Pandemie
Im Kanton St.Gallen steigen die Coronazahlen stärker an als in anderen Kantonen – doch der Grund ist unklar

Seit rund einer Woche steigt die Zahl der neuen Coronafälle in der Schweiz wieder an. Insbesondere in der Ostschweiz werden derzeit viele Neu-Infektionen registriert. Macht sich die Olma bemerkbar? Eine Nachfrage beim St.Galler Gesundheitsdepartement.

FM1Today
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Eine Frau macht einen Coronavirus Antigen-Selbsttest mit Nasenabstrich bei sich zu Hause.

Eine Frau macht einen Coronavirus Antigen-Selbsttest mit Nasenabstrich bei sich zu Hause.

Bild: Gaetan Bally, Keystone

«Das Infektionsgeschehen ist derzeit in der Zentral- und Ostschweiz am grössten», sagte Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag vor den Medien. Ein Blick auf die Zahlen des Kantons St.Gallen bestätigen dies. Seit einer Woche gibt es einen massiven Anstieg der Neuinfektionen. Wie konnte das geschehen?

«Der Bund hat mitgeteilt, dass mit einer Zunahme zu rechnen ist, da die Herbstferien enden und sich Personen bei dem zunehmend kühlen Wetter wieder häufiger in Innenräumen aufhalten», antwortet das St.Galler Gesundheitsdepartement schriftlich auf Anfrage des Newsportals «FM1Today». Auf die Frage, wieso gerade St.Gallen einen höheren Anstieg als andere Kantone verzeichnet, gibt es keine Antwort.

Ansteckende Getestete?

Nebst dem Wetter und dem Ferienende wäre die Olma und der damit verbundene Jahrmarkt eine mögliche Erklärung. Allerdings konnte man grosse Teile der Veranstaltung nur mit Zertifikat besuchen.

Dass es auch in solchen Fällen zu Ansteckungen kommen kann, ist angesichts der nicht sehr verlässlichen Antigen-Schnelltests – wie es sie vor dem Olma-Gelände gab – nicht auszuschliessen. So sagte zum Beispiel die Berner Gesundheitsdirektion, dass die Zuverlässigkeit dieser Tests bei Personen ohne Symptome und mit geringer Virenlast nur zwischen 10 und 20 Prozent betrage. Auch aus diesem Grund plant der Bund, für solche Tests keine Zertifikate mehr auszustellen.

Doch die Olma ist dem Kanton St.Gallen nicht als Hotspot bekannt. Er teilt nur mit: «Eine Zuordnung der Ansteckungsorte ist schwierig.» Und das Gesundheitsdepartement verweist nochmals auf das «kühlere Wetter».

Schlechte Impfquote in der Ostschweiz

Klar ist: In Regionen mit einer besseren Impfquote steigen auch die Zahlen weniger stark an, was wiederum die Spitäler entlastet und einer weiteren Öffnung des alltäglichen Lebens entgegenkommt.

Dass die Impfung einen direkten Einfluss auf die Spitalauslastung hat, zeigen provisorische Daten des BAG. Die Wahrscheinlichkeit, wegen einer Covid-Infektion ins Spital eingewiesen zu werden, ist bei Ungeimpften rund drei Mal höher als bei Geimpften. Diese Wahrscheinlichkeit steigt massiv an bei Personen zwischen 40 und 70 Jahren, dort ist sie fast 40 Mal höher.

Im schweizweiten Vergleich steht die Ostschweiz bei der Impfrate besonders schlecht da:

Das St.Galler Gesundheitsdepartement führt das auf «die Impfskepsis in ländlichen Gebieten» zurück: «Das erklärt die Zahlen des Kantons St.Gallen.» Um dieser Abneigung entgegenzuwirken, seien mehrere Dinge geplant. Unter anderem gebe es «lokale mobile Impfaktionen in Zusammenarbeit mit Firmen, Gemeinden, Fachstellen, Ärzteschaft und Apotheken». «Diese bewerben die Impfaktionen in ihren Regionen, um mehr Personen zu erreichen», heisst es.

Hoffen auf die Impfoffensive

Weiter gebe es regelmässig neue Videos auf der St.Galler Impfplattform: «Zum Beispiel mit Antworten zum Impfstoff, Schwangerschaft, Grippeimpfung und Covid-19, Langzeitwirkungen der Impfung sowie weiteren Themen.» Auch hoffe man auf die Impfoffensive mit der Impfwoche des Bundes und der Kantone vom 8. bis 14. November.

Ob sich jedoch Personen, welche die Impfung ablehnen, wirklich mit Videos auf einer Impfplattform oder einem Flyer der Apotheke überzeugen lassen, ist wohl zu bezweifeln. Dann schon eher über so niederschwellige Impfaktionen bei Firmen oder sogar über Vereine. Dass man dort Leute erreicht, bestätigte vor rund zwei Wochen auch der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann gegenüber FM1Today: «Bei Jansen in Oberriet hatten wir 400 Leute, die eine Impfung bekamen. Bei Bühler in Uzwil waren es über 500 Leute und bei der SFS in Heerbrugg sind auch etwa 500 Personen gekommen.»

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