmen würden.

Aber in den sozialen Medien würde eben auch «viel Mist» verbreitet. «Mich stört es, wenn sich Demonstranten nicht an Schutzmassnahmen halten», sagte Herzog. Und Gysi betonte, es sei wichtig, mit Leuten, die die Pandemie als harmlos darstellten, zu diskutieren. Aber ihren eigenen Quellen zufolge sei das Coronavirus eben nicht harmlos, sondern hochansteckend. Auch wisse nach wie vor zu wenig über die Langzeitwirkungen von Covid-19.

Einig waren sich die beiden Politikerinnen auch in Bezug auf die Frage einer Impfung. Es sei wichtig, dass ein möglicher Impfstoff seriös geprüft werde und man keine Schnellschüsse abgebe. Aber eine Impfung sei nur eine von vielen Waffen im Kampf gegen die Pandemie. Ebenso wichtig seien die Forschung an Medikamenten und der weitere Fokus auf Distanz- und Hygienemassnahmen, die so banal wie effektiv seien.

Wegen privaten Veranstaltungen: Im Thurgau steigen die Zahlen

Am Mittwoch meldete der Kanton Thurgau 21 Covid-19-Neuinfektionen. So viele gab es erst einmal, am 19. April. Gemäss Mediensprecherin Miriam Hetzel handelt es sich um eine Kumulation von Einzelereignissen der Kategorie «private Veranstaltungen». Von den 21 Neuinfektionen hätten sich 10 Personen bereits in Quarantäne befunden, weil sie Kontaktpersonen von positiv getesteten Personen gewesen seien. Keine der Neuinfektionen gehe nach gegenwärtigem Wissensstand auf die Chlööpf-dii-wäg-Party in Friltschen zurück. In Isolation befinden sich jetzt 77 infizierte Personen. Im Spital gepflegt werden 6, davon 2 intensiv. (wu)

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