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Pädophiler: "Ich bekomme Morddrohungen"

MURG. Vergangene Woche wurde der Kirchenverwaltungsrat M.J. vom „Blick“ als Pädophiler geoutet. Jetzt will die Kirche, dass der 67-Jährige sein Amt abgibt. M.J. hat dafür kein Verständnis, wohl aber für seine Nachbarn, die nicht mehr mit ihm reden.
Gegen den pädophilen Ex-Kirchenrat aus Murg läuft eine Strafuntersuchung. (Bild: Ortsgemeinde Murg)

Gegen den pädophilen Ex-Kirchenrat aus Murg läuft eine Strafuntersuchung. (Bild: Ortsgemeinde Murg)

Herr J., können Sie nach den Ereignissen der letzten Tage das Haus noch verlassen?
Die ersten zwei Tage, nachdem der „Blick“ die Geschichte über mich gebracht hat, ging ich nicht mehr raus. Jetzt traue ich mich wieder, schaue aber weder links noch rechts. Ich bekomme immer noch Morddrohungen. Man geht mit mir um, als hätte ich ein Kind umgebracht. Aber ich kann die Leute verstehen.

Wieso?
Für das Volk ist ein Pädophiler ein Kinderschänder. Ob er seine Neigung im Griff hat oder nicht, spielt keine Rolle. Deshalb wollte ich mich nie outen. Ich habe das Szenario ein paar Mal durchgespielt. Mir war klar, dass das eine Katastrophe geben würde.

Was heisst, seine Neigung im Griff haben?
Auch ein Homo- oder Heterosexueller darf nicht machen, was er will. Wenn ein Mann eine schöne Frau sieht, kann er sie nicht einfach anspringen. Er muss seine Triebe im Griff haben. Ein Pädophiler darf gar nicht erst versuchen, den Kontakt zum Objekt seines Begehrens herzustellen, muss sich also noch stärker kontrollieren. So leben viele Pädophile. Man hört aber immer nur von den Kriminellen. Und nie ist die Rede davon, dass wir ein normales Leben führen können.

Die Kirche ist da offensichtlich anderer Meinung. Sie will, dass Sie zurücktreten.
Ich bin seit zwei Jahren Kirchenverwaltungsrat von Murg. Der Präsident und der Pfarrer wussten von meiner Neigung. Jetzt kommt der „Blick“, schreibt eine Geschichte über mich und schon legt mir der Administrationsrat den Rücktritt nahe, ohne ein einziges Wort mit mir geredet zu haben.

Sie wollen also nicht zurücktreten?
Ich bleibe vorderhand in der Behörde. Aber ich kann in dieser Situation unmöglich weiterarbeiten. Ich muss abwarten, wie das Volk reagiert. Aber ich habe wenig Hoffnung. Die Geschichte hat im Dorf enormen Schaden angerichtet. Die einen wollen mich sofort rauswerfen. Die anderen, die bis jetzt zu mir standen, reden nicht mehr mit mir. Das tut weh.

Bleiben Sie in Murg?
Das weiss ich jetzt noch nicht. Mein Goldschmied-Atelier kann ich auf jeden Fall vergessen, da läuft nichts mehr.

Interview: Andri Rostetter

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